Oldenburg/Groningen - Als europaweit einzigartig lobt die Universität Oldenburg die Struktur des Medizinstudiums in Oldenburg. Grund ist die länderübergreifende Zusammenarbeit mit der Universität Groningen. Die von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen gegründete European Medical School (EMS) Oldenburg-Groningen gilt als Modell für eine grenzüberschreitende Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten.
Wunsch und Wirklichkeit
Wie sieht die Zusammenarbeit in der Praxis aus? Was erfüllt die European Medical School mit Leben? Im zehnten Jahr ihres Bestehens zeigen sich die Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Nach den Vorstellungen der Gründerväter sollten die Studierenden je zur Hälfte aus Deutschland und aus den Niederlanden kommen. Das ist nie so gekommen. In Oldenburg nehmen zu diesem Wintersemester 120 junge Frauen und Männer – überwiegend aus Deutschland – das Medizinstudium in Oldenburg auf. In Groningen hat das Medizinstudium im September für rund 400 Studierende, meist niederländische, begonnen.
Nur noch ein Semester Groningen Pflicht
In den ersten Jahren der EMS waren für alle Oldenburger Medizinstudierenden zwei Semester in Groningen vorgeschrieben. Mittlerweile nur noch eines
Im Austausch: Studentinnen im Gebäude der medizinischen Fakultät Groningen.
– die Lehrpläne beider Fakultäten lassen mehr nicht zu. Für Groninger Studierende gibt es keinen Pflicht-Aufenthalt in Oldenburg. Die Studierenden erhalten einen Abschluss ihrer jeweiligen Universität – Staatsexamen in Oldenburg, Master und/oder Bachelor in Groningen. Oldenburger Studierende, die einen Abschluss der Uni Groningen anstreben, müssen zwei Jahre dort studieren.
Neue Eindrücke im niederländischen Studienalltag
Dennoch: Die grenzüberschreitende Partnerschaft schlägt in vielen Situationen auf den Studienalltag durch. In Groningen sorgt Dr. Corinna Glasner dafür, dass die Studierenden aus Deutschland wenigstens für ein Semester ins pulsierender Studentenleben der traditionsreichen Universität eintauchen. Die Koordinatorin für die medizinische Kooperation zwischen Groningen und Oldenburg stellt Kontakte her, räumt Probleme aus dem Weg und organisiert Abläufe. „Viele sind begeistert von der neuen Umgebung, die in vielem ganz anders ist, als das, was sie von Deutschland kennen“, berichtet die Mikrobiologin. „Im vergangenen Jahr haben sich zwei Studentinnen aus Oldenburg entschlossen, bis zum Bachelor zu bleiben.“ Da die Vorlesungen auf Englisch stattfinden, sind Niederländisch-Kenntnisse zwar sinnvoll, aber keine Voraussetzung für das Groningen-Jahr.
Dr. Corinna Glasner von der medizinischen Fakultät der Universität Groningen koordiniert die Zusammenarbeit mit Oldenburg.
Vorlesungen in Oldenburg nur auf Deutsch
Groninger Medizin-Studierende verbringen zum Teil ebenfalls ein oder zwei Semester im Ausland. Oldenburg ist da allerdings nur eine Adresse von vielen möglichen in Europa und darüberhinaus. Da die Vorlesungen in Oldenburg auf Deutsch laufen, sind Sprachkenntnisse Voraussetzung. Interessant sei aus niederländischer Sicht das deutsche Gesundheitssystem. Ein so dichtes Netz von leicht erreichbaren Fachärzten gebe es in den Niederlanden beispielsweise nicht, sagt Corinna Glasner. Überhaupt: Die Unterschiede in Lern- und Arbeitsmethoden, im Hierarchie-Verständnis und im Umgang miteinander seien riesig, sagt die gebürtige Deutsche. Sinnvoll sei die Zusammenarbeit auch aus einem anderen Grund: Oldenburg und Groningen lägen in ihren Ländern beide geografisch in einer Randlage und nicht weit entfernt voneinander. „Wir haben gleiche Interessen.“
