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50 Jahre Carl von Ossietzky Universität Ethikrat-Vorsitzende mahnt zum Jubiläum mit eindringlichen Worten zum Wandel

Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx hielt eine fesselnde Festrede auf der 50-Jahr-Feier der Carl von Ossietzky Universität.

Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx hielt eine fesselnde Festrede auf der 50-Jahr-Feier der Carl von Ossietzky Universität.

Markus Hibbeler

Oldenburg - Eindrücklich hatte Prof. Dr. Alena Buyx das Auditorium gewarnt: „Es wird herb.“ Doch die Zuhörer blieben sitzen und lauschten den Worten der Vorsitzenden des deutschen Ethikrats aufmerksam. Die 46-Jährige war als Gastrednerin zur 50-Jahr-Feier der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gekommen und legte den Finger in die Wunde: Krieg vor der Haustür, Klimakrise, wachsende Wissenschaftsskepsis, Demokratiefeinde – überall lauern Gefahren für die Gesellschaft. Sie wollte aber keine Angst schüren vor diesen Gefahren, sie fragte vielmehr, wo Wissenschaft und Forschung, wo die gesamte Gesellschaft war. „Was haben wir die letzten Jahre gemacht?“, ging sie selbstkritisch ins Gericht auch mit der eigenen Fachrichtung, der Forschungsethik.

So habe Wissenschaft die Menschen nicht vorbereitet, dass Künstliche Intelligenz so schnell einen solchen Durchgriff auf die Gesellschaft habe. Man müsse jetzt die Prioritäten setzen, dass Forschung sich nicht damit beschäftige, KI das zu überlassen, was den Menschen ausmache. Stattdessen müssten die Anstrengungen in die Richtung gehen, „KI so zu nutzen, dass sie den ganzen Mist erledigt“. Aber auch bei der Klimakrise gelte: „Wie konnten wir so lange übersehen, dass wir das, was wir wissen, nicht in die Umsetzung kriegen?“ Sie zog ein ebenso klares wie scheinbar ernüchterndes Fazit: „Es ist ein Desaster.“

Umdenken

„Wir müssen klarmachen, dass das neue übergreifende Ziel ein Schutzziel sein muss“, blickte Buyx voraus. Statt wie bisher zu denken „Was können wir gewinnen?“ heiße es künftig vor allem: „Was können wir verlieren?“ Die Zeit, nicht über den Verlust fundamentaler Grundlagen nachdenken zu müssen, sei vorbei. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis, dass wir unsere demokratischen Gesellschaftsstrukturen behalten wollen.“

Die Medizinethikerin machte aber auch Hoffnung: „Wir brauchen gute Geschichten“, so Buyx. Statt sich auf Verlust und Schmerz zu fokussieren, gelte es, Ideen für ein gutes Leben zu entwickeln. Aber über „Gesellschaftsformen, die uns allen im Kern guttäten, wird zu wenig diskutiert“.

Vorangehen

Das müssten Hochschulen leisten. Gerade auch eine wie die Carl von Ossietzky Universität habe die Menschen und die Ausrichtung, Versäumnisse aufzuarbeiten. „Die vergangenen 50 Jahre ging hier ja ordentlich die Post ab“, hatte Buyx aus Gesprächen und Filmen aus den Anfängen der Universität erfahren. Und mit der Klarsicht, dem Mut und der Verrücktheit sowie der Verknüpfung von Geistes- und Naturwissenschaften könne sie dabei helfen, die „aktuellen Zivilisationsbrüche“ zu kitten. „Sie wissen, wie es geht, machen Sie es.“

Versprechen

Ein – wenn auch nicht mit neuen Finanzversprechen unterfüttertes – Geburtstagsgeschenk überbrachte Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs: „Wir haben keine Alternative, als die European Medical School zum Erfolg zu führen. Wir wollen auch keine Alternative.“ Der Universität insgesamt bescheinigte er, „ein wichtiger Akteur bei der Gestaltung von Gesellschaft und Zukunft“ zu sein. Ministerpräsident Stephan Weil (beide SPD) lobte die Ausrichtung der Universität auf gesellschaftlich relevante Themen und nannte explizit die EMS. Die Universität habe viel zur Modernisierung Oldenburgs beigetragen, betonte Weil in einer Videobotschaft. Persönlich nahm er nicht am Auftakt ins Jubiläumsjahr teil.

Verantwortung

Universitäten seien immer auch Brückenbauer und Türöffner, so Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD). Die Oldenburger verknüpfe in besonderem Maße akademische Exzellenz, innovative Forschung und gesellschaftliche Vernunft. Der zur Gründung eigens gewählte reformorientierte Ansatz gelte bis heute fort – in einer Universität, die „Motor unserer Stadt, des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens“ sei.

Die Rolle in der Wirtschaftsförderung einer strukturschwachen Region hob auch Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder hervor. 50 Jahre nach ihrer Gründung sei die Carl von Ossietzky Universität eine forschungsstarke, verantwortungsvolle Universität mit gesellschaftlich relevanten Themen. Und diese Forschungsstärke wolle man weiter vorantreiben.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)
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