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Universität Oldenburg Start ins Erstsemester unter schwierigen Bedingungen

„Wir sind für euch da, wenn's eng wird“, verspricht der Asta den Erstis (vorne von links): Tarek Probst übergibt Lina Woicke den symbolischen Notbeutel

„Wir sind für euch da, wenn's eng wird“, verspricht der Asta den Erstis (vorne von links): Tarek Probst übergibt Lina Woicke den symbolischen Notbeutel

Lorena Scheuffgen

Oldenburg - Knapp 2 000 Erstis, viel zu wenig Wohnungen und viel zu viele Kosten – die aktuelle Situation an der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität sieht für viele Neustudenten zurzeit nicht sehr rosig aus. „Die Wohnungsnot ist wohl gerade die größte Schwierigkeit“, betont Tarek Probst vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Uni. Viele Studenten-WGs seien bereits aufgelöst worden, weil die Wohnungen von Familien bezogen wurden. „Wir haben ganz viele Studierende, die keine Wohnung finden. Knapp 50 haben wir schon in Notunterkünften untergebracht, mehr Kapazitäten haben wir leider nicht“, erklärt der 26-Jährige.

Notunterkünfte

Bei den Notunterkünften handle es sich um private Familien, die Studdenten bei sich wohnen lassen. Auch Airbnb-Wohnungen am Bahnhof habe der Asta für die Erstis angemietet. „Die Unterkünfte sind eigentlich nur für die Orientierungswoche gedacht, jetzt müssen wir schauen, ob wir noch ein bisschen verlängern können, sonst stehen die Studis nächste Woche ohne Wohnung da“, sagt Probst. Auch das leerstehende Hermann-Ehlers-Haus ärgere sowohl die Studenten als auch die Asta-Mitglieder: „Dort könnten um die 150 Studierende unterkommen und es passiert einfach nichts.“

Pendeln

Lina Woicke, Bachelor-Ersti im Fach Physik, pendelt momentan aus Bremen nach Oldenburg. Die 19-Jährige wohnt derzeit noch bei ihren Eltern und hat vor, erst im Sommer nach einer Wohnung in Oldenburg zu suchen – in der Hoffnung, dass ihre Chancen dann besser stehen. „Von Tür zu Tür bin ich anderthalb Stunden unterwegs. Ich konnte in der O-Woche abends leider auch öfter nicht dabei sein, weil ich noch mit dem Zug nach Hause musste“, sagt sie.

„Einige haben sogar Fahrtzeiten von vier Stunden und andere kommen zu uns und sagen, sie können ihr Studium eigentlich gar nicht antreten, weil sie keine Wohnung haben“, beschreibt Tarek Probst die angespannte Situation. Hinzu komme, dass viele Studierende aus älteren Semestern jetzt erst zuziehen, weil die Vorlesungen wieder in Präsenz statt online stattfinden. Als „absolut grauenhaft“ bezeichnet auch Sam Habermann seine Wohnungssuche. Er habe von Göttingen aus um die 100 Anfragen losgeschickt, wovon nur ein Viertel beantwortet wurde. Letztendlich war dann eine von etwa neun Besichtigungen erfolgreich: „Das Zimmer habe ich direkt genommen, ohne die Wohnung vorher überhaupt gesehen zu haben“, berichtet der 26-jährige Master-Ersti.

110 000 Euro Darlehen

Abgesehen von der Wohnungsnot und angestiegenen Mietpreisen sei aber auch alles andere teurer geworden. Die Bafög-Erhöhung und die Einmalzahlung von 200 Euro der Bundesregierung reichen dabei nicht aus, um die gestiegenen Kosten zu decken. „In diesem Jahr haben wir bisher um die 110 000 Euro für zinsfreie Darlehen für Studierende ausgegeben. Einige sagen uns direkt, dass sie ihr Studium nicht mehr antreten können, weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können. Andere treten neben ihrem Studium mehrere Jobs gleichzeitig an“, berichtet Probst. Um ein symbolisches Zeichen für die Unterstützung der Erstis zu setzen, verteilt die Asta zurzeit sogenannte „Notbeutel“, in denen sich Infomaterial für Beratungen, Zutaten für eine warme Mahlzeit (Nudeln, passierte Tomaten, Salz und Pfeffer), ein Kalender und andere Kleinigkeiten befinden.

Der Inhalt des symbolischen Notbeutels für die Erstis Foto: Lorena Scheuffgen

Der Inhalt des symbolischen Notbeutels für die Erstis Foto: Lorena Scheuffgen

Gespräch mit Stadt

Der Asta möchte sich in den nächsten Wochen mit der Stadt treffen, um über mögliche Lösungsansätze zu sprechen, wobei die Hoffnung auf eine Besserung der Lage gering ist. „Letzten Endes muss das Land Niedersachsen mehr Gelder für Studentenwerke zur Verfügung stellen, damit diese mehr Studentenwohnheime bauen können“, sagt Probst. Das sei keine kurzfristige Lösung, aber auf lange Sicht unheimlich wichtig.

Lorena Scheuffgen
Lorena Scheuffgen Kanalmanagement, Online-Redaktion
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