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Universitätsmedizin Oldenburg „Land muss endlich zu seinem Wort stehen“

Studenten der Universitätsmedizin Oldenburg in einem Mikrochirurgie-Kursus.

Studenten der Universitätsmedizin Oldenburg in einem Mikrochirurgie-Kursus.

Archiv/Lehmann

Oldenburg - Einen „Tag des Rückschlags“ nennt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) die erneute Nichtberücksichtigung der European Medical School (EMS) im Landeshaushalt 2024. Für Ex-Wissenschaftsminister Björn Thümler ist es „ein Tiefschlag für die Universitätsmedizin in Oldenburg“. Und Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften, mahnt: „Es ist an der Zeit, dass das Land endlich zu seinem Wort steht.“

Versprechen nicht gehalten

Der nun öffentlich vorgestellte Haushaltsplanentwurf der Landesregierung entspreche nicht dem, „was in Aussicht gestellt wurde“, so Krogmann. Im Koalitionsvertrag ist die Unterstützung schriftlich fixiert: „Die Universitätsmedizin Oldenburg trägt mit ihrem Modellstudiengang der EMS seit mehr als zehn Jahren in hervorragender Weise zur Sicherung der Gesundheitsversorgung in Niedersachsen bei. Wir werden daher den Ausbau auf 200 Studienplätze pro Jahr sicherstellen und die Aufgaben in Forschung und Lehre an der Universität Oldenburg und den beteiligten Krankenhäusern auskömmlich finanzieren“, heißt es in dem von SPD und Grünen verabschiedeten Vertrag. Nothwang: „Die gestrige Entscheidung zum Haushalts-Entwurf 2024 konterkariert diese Absichten.“

Im Vergleich zu den Standorten Göttingen und Hannover gebe es im Nordwesten, so Krogmann, „Universitätsmedizin für kleines Geld“ – auf Kosten der Kommunen und Krankenhäuser. Die betrieben seit mehr als einem Jahrzehnt erheblichen Aufwand, obwohl Universitätsmedizin Aufgabe des Landes sei. Neben finanziellen Mitteln für den Aufwuchs der Studienplätze und dem Bau dringend benötigter Lehr- und Forschungsgebäude der Universität drängen auch die vier Beteiligten Krankenhäuser (Klinikum Oldenburg, Evangelisches Krankenhaus, Pius-Hospital und Karl-Jaspers-Klinik) auf eine Übernahme der finanziellen Lasten. Obwohl die Regierung „immer wieder betont, wie essenziell der Ausbau des Oldenburger Standorts für Niedersachsens Gesundheitsversorgung ist“ spare die Landesregierung „einmal mehr an der Gesundheitsversorgung der Bürgerinnen und Bürger“, so Nothwang.

Kommentar
Pläne für den Neubau gibt es, Geld bisher nur für einen ersten Bauabschnitt.

OLDENBURGER UNIVERSITÄTSMEDIZIN Unwürdiges Gezerre

Markus Minten

Mittel dringend benötigt

„Damit die Universitätsmedizin Oldenburg weiter ausgebaut werden kann, sind die Finanzierung der dringend benötigten Forschungs- und Lehrgebäude, jährliche Landeszuweisungen in realistischer Größe und eine verlässliche und – im Übrigen bereits zugesagte – Aufwandsentschädigung für die Kooperationskrankenhäuser unabdingbar“, so der Dekan. Ohne Zusage dieses Gesamtpakets werde sich der Ausbau von derzeit 120 Studienplätzen pro Jahr in der Humanmedizin auf 200 zwangsläufig weiter verzögern. Als Schlusslicht mit der bundesweit geringsten Ärzteausbildungsquote verliere das Land nun wertvolle Zeit für die Sicherung seiner Krankenversorgung. Bereits in diesem Jahrzehnt würden im Nordwesten 1400 Hausärztinnen und -ärzte sowie 1000 ambulante Fachärztinnen und -ärzte benötigt, sieht Nothwang ein riesiges Problem auf die Gesellschaft zukommen. Auch Krogmann mahnt mit Blick auf die positiven Auswirkungen der beiden anderen Universitätsmedizin-Standorte „endlich eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ für den Nordwesten an. Es könne nicht sein, dass man „Jahr für Jahr für eine angemessene universitätsmedizinische Versorgung kämpfen muss“. Während es diese im Osten des Landes gibt, werde die EMS offenbar in Hannover weiter als Projekt gesehen. „Wir müssen auf einem chronischen Provisorium endlich einen Dauerzustand machen.“

Regierung wiegelt ab

Die Landesregierung hält ungeachtet der Hiobsbotschaften nach Angaben von Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) an dem Ziel fest, die Anzahl der Studienplätze an der EMS auf 200 zu erhöhen. Nach Angaben einer Sprecherin wird es in 2024 mit den Planungen für den 1. Bauabschnitt an der EMS weitergehen, Baubeginn ist voraussichtlich 2025. Auch die Planungen für den zweiten Bauabschnitt sollen in 2024 beginnen. „Aufgrund der Haushaltssituation konnte die weitere Finanzierung im Haushalt 2024 noch nicht abgebildet werden“, so die Ministeriumssprecherin. Es werden zeitnah Gespräche mit allen Beteiligten geführt, wie das Jahr 2024 trotzdem gut genutzt werden kann, um den Ausbau der Medizinstudienplätze voranzubringen.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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