Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Tipps fürs Urban Gardening in Oldenburg Wertvolles für die Natur ist oft unspektakulär

Herausragende Wildpflanze: Birgit Will (rechts) vom Gemeinschaftsprojekt Wildbienenschutz der Stadt und des Nabu erklärt Ute Goronczy und Silvia Dilly (von links), was man von der Wilden Möhre, die auf dem Gelände wächst, essen kann.

Herausragende Wildpflanze: Birgit Will (rechts) vom Gemeinschaftsprojekt Wildbienenschutz der Stadt und des Nabu erklärt Ute Goronczy und Silvia Dilly (von links), was man von der Wilden Möhre, die auf dem Gelände wächst, essen kann.

Susanne Gloger

Oldenburg - So richtig viel wächst hier ja noch nicht: Das könnte man meinen, wenn man die riesige Fläche auf dem Gelände der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne sieht, aus der ein Gemeinschaftsgarten werden soll. Ende Mai hatten sich Interessierte aus dem Quartier Neu-Donnerschwee sowie der Nachbarschaft erstmals getroffen, um darüber zu beratschlagen, was auf dem 2535 Quadratmeter großen Areal entstehen könnte. Es ist zurzeit das größte Urban-Gardening-Projekt in Oldenburg.

Nächste Schritte

Gut zwei Monate später gibt es drei terrassenförmige Hochbeete mit viel Gemüse und Kräutern. Alte Baumstämme, Steine und Bauschutt wurden sortiert auf Haufen gelegt. Bänder, die an kleine Pflöcke gebunden sind, kennzeichnen einen künftigen Weg, der sich durch die Fläche zieht, „wie die Hauptader eines Blattes, von der später kleinere Wege abgehen“, erklärt Ute Goronczy vom Verein „Neu Donnerschwee verbindet“, der als Koordinierungsstelle dieses Gartenprojekts fungiert. Bald werde ein Brunnen gebohrt. Die Kampfmittelsondierung sei bereits dagewesen.

Die Eigentümer des Grundstücks (Dammermann-Hauenschild-Stiftung und Marius-Eriksen-Stiftung) stellen es nicht nur für das Projekt zur Verfügung, sie finanzieren auch die Hecke, die das Areal umranden soll. Die Pflanzaktion ist für Anfang November während der Wachstumsruhe terminiert. „Dann haben die Heckenpflanzen noch den ganzen Winter und weniger Wasserverlust“, weiß Goronczy.

Bestandsaufnahme

 Zurzeit sieht es eher wie in einer Steppenlandschaft aus, aber das täuscht: „Das ist hier voll von Leben“, schwärmt Birgit Will vom Gemeinschaftsprojekt Wildbienenschutz der Stadt Oldenburg und der Nabu-Bezirksgruppe Oldenburger Land. Ute Goronczy, die die Landschaftsökologin zu Rate gezogen hat, sagt: „Ich will unbedingt, dass wir von Anfang an auf Insektenfreundlichkeit achten.“ Dieser Meinung ist auch Projektteilnehmerin Silvia Dilly, die sich dazugesellt hat.

Bei einem Rundgang entdecken die drei Frauen schnell allerlei Wildpflanzen, die (nicht nur) von Insekten geschätzt werden: zum Beispiel Rainfarn, Spitzwegerich, Roter Wiesenklee, Wilde Möhre oder Disteln. „Oft sieht es unspektakulär aus, wenn man was für die Natur machen will“, sagt Birgit Will und betont: „Für Wildpflanzen, auch Stauden, ist das hier ideal. Der Sand ist super. Und dann die pralle Sonne.“

Schon kleinräumige Veränderungen spielen laut der Fachfrau für Wildbienen eine große Rolle. An einer Erhöhung von etwa 40 Zentimetern, die von der Sonne beschienen wird, stoppt Will. „Da sind Löcher, da könnten welche wohnen“, sagt sie, „80 Prozent der Wildbienenarten gehen in den Boden.“

Konkrete Ratschläge

Wills konkrete Ratschläge für dieses Projekt: „Sich einigen, was man will. Das heißt, wie viel Anteil soll das ,echte’ Gärtnern bekommen und wie viel wird der Natur überlassen.“ Einen Garten könne man immer wieder neu gestalten. Die Entwicklung der Natur für Wildbienen und andere Insekten brauche dagegen lange. Und man dürfe an den ausgewählten Flächen dann auch nicht rühren. Man dürfe sie aber betreten und die Vegetation reduzieren, wenn sie zu üppig geworden sei.

„Wenn man es ernst meint, muss man was an die Natur abgeben können. Wo Wildbienen leben, ist Unkraut“, sagt Birgit Will. Mit Blick auf die große Fläche rät sie: „Man kann ja auch kleine Zellen einbauen und drumherum gärtnern.“ Ute Goronczy meint: „Dieser Gemeinschaftsgarten könnte auch ein Lernort mitten in der Stadt werden.“

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Wills Woche

BUCH DES AFD-SPITZENKANDIDATEN KRAH „Politik von rechts“? Politik gegen die Freiheit!

Alexander Will
Interview
Niels Bötel (Mitte) spricht mit seinen Spielerinnen. Der VfL Oldenburg hat die Bundesliga-Saison auf Rang sieben abgeschlossen und war beim Final-Four-Turnier dabei.

HANDBALL-TRAINER NIELS BÖTEL IM INTERVIEW „Meine Aufgabe beim VfL Oldenburg ist noch nicht erledigt“

Otto-Ulrich Bals
Kleine Kinder haben Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und Stillen. In Oldenburg wollen Hebammen Unterrichtsstunden zu diesen Themen in den vierten Klassen geben.

PILOTPROJEKT IN OLDENBURG Schwangerschaft, Geburt und Stillen – Was Grundschüler bei Hebammen lernen

Anja Biewald
Oldenburg
Analyse
Bundeskanzler Olaf Scholz besucht den Katholikentag in Erfurt

SPD-WAHLKAMPF ZUR EUROPA-WAHL Zieht der Kanzler im Osten?

Kerstin Münstermann Büro Berlin
Delitzsch
Blick in die Räucherkammer bei Aal Bruns in Kayhauserfeld: Marco Pawlik ist mit der Qualität zufrieden.

DELIKATESSE NACH ÜBERLIEFERTER REZEPTUR Woher kommt der Zwischenahner Aal?

Kerstin Schumann
Kayhauserfeld