Oldenburg - „Was ist ein Choleriker?“ Schnipsende Finger schnellen in die Luft. „Einer, der sich hilflos seinen Gefühlen ausgeliefert fühlt“, sagt Janna Otten. Eigentlich hat die 17-Jährige kein Manierentraining nötig – den Knigge-Kurs für Berufsanfänger besucht die Schülerin dennoch. Schließlich lautete das Motto des Tages: Total sozial.
Zum zweiten Mal hat die AOK-Gesundheitskasse Schüler ab 16 Jahren am Freitag eingeladen, um sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu begeistern. 800 freie Stellen in Einrichtungen aus der ganzen Region – von Drogenberatungsstellen über Altersheime, Kindergärten oder Behindertenwerkstätten – warten auf engagierten Nachwuchs.
Verschiedene Träger wie die Diakonie, die Johanniter oder das Rote Kreuz beantworteten den neugierigen Schülern bis zum späten Nachmittag Fragen. Ein Krankenwagen auf dem Hof des Gesundheitszentrums stand zur Verpflegung von Wissenshunger bereit. Mutige schlüpften in den „Parkinson-Anzug“: Mit schweren Gewichten am Körper, abgedunkelter Brille und Ohrenschützern konnten die Jugendlichen einen Eindruck gewinnen, mit welchen Hürden alte und kranke Menschen zu kämpfen haben. An Puppen konnte Erste Hilfe geübt werden und ein Fotografenteam lichtete Kurzentschlossene für Bewerbungsfotos ab.
Soziales Engagement musste bei den meisten Schülern jedoch nicht mehr geweckt werden: „Ich will was mit Kindern machen. Aber hier gibt’s viele spannende Bereiche“, sagte Ricarda Leonie Frohn. Die 17-Jährige kam in Begleitung ihrer Mutter, den Vormittag über tummelten sich rund 130 Klassenkameraden an den Infotischen. Wer wollte, konnte gleich vor Ort Bewerbungsbögen ausfüllen. Zweifler ließen sich in Vorträgen und Erfahrungsberichten von gestandenen FSJlern schlau machen.
Und wer was über das Leid der Choleriker – oder angemessenes Verhalten bei künftigen Bewerbungsgesprächen – lernen wollte, war im Knigge-Kurs richtig. Den besuchten übrigens auch die Klassenlehrer. Total sozial eben.
