Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Verkehr in Urlaubsregion nimmt zu Im Führerstand an die Nordseeküste

Familienurlaub mit der Bahn – Sarom Siebenhaar erinnert sich gern an Stullen und Besuche im Führerstand.

Familienurlaub mit der Bahn – Sarom Siebenhaar erinnert sich gern an Stullen und Besuche im Führerstand.

dpa/Bein

Oldenburg - Urlaub ohne Auto: Was für viele Menschen kaum vorstellbar scheint, war in meiner Kindheit Alltag. Die Zeit, in der ich mit meinen Eltern und meiner Schwester mehrere Stunden mit der Regionalbahn durch das Land getingelt bin, möchte ich nicht missen. Wenn ich an Urlaub in Deutschland denke, erinnere ich mich an eben diese Zugfahrten und alles, was dazu gehörte. Das Packen, das Schmieren von Stullen, das Hetzen zum Bahngleis. Die kurzweiligen Gesellschaftsspiele oder die regelmäßigen Besuche im Führerstand waren das Highlight einer jeden Zugfahrt.

81 Prozent reisen mit dem Auto an die Nordsee

Ein Auto habe ich nie vermisst, ich bin dankbar für diese Reise-Erlebnisse. Ja, es ist etwas bequemer mit dem Auto zu reisen. Wirft man aber einen Blick auf die Zahlen und die Auswirkungen auf das Klima, sollte das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln einmal mehr in den Vordergrund gestellt werden. „Das ist ein drängendes Thema. Wenn man da nicht den Hebel umlegt, wird das nach hinten losgehen“, sagte Christoph Marquardt, Verkehrs- und Raumplaner aus Oldenburg, im Interview mit unserer Redaktion. „Ein Umdenken ist erforderlich, bei Land, Landkreisen und der Tourismusbranche.“

„Die Nordsee GmbH“, eine touristische Marketingorganisation, hat Daten zu diesem Thema gesammelt (Stand 2018). Das Ergebnis: Knapp 81 Prozent der Urlauber reisen mit dem Auto an die Nordsee. Der Anteil der Urlauber, die Bus (vier Prozent) oder Bahn (acht Prozent) nutzen, ist verschwindend gering. Die Zahlen sind zwar bereits vier Jahre alt. Die Corona-Pandemie hat den Urlauber-Andrang auf unsere Region aber eher verstärkt.

Bus und Bahn schlagen Auto im Treibhausvergleich um Längen

15,4 Millionen Übernachtungen für Ostfriesland, die Ostfriesischen Inseln und die Nordseeküste stehen in der Statistik von 2018. Im Schnitt kamen dabei auf jede Übernachtung ungefähr zwei Tagesreisen. Hochgerechnet waren das insgesamt etwa 35 Millionen Fahrten pro Tag. Für 70 Prozent dieser Tagesreisen, also knapp 24,5 Millionen, sollen Urlauber das Auto genutzt haben.

Vergleicht man die durchschnittlichen Treibhausgasemissionen der Verkehrsmittel pro Personenkilometer (Pkm), schneidet das Auto laut Umweltbundesamt schlechter ab als die Alternativen: Auto (1,5 Personen: 147 g CO2/Pkm), Fernbus (29 g CO2/Pkm), Zug (57 g CO2/Pkm). Die Nordsee GmbH hat die Personenzahl auf 2,66 korrigiert. Dadurch ergibt sich ein Wert von 78 g CO2/Pkm, da sich die Belastung auf mehr Schultern verteilt und damit niedriger ausfällt.

Deutschlandweit ist das Auto für Reisen das Verkehrsmittel Nummer Eins

Im Sinne der Aktualität lohnt auch ein Blick auf die deutschlandweiten Zahlen. 2021 wurde für 78 Prozent der Urlaubsreisen in Deutschland das Auto genutzt, für nur elf Prozent die Bahn. Das ermittelte das größte deutsche Marktforschungsinstitut GfK.

Ja, reisen mit Auto ist bequemer, flexibler und im Zweifel billiger. Aber in Anbetracht der steigenden Spritpreise und der Angebote des Nah- und Fernverkehrs – zum Beispiel der Deutschen Bahn (Neun-Euro-Ticket) – steht das Reisen mit Bus oder Bahn dem mit Auto noch in kaum etwas nach. Vor allem im Hinblick auf unsere Umwelt ist hier ein Umdenken dringend nötig. Zumal in meinen Augen ein Besuch im Führerstand eines Zuges eine lange Fahrt auf dem Rücksitz eines Kombis um Längen schlägt.

Sarom Siebenhaar
Sarom Siebenhaar Redaktion Jever
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Feilen am Plan für die neue Saison: Sebastian Schachten (rechts) und Fuat Kilic

WIE GEHT ES BEIM VFB OLDENBURG WEITER? Das sagt Sportleiter Schachten zu Abgängen und Kaderplan

Lars Blancke
Oldenburg
Wird als erste Zeugin im Untersuchungsausschuss angehört: Finanz-Staatssekretärin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne)

SITZUNG MEHRFACH UNTERBROCHEN Untersuchung zur Beförderung in Weils Staatskanzlei beginnt mit Eklat

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Meinung
Am 3. Mai ist Tag der Pressefreiheit.

TAG DER PRESSEFREIHEIT Vom Glück, in einem freien Land zu leben

Ulrich Schönborn
Oldenburg
Auf Borkum wurden Ende April rund 20 Säcke mit bislang unbekanntem Inhalt angeschwemmt.

WAS WURDE ANGESCHWEMMT? Borkumer Drogenfund bleibt ein Rätsel

Axel Pries
Borkum
Symbolbild

UNFALL IN OLDENBURG Angetrunkener Radfahrer von Auto erfasst – schwer verletzt

Oldenburg