Michael Weinberg ist seit dem März vergangenen Jahres Geschäftsführer der VfB Oldenburg GmbH. Wie sich der Aufstieg auf das Sponsoring ausgewirkt hat, warum ein neues Stadion alternativlos ist und wie er strukturelle Defizite aufarbeitet, verrät er im großen Interview.

Herr Weinberg, wer die Homepage des VfB Oldenburg verfolgt, sieht dort gefühlt jeden zweiten Tag ein Foto von Ihnen mit einem neuen Sponsor. Im Stadionheft finden sich auf Ihrer Übersicht rund 130 Partner. Wie viele waren es bei Ihrem Amtsantritt am 1. März 2021?

Michael Weinberg (39)Das weiß ich nicht mehr, aber deutlich weniger (lacht).

Trägt allein der sportliche Erfolg zu dieser Entwicklung bei?

WeinbergGanz viel natürlich. Wichtig ist uns: Wir begegnen jedem Sponsor mit Respekt und Demut, jeder bekommt zunächst ein Vieraugengespräch mit mir. Ich nenne das für mich gern Bewerbungsgespräch. Ich stelle mich vor, meinen persönlichen Werdegang, denn die Partner wollen die Leute hinter dem VfB kennenlernen. Wir müssen uns gegenseitig vertrauen.

Der VfB hat viele kleinere Sponsoren dazugewonnen. Fehlt nicht ein weiterer großer Partner, um in Liga drei finanziell mitzuhalten?

WeinbergGrundsätzlich hätte ich natürlich gern weitere Big Player, aber wir haben sie ja auch in unserem Kreis. Wir sind nicht abhängig von einem einzelnen Partner – das macht uns stolz.

Für große Aufmerksamkeit hat die Nachricht der EWE-Rückkehr in den Kreis der Partner gesorgt. Zu den Großsponsoren zählt der Energieversorger aber nicht. Warum?

WeinbergWichtig ist uns das Signal, das wir mit dieser Partnerschaft senden. Die EWE ist das größte Unternehmen in Oldenburg und jetzt wieder Teil der VfB-Familie. Das war mir sehr wichtig.

Reden wir über Zahlen: In der Regionalliga Nord lag der Etat des VfB bei knapp über einer Million Euro. Nun kommen 888.000 Euro aus dem TV-Vertrag hinzu, die jeder Drittligist automatisch erhält. Wo liegt der Etat des VfB heute?

WeinbergIm Sommer 2021 lag er bei knapp 1,2 Millionen Euro. Damit kann man eine vernünftige Rolle in der Regionalliga Nord spielen. Sportlich haben wir mit diesem Budget danach alles erreicht, was man erreichen konnte, was die Entwicklung beschleunigt hat. Inzwischen haben wir unseren Etat in der 3. Liga fast vervierfacht.

Zur Person

Micahel Weinberg (39) ist seit dem 1. März 2021 Geschäftsführer der VfB Oldenburg Fußball GmbH. Der gebürtige Nordhorner und dreifache Familienvater ist diplomierter Steuerberater und war zunächst selbstständig tätig. Von 2015 bis 2021 half er in verschiedenen Positionen, zuletzt als Sportvorstand, den BSV Rehden in der Regionalliga Nord zu etablieren.

Ist es möglich, trotz der Konkurrenz der EWE Baskets und der VfL-Handballerinnen aus Oldenburg heraus noch stärker zu wachsen?

WeinbergEs geht aktuell miteinander und nebeneinander, das sehen wir ja. Wir müssen aber natürlich über die Grenzen von Oldenburg hinausgehen. Das machen wir bereits.

Der Bau eines neuen Stadions ist das alles überstrahlende Thema. Nützt alle positive Entwicklung nichts, wenn keine neue Arena kommt?

WeinbergMit einem neuen Stadion steht und fällt die weitere Zukunft! Da brauchen wir uns nichts vormachen. Wenn wir uns auf lange Sicht im Profifußball etablieren wollen, geht das nur so.

Als Alternative gilt, das Marschwegstadion für mindestens 15 Millionen Euro zu sanieren. Was halten Sie davon?

WeinbergDas funktioniert nicht, weil eine uneingeschränkte Nutzung des Marschwegstadions nicht möglich ist. Wir hätten immer die Einschränkung, dass wir wegen der Lärmschutzverordnung keine Spiele nach 18.30 Uhr starten dürften. Ein Beispiel: Am 30. Juni 2023 läuft der TV-Vertrag der 3. Liga mit Magenta aus. Stellen wir uns vor, es kommt ein anderer Anbieter, der sagt: Freitagsspiele um 20 Uhr oder 20.30 Uhr finden wir toll. Da kriegen wir keine Ausnahmegenehmigungen. Es ist alternativlos: Wenn wir Profifußball in Oldenburg zeigen wollen, brauchen wir ein neues Stadion.

Der VfB hat viele strukturelle Defizite. Wie können Sie den DFB überzeugen, dass er in den Profifußball gehört?

WeinbergDer DFB will eine Entwicklung sehen. Ein Vertreter war gegen Verl da, der erkannt hat, dass wir bei den Themen Sicherheit, Infrastruktur etc. vorankommen. Der nächste Schritt ist: Rasenheizung, Flutlicht, Einzelsitzschalen. Wenn so etwas nicht funktioniert, wird es womöglich keine Lizenz in der neuen Saison für die 3. Liga geben – oder nur an einem Standort, der nicht in Oldenburg ist. Es sei denn: Der Stadionneubau findet im Oldenburger Rat ein positives Votum, dann wird sich der DFB vielleicht auf Kompromisse einlassen. Ansonsten gilt: Wir werden alles dafür tun, dass wir sportlich Erfolg haben, also den Klassenerhalt schaffen. Wir wollen auf Dauer wirtschaftlich und auf seriösen Beinen Fuß im Profifußball fassen. Sportlich haben wir an den ersten neun Spieltagen gesehen, dass wir konkurrenzfähig sind. Wir waren in keinem Spiel schlechter.

Wie ordnen Sie die Zuschauerzahlen ein? Gegen Meppen waren es mehr als 9000, zuletzt gegen Bayreuth nur 3500.

WeinbergGrundsätzlich positiv. Wir haben im Budget einen kalkulierten Zuschauerschnitt von 3000 angegeben, was auch mit den möglichen Ausweichspielen in Hannover und möglichen Corona-Maßnahmen im Winter zu tun hat. Zurzeit liegen wir bei 6500. Wenn wir das beibehalten können, sind wir da sehr stolz drauf.

Sie schließen viele Verträge aktuell ab. Liegt ein neues Arbeitspapier für Aufstiegstrainer Dario Fossi, dessen erfolgreiche Arbeit deutschlandweit wahrgenommen wird, schon in Ihrer Schublade?

WeinbergDario muss erstmal seine Fußball-Lehrer-Lizenz Anfang des nächsten Jahres machen (lacht). Im Ernst: Dario hat einen Vertrag, der ist bis mindestens zum Saisonende noch gültig. Wir wollen seriös sein und nichts hinausposaunen. Wir arbeiten super zusammen, beide profitieren voneinander.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion
Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)
Max Holscher
Max Holscher Mitglied der Chefredaktion (Digitales)