Oldenburg - Dass wenige Gramm schwere Singvögel nach einem Flug über zwei Kontinente zu ihrem Brutplatz vom Vorjahr zurückfinden, erscheint selbst Fachleuten wie ein kleines Wunder. Eine neue Studie – veröffentlicht im renommierten Fachmagazin „Science“ – liefert nun Hinweise darauf, wie den Vögeln dies gelingt: Magnetische Signale zeigen ihnen, wo sie ihre Wanderung beenden müssen, so das Team unter Leitung von Forschenden der Universität Oxford (Großbritannien) mit Beteiligung der Universität Oldenburg. Die Untersuchung basiert auf Beringungsdaten, die über fast 80 Jahre in ganz Europa gesammelt wurden.
Wie Vögel das Magnetfeld der Erde wahrnehmen, ist derzeit Gegenstand intensiver Forschung. Einer Theorie zufolge, die Wissenschaftler aus Oldenburg und Oxford gemeinsam untersuchen, registrieren Vögel Magnetfeldlinien mit Hilfe bestimmter chemischer Moleküle im Auge. Das Team vermutet, dass die Vögel diese Fähigkeit nutzen, um ihre Flugrichtung und vielleicht auch ihren Aufenthaltsort zu bestimmen.
„Untersuchungen machen zwar immer deutlicher, dass der Vogelzug einem festen Programm folgt, das Vögel von ihren Eltern erben. Aber wie sie Jahr für Jahr mit hoher Präzision an denselben Ort zurückkehren, ist nach wie vor ein Rätsel“, sagt Hauptautor Dr. Joe Wynn vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven. Er hatte zuvor an der University of Oxford geforscht und die Idee zu der Studie während eines Aufenthalts als Gastwissenschaftler in der Arbeitsgruppe des Biologen Prof. Dr. Henrik Mouritsen an der Universität Oldenburg entwickelt.
Das Team analysierte Beringungsdaten von fast 18.000 Teichrohrsängern, die aus der Zeit zwischen 1940 und 2018 stammen. Teichrohrsänger sind winzige Singvögel, die jedes Jahr die Sahara überqueren und den Sommer in Europa verbringen. Sie zählen zu den Arten, die seit fast hundert Jahren mit kleinen Metallfußringen individuell markiert werden.
Das Team analysierte die Daten der Teichrohrsänger mit statistischen Methoden. Die Verteilung der gefundenen Ringe deutete darauf hin, dass die Vögel ein Ziel anpeilen, das nicht ortsfest ist. Die Forschenden fanden einen sehr genauen Zusammenhang zwischen den Fundorten und der langsamen Drift des Erdmagnetfeldes, dessen Feldlinien sich durch Bewegungen des flüssigen Eisens im Erdkern von Jahr zu Jahr um wenige Kilometer in verschiedene Richtungen verlagern können. Wie Wynn und seine Kolleginnen und Kollegen schreiben, scheinen die Vögel eine bestimmte magnetische Koordinate wie ein Stoppschild zu nutzen: Sobald die magnetische der Neigungswinkel zwischen Feldlinien und Erdoberfläche einen bestimmten Wert erreicht, hören sie auf zu wandern.
