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Volkstrauertag in Oldenburg Verfolgung von queeren Menschen in Erinnerung gerufen

Gedenken im Regen: Am Mahnmal an der Peterstraße legten (vorne) Brigadegeneral Joachim Hoppe und Bürgermeisterin Petra Averbeck einen Kranz nieder.

Gedenken im Regen: Am Mahnmal an der Peterstraße legten (vorne) Brigadegeneral Joachim Hoppe und Bürgermeisterin Petra Averbeck einen Kranz nieder.

Sascha Stüber

Oldenburg - Krieg und Gewalt sind in diesen Zeiten näher, als es viele Jahre der Fall war. Der Überfall Russlands auf die Ukraine und der Terrorakt der Hamas in Israel haben Bilder erzeugt, die für Trauer, Unbehagen, mitunter auch für Angst hier vor Ort sorgen. Diese Gedanken schwangen wohl bei all den vielen Menschen mit, die sich am Sonntag, dem Volkstrauertag, der Erinnerungen an die Opfer dieser, aber auch der früheren Kriege und Gewalttaten widmeten.

In der gesamten Stadt hatten Bürgervereine, Kirchengemeinden und andere Institutionen zu Gottesdiensten und anderen Gedenkveranstaltungen eingeladen. An den Gedenkstätten wurden Kränze niedergelegt, mitunter wurde Musik gespielt. Die zentrale Veranstaltung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge fand am Sonntagvormittag im Alten Landtag statt. Zuvor hatte eine Delegation, angeführt von Bürgermeisterin Petra Averbeck und Brigadegeneral Joachim Hoppe (stellvertretender Kommandeur der 1. Panzerdivision, deren Stab in Oldenburg sitzt), Kränze am Mahnmal für alle Opfer des Nationalsozialismus in Oldenburg und am Leobschützer Gedenkstein an der Peterstraße niedergelegt.

Denkmal an der Hauptstraße: Am Gedenken in  Eversten waren der Bürgerverein, die Feuerwehr und weitere Vereine beteiligt.

Denkmal an der Hauptstraße: Am Gedenken in Eversten waren der Bürgerverein, die Feuerwehr und weitere Vereine beteiligt.

Tägliches Sterben

Bei der Gedenkstunde erinnerte Franz-Josef Sickelmann, Bezirksvorsitzender des Volksbunds, daran, dass am Volkstrauertag zwar viel an die Toten der Vergangenheit erinnert werde, dass man die Konflikte der heutigen Zeit jedoch nicht vergessen dürfe. „Es sterben täglich Menschen in der Ukraine und im Nahen Osten aufgrund von Krieg und Terror“, sagte er. „Unser Leben steht jedoch im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung.“

Mit Blick auf die Vergangenheit zählte Sickelmann zahlreiche Gruppen auf, die während der Nazi-Herrschaft in Deutschland diskriminiert, verfolgt und getötet wurden, weil sie außerhalb der vom NS-Regime ausgerufenen Idealvorstellung einer Volksgemeinschaft standen: Juden, Sinti und Roma oder eben auch queere Personen (zum Beispiel Homosexuelle), die aufgrund ihrer sexuellen Identität ausgegrenzt wurden. Diese Gruppe hatte der Bundestag am 27. Januar erstmals in den Mittelpunkt am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gestellt. Dies griff nun der Volksbund bei seiner Gedenkfeier auf.

Schüler-Theater

Dazu hatte er Schülerinnen und Schüler der Fachschule Sozialpädagogik der BBS Ammerland aus Bad Zwischenahn eingeladen. In einem kurzen Theaterstück zeichneten sie den Weg des Zwischenahners Karl Gorath nach. Er wurde 1939 verhaftet und auf Basis des Paragrafen 175 wegen widernatürlicher Unzucht verurteilt. 1942 folgte die Deportation ins Konzentrationslager Neuengamme, 1943 ging es weiter nach Auschwitz. Gorath überlebte die Zeit. Doch 1947 wurde er noch einmal verurteilt. Paragraf 175 wurde erst 1994 abgeschafft. Karl Gorath starb im Jahr 2003. Das auffordernde Fazit der Schüler: „Liebe ist bunt!“

Um das Schicksal von Karl Gorath dreht sich auch eine Folge unseres Podcasts „Tatort Nordwesten“ unter

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)
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