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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Von der Liebe zu einem Bauwerk

23.03.2013

Oldenburg Der Oldenburger und seine Cäcilienbrücke – da hat sich in 85 Jahren eine intensive Liebe entwickelt. Wie anders ist es zu erklären, dass ein vergleichsweise junges Bauwerk für so viel Aufregung sorgt, nur weil geplant wird, es – aus technischen Gründen – abzureißen und neu zu bauen (die NWZ  berichtete)? Einer, der es wissen könnte, rätselt auch: „Die Cäcilienbrücke ist ein Phänomen“, meint Michael Brandt.

Als Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft ist er gut vertraut mit der Befindlichkeit der Menschen in der Region, mithin auch mit ihrer Verbundenheit zu deren Besonderheiten. Dazu zählt die 1927 eröffnete Brücke über den Küstenkanal allemal.

Dennoch ist Brandts Urteil ziemlich eindeutig: „Aus baufachlicher Sicht ist wohl nichts anderes möglich als der Abriss. Mir wäre es selbstverständlich lieber, man könnte das Original reparieren, aber nach Ansicht aller Experten macht das keinen Sinn.“

Dieser rational begründete Abschied von der Cäcilienbrücke dürfte der Oldenburgischen Landschaft als Institution, der der Schutz und Erhalt von ortsprägenden Objekten wichtig ist, schwer fallen.

Schließlich bleibt damit weiterhin unerklärt, warum die Cäcilienbrücke als „sehr emotionsbeladenes Bauwerk“ in der Bevölkerung gilt. „Es muss etwas mit der Form zu tun haben“, sinniert Brandt, „mit den vier Türmen, mit ihrem weit sichtbaren Backsteinexpressionismus und mit ihrer Funktion als Einfahrt in die Stadt aus Richtung Osternburg“. Solche Details können dafür sorgen, dass ein Bau nicht nur eine Ingenieurleistung darstellt, sondern vor allem ein Wahrzeichen.

Das Einfachste wäre mithin, aus dem Alten das Neue zu machen. „Das Material und die Türme erhalten, also die neue Brücke mit ihren bekannten architektonischen Elementen wiederaufbauen – das könnte ein Kompromiss sein“, sagt Brandt. Natürlich sei eine Reproduktion nicht das historische Original, aber in diesem speziellen Fall vertretbar. „Prinzipiell bin ich kein Freund historisierender Nachbebauung, wie sie zum Beispiel beim Berliner Stadtschloss versucht wird.“

Die Cäcilienbrücke, die auf einzigartige Weise ein „Hub-erlebnis“ vermittele und den Menschen „zum Innehalten zwingt, wenn sie hochgezogen ist“, nimmt nach Brandts Ansicht zudem eine Sonderstellung unter Oldenburgs Wahrzeichen ein. „Die Stadt hat genug klassische Beispiele wie das Schloss oder den Lappan, darum sind die Emotionen, die hier zu Tage treten, erstaunlich“, meint er.

Andererseits war die Cäcilienbrücke, die 1927 eine Zugbrücke ersetzte, ein ungewöhnlicher Bau, sie galt damals als größte Hubbrücke Europas (42 Meter). „Die Cäcilienbrücke war eine technische Neuerung, die die weite Welt nach Oldenburg brachte.“ Grund genug für die Bürger der 1930er Jahre und ihre Nachfahren, die „Cäci“ zu lieben. Was diese Verbindung heute stört, ist die marode Technik des Bauwerks.

Klaus Fricke

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