Oldenburg - „Nachhaltigkeit als Unternehmensziel?!“: Das Fragezeichen im Diskussionstitel war eigentlich überflüssig, denn für die Podiumsteilnehmer aus der regionalen Wirtschaft und die Zuhörer stand fest: Kein Unternehmen – ob mittelständisch oder Großkonzern – kann es sich heute noch leisten, das Thema außen vorzulassen. Vielmehr müsse es gelingen, Unternehmensstrategien, Klimawandel und Nachhaltigkeit gewinnbringend zusammenzuführen. In die Gleishalle eingeladen hatten als Veranstalter der Ausstellung „Planet or Plastic“ die Agentur Mediavanti und die Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg.
UNter Strom
Eine der Kernfragen stellte Moderator Rainer Lisowski gleich zu Beginn: „Wir reden alle ganz viel, aber wie schaffen wir es, die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten?“ Wo setzt man an: lokal, global oder grundsätzlich? „Denn was nützt die beste lokale Idee, wenn es global nicht weitergeht?“, fragte Lisowski in die Runde.
Einer, der durchaus Potenzial auf lokaler Ebene sieht, ist Matthias Voß, Geschäftsführer der Oldenburger Gebäudereinigung Wilhelm Kühne: „In der Reinigungschemie spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle.“ So habe seine Firma angefangen, bestimmte Produkte auszutauschen und die Dosierung zu optimieren: „Wir schulen unsere Mitarbeiter, möglichst wenig Reinigungsmittel effizient einzusetzen.“ Eine Photovoltaikanlage, die die wachsende Elektroflotte für die 700 Mitarbeiter mit Strom versorgt und ein mobiles Klassenzimmer, um den Nachwuchs zu sensibilisieren, spiegele die nachhaltige Unternehmensstrategie wider. Seine Beobachtung: Nicht immer entscheide bei den Kunden das günstigste Angebot über Top oder Flop: „Sie wollen stattdessen wissen, wie nachhaltig wir arbeiten und entscheiden danach!“
Unterm Radar
Dass man Nachhaltigkeit vor allem zu Ende denken müsse – als Unternehmen genauso wie als einzelner Mensch – forderte Jens Freymuth von der Wohnungsbaugesellschaft GSG, der zudem als SPD-Politiker im Stadtrat aktiv ist: „Die GSG hat auch eine PV-Anlage auf dem Hauptgebäude installiert und stellt den Fuhrpark um.“
Das klinge zunächst nach sauberem Strom, „aber für die Rohstoffe, die dafür benötigt werden, werden Landstriche in Asien und Südamerika zerstört.“ Nur rede darüber kaum jemand.
Unter Druck
Ein Bereich, über den viel geredet wird und der in den vergangenen Jahren massiv unter Druck geraten ist, ist die Kunststoffproduktion: Martin Burwinkel, Geschäftsführer der Burwinkel Kunststoff GmbH im Landkreis Vechta, stellt sich der Kritik offen und konstruktiv: „Wir wollen in unserem Kernprozess noch nachhaltiger werden.“ So wolle man den Rezyklatanteil, also, das, was im gelben Sack landet und wieder aufbereitet wird, weiter erhöhen.
Kritisch hingegen betrachtet er – der selbst aus einer CO
Dass unter Gründern das Thema Nachhaltigkeit gefragt ist, weiß Alexandra Wurm, Geschäftsführerin vom GO! Start-up Zentrum in Oldenburg: „16 von unseren 45 Teams sind in Sachen Nachhaltigkeit unterwegs.“ Aber nach wie vor sei es schwierig, mit Nachhaltigkeitskonzepten den Markt zu erobern, zumal es in Niedersachsen an mutigen Business Angels fehle: „An dieser Stelle spielt die Gewinnmaximierung doch wieder eine enorme Rolle“, resümiert Wurm.
Fazit des Abends: Nachhaltige Ziele spielen für Unternehmen und Gründer eine immer größere Rolle, Gewinnmaximierung ist nicht mehr das alleinige Zauberwort, aber bestimmt noch immer den Markt.
Und: Gefragt ist nach wie vor der einzelne Mensch: Je weniger er konsumiert, umso nachhaltiger gestaltet er seine Umwelt.
