Wechloy/Ofen - Den anstehenden Frühling und die mit ihm einhergehende Blütenpracht können nicht nur die Menschen kaum erwarten. Denn für Insekten ist der bunte Reigen schließlich nicht nur optisch schön, er ist für sie ihre Lebensgrundlage. Damit das Angebot in den kommenden Monaten möglichst reich ist, gibt es jetzt das Blühwiesen-Projekt „Immerbunt“.
Worum geht es beim Projekt „Immerbunt“?
Ziel ist es, mit Hilfe einer offenen Finanzierungskampagne über das Internet (Crowdfunding) bis zu 70 000 Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzflächen am Stadtrand von Oldenburg, in ökologische Blühwiesen umzuwandeln. Das entspricht in etwa der Größe von zehn Fußballfeldern. Geplant ist das zunächst über den Projektzeitraum von April 2021 bis März 2022 Die Organisatoren wollen mit ihrem Vorhaben die Artenvielfalt erhalten, indem sie eine Lebensgrundlage für bedrohte Tier- und Insektenarten schaffen.
Verwendet werden soll in der Umsetzung eine lokal abgestimmte und zertifiziert biologische Saatgutmischung. Zudem sollen diverse Bienenvölker an den Flächen angesiedelt werden. Unterstützt werde damit auch ein lokaler Imker, der im vergangenen Jahr mit dem Verlust einiger Bienenvölker zu kämpfen hatte.
Wer steckt hinter dem Projekt?
Das Team besteht aus den Oldenburg Tom Junge (25), Felix Jan Kunert (21) und Johnny Benjes (24). Junge und Kunert sie Geschäftsführer des Start-up-Unternehmens Vertikali. Wie unsere Redaktion berichtete, arbeiten sie an einem nachhaltigen Anbausystem in einem geschlossenen Raum, einer Indoor-Farm. Nahrungsmittel wie Salate und Kräuter werden so unter Laborbedingungen in mehrstöckigen Gewächshäusern angebaut. Benjes ist Agrarwissenschaftler und unterstützt mit seiner Expertise. Aus ihrer Verbundenheit zu Natur und Heimat sei nebenbei Projekt „Immerbunt“ entstanden, mit der sie der Artenvielfalt in der Region mal „etwas richtig Gutes tun“ möchten.
Vom Projekt „Immerbunt“: Felix Jan Kunert (links) und Tom Junge
Wie funktioniert die Finanzierung?
Das Projekt finanziert sich durch die Zuwendungen vieler privater Unterstützer im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne. Über eine Internetplattform können Interessierte Beiträge nach Wahl einzahlen. Bei bestimmten Beträgen gibt es Dankeschöns wie Blühpaten-Zertifikate, Saatgut für Zuhause, Honig von den künftigen Bienenvölkern oder Insektenhotels.
Rund ein Drittel der bei uns vorkommenden Arten steht auf der Roten Liste und gilt damit als gefährdet, heißt es im Artenschutzreport des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz von 2015.
Seit 1989 laut der „Krefelder Studie“ von 2017 ein Rückgang der Fluginsekten-Biomasse von 76 Prozent zu verzeichnen.
Auch bei einem Drittel der Bestände der in Deutschland vorkommenden Vogelarten sind die Bestände Rückläufig. Der Kiebitz und das Rebhuhn haben in den vergangenen vier Jahrzehnten mehr als 90 Prozent ihrer Bestände eingebüßt, heißt es im nationalen Vogelschutzbericht aus dem Jahr 2019.
Wofür das Geld verwendet werden soll, ist auf der Crowdfunding-Seite aufgeschlüsselt. So sollen damit unter anderem die Pacht der Ackerflächen, der Kauf des Saatguts und die Vorbereitungen des Bodens finanziert werden. Bleibt am Ende etwas übrig, profitiert Vertikali. „Mögliche Überschüsse aus dem Projekt werden für die Entwicklung und Umsetzung eines innovativen und nachhaltigen Anbausystems am Rand von Oldenburg genutzt“, heißt es.
Wie ist das Projekt angelaufen?
Das eigentlich bis Ende Februar gesteckte erste Projektziel von 5000 Euro wurde bereits übertroffen. Durch mehr als 122 Unterstützer seien bereits 6890 Quadratmeter Blühwiese gesichert, heißt es. Mit den Einnahmen könnten der erste Teil des nötigen Ackers gepachtet, die Einzäunung der Flächen gekauft und erste Vorbereitung getroffen werden.
Um die Gesamtfläche von 70 000 Quadratmetern zu realisieren, seien allerdings 175 000 Euro nötig. Grund für die im Vergleich zu anderen Projekten höheren Kosten ist unter anderem, dass für die Blühwiesen Demeter-Flächen (ein sehr hoher Bio-Standard) genutzt werden, was sich auf die Pacht, die Ausfallentschädigung für den Landwirt und die Kosten für das ökologisch hochwertige Saatgut auswirkt. Wer es noch genauer wissen möchte, den lädt Junge ein, einfach anzurufen unter
Deswegen hoffen die Organisatoren auch auf Rückenwind aus der Wirtschaft. „Auch Unternehmen können das Projekt unterstützen und ein Statement für die Nachhaltigkeit und Oldenburg leisten“, sagt Junge. Zu den Unterstützern zählten bereits jetzt lokal ansässige oder agierende Firmen wie Famo24, Boese Events, Gustav Grün, Puuuro, die Goldschmiede Speckmann und das Pro-Weideland-Siegel. Aber auch die Handwerkskammer Oldenburg und überregionale Unternehmen wie der Gewächshausbauer Plan B2 seien dabei.
