Oldenburg - Im nachgeholten Meisterkonzert im Alten Landtag stellten Dorothee Oberlinger (Blockföte) und Nils Mönkemeyer (Viola) wirklich hörenswerte Musik vor. Und da es kaum Originalkompositionen für genau diese beiden Instrumente gibt, griffen sie auf Bearbeitungen zurück. Der zeitliche Bogen spannte sich von „O Ecclesia“ der Hildegard von Bingen, immerhin 900 Jahre alt, bis ins Jetzt: Es erklang auch eine Uraufführung einer neuen Komposition aus diesem Jahr.
Tanz für zwei
Die aus Athen stammende Konstantia Gourzi hatte für die beiden international sehr erfolgreichen Solisten Oberlinger und Mönkemeyer einen „dance for two“ komponiert, der hier in Oldenburg erstmals vor Publikum erklang und gleich überzeugte und einschlug, denn das sehr rhythmisch orientierte Stück ließ eine gelungene Melange aus griechischer und orientalischer Folklore mit modernen Momenten hören. Gegen Ende wurde der „Tanz für zwei“ immer furioser und endete mit großer Geste. Die Zuhörer spendeten dieser gelungenen Uraufführung besonders warmen Beifall.
Ruhender Pol
In dem zeitlich und stilistisch weit ausgreifenden Konzertprogramm war die Musik von Johann Sebastian Bach, die in mehreren Werken und Einzelsätzen erklang, so etwas wie der ruhende Pol und die vertraute Mitte. Den berühmten Krebskanon aus dem „Musikalischen Opfer“ einmal für Bratsche und Blockflöte arrangiert zu hören, bereitete Freude und Vergnügen. Die sowieso schöne Musik wirkte in dieser bisher nicht gehörten Instrumentierung jung und frisch und ganz und gar authentisch.
Technisches Können
Das Meisterkonzert lebte nicht nur von klangvoller, melodischer und häufig tänzerisch-folkloristischer Musik, sondern auch durch das besondere Können der beiden Solisten an ihren Instrumenten. Bachs Partita a-Moll für Flöte solo gab Dorothee Oberlinger die Gelegenheit, in dem vierteiligen Werk ihre besondere Klasse an einem deutlich unterschätzten Instrument unter Beweis zu stellen. Besonders der zweite Tanzsatz, die Corrente, erfordert bei sehr schnellen Tempi ein hohes Maß an technischem Können. Nils Mönkemeyer brillierte in Bachs Suite Nr. 1 G-Dur für Violoncello solo. Für die Bratsche war die gesamte Partitur einfach eine Oktave höher gesetzt worden und wirkte so, als hätte Bach persönlich das so arrangiert. Mönkemeyer bewies mit diesem wichtigen Werk, dass die Bratsche so virtuos und so klangsinnlich und so emotional spielbar ist wie die Geige oder wie das Cello und sich im Vergleich wahrlich nicht verstecken muss.
Als Zugabe wurden drei Inventionen von Bach gespielt, die nach teils wilden Tänzen von James Oswald und Bela Bartok auf den ruhenden Pol zurückverwiesen.
