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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg

Junge Mütter In Oldenburg: Wenn aus Kindern Eltern werden

19.07.2017

Oldenburg Manchmal sind Jugendliche selber noch Kinder, wenn sie bereits eigene Kinder bekommen. Wer hilft ihnen dann? Wo können sie Rat suchen? Und wie oft kommt es in Oldenburg überhaupt vor, dass eine sehr junge Frau Mutter wird? Diesen Fragen ist die NWZ nachgegangen.

Birgit Rath ist seit 2005 Hebamme. Hilke Schauland seit 1989. Im Laufe ihrer Berufsleben haben sie beide so manche minderjährige Schwangere begleitet – und wie sie mit der Situation umgehen, ist sehr unterschiedlich. „Einmal habe ich eine 16-jährige Mutter betreut, die so gut wie nicht gesprochen hat. Ich musste ihr jedes Wort aus der Nase ziehen und auch mit ihrem Kind hat sie nicht viel geredet – zumindest nicht, wenn ich dabei war“, erzählt Rath. Diese Mutter war wirklich selbst noch ein Kind. Und das Wochenbett ist natürlich für jede Familie eine anstrengende Zeit. Der Schlafmangel, die eigenen Bedürfnisse, die hintangestellt werden müssen – all das war schwierig für die 16-Jährige.

Manche souverän

„Bei einer anderen 16-Jährigen musste ich mich immer wieder daran erinnern, dass sie so jung ist. Sie war sehr souverän im Umgang mit ihrem Kind“, erzählt Rath. Auch Schauland hat ganz unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Schließlich ist prinzipiell jede Schwangerschaft und jede Geburt unterschiedlich. „Einige sind bei der Geburt kindlich und geradezu bockig, andere gebären sehr gut und brauchen nicht viel Unterstützung“, erzählt sie. „Aber jede Frau gibt immer ihr Bestes“, fügt Rath hinzu.

Beratungsangebot für Schwangere

Schwangere Frauen finden in verschiedenen Beratungsstellen in Oldenburg Hilfe, falls sie diese benötigen. Auch nach der Geburt stehen diese Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite.

Die Familienberatungsstelle der AWO ist in Oldenburg in der Cloppenburger Straße 65 zu finden (Tel.  0441/973770, info@bs-ol.awo-ol.de). Hier können sich Schwangere, Kinder, Jugendliche und Eltern beraten lassen. Auch eine Schwangerschaftskonfliktberatung ist dort möglich.

Der Sozialdienst der katholischen Frauen (SkF) bietet ebenfalls eine Beratung für Schwangere an. Das SkF ist in der Peterstraße 22-26 zu finden und unter Tel. 0441/ 25024 erreichbar.

Die Beratungsstelle Profamilia hat ihren Sitz in Oldenburg am Bahnhofsplatz 10. Sie ist unter Tel. 88095 oder unter oldenburg@profamilia.de zu erreichen. Auch hier wird eine Schwangerschaftsberatung angeboten.

Das Team GUSTL – Guter Start ins Leben sitzt im Gesundheitsamt der Stadt Oldenburg (Industriestraße 1) Insgesamt sechs Frauen bilden das Team und begleiten Eltern vor allem nach der Geburt ihres Kindes mit Hausbesuchen. So kann das Gesprächsangebot entspannt genutzt werden, ohne dass die Eltern das Haus verlassen müssen. Kontaktaufnahme ist möglich unter der Telefonnummer 0441/2 35 86 73 und unter gustl@stadt-oldenburg.de

Auch das Amt für Jugend, Familie und Schule ist für werdende Eltern natürlich eine Anlaufstelle (Berg­straße 25). Kontakt unter Tel.  0441/2 35 24 06 oder unter familie-schule@stadt- oldenburg.de

Oft sei zu Beobachten, dass die jungen Frauen bei der Geburt über sich hinauswüchsen, erzählen die beiden Hebammen. „Der Partner – oft ja selber noch ein Teenager – kommt da meistens nicht hinterher und ist mit der Situation deutlich mehr überfordert als seine Freundin“, sagt Schauland.

Besondere Vorkehrungen für die Geburt müssen die Hebammen bei einer Jugendlichen nicht treffen. „Schließlich ist der Körper weit genug entwickelt, um ein Kind auszutragen, und die Hormone während der Schwangerschaft machen auch viel“, sagt Schauland. Jedoch würden bei ihr nur wenige Jugendliche an einem klassischen Geburtsvorbereitungskurs teilnehmen. Eine Möglichkeit sei da aber eine Einzelgeburtsvorbereitung.

Das hängt natürlich auch davon ab, wann sie von ihrer Schwangerschaft erfahren. Einige der jungen Frauen wissen es laut Schauland sofort. Aber es gebe durchaus auch diejenigen, die es verdrängen. Wegen Bauchschmerzen gehen sie in die Klinik und finden dann heraus, dass sie bald ein Kind zu Welt bringen werden.

Das kann auch Enno Heine, Oberarzt in der Frauenklinik des Evangelischen Krankenhauses Oldenburg, bestätigen. „Es kommt tatsächlich so ungefähr einmal im Jahr vor, dass eine Frau vollkommen ahnungslos in die Klinik kommt“, erklärt er. Das wären bei ihm in der Klinik allerdings nicht immer ganz junge Frauen.

Zahl der jungen Mütter

Im Evangelischen Krankenhaus haben zwischen 2012 und 2016 im Schnitt 18 Frauen unter 20 Jahren entbunden. 2012 waren es bei 1051 Geburten 14 Mütter unter 20 Jahren. 1129 Geburten gab es 2013 insgesamt, davon 21 junge Mütter. 2014 waren es dann 18 von 1175 Geburten und 2015 waren es 17 von 1212. 2016 waren es erneut 18, aber bei insgesamt 1277 Geburten – der Verlauf sei über die Jahre also durchaus als stabil zu betrachten. Ähnlich sieht die Situation im Pius Hospital aus. Dort entbinden pro Jahr zwar nur um die 400 Frauen, aber die Zahlen der jungen Mütter gleichen denen im Evangelischen Krankenhaus. Vom Klinikum Oldenburg lagen der Redaktion zu Redaktionsschluss keine Zahlen vor.

„Wir arbeiten im Pius mit dem Geburtshaus zusammen und haben meist so zwischen 15 und 20 junge Frauen, die pro Jahr bei uns entbinden“, erklärt Hebamme Ellen Matzdorf. Die Zahl ist ihrer Erfahrung nach gleichbleibend, wobei immer mehr 19- bis 20-Jährige schwanger werden und die Zahl der sehr jungen Mütter mit 14 und 15 Jahren eher abnimmt. Das bestätigen sowohl Prof. Dr. Dr. Rudy Leon De Wilde, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Pius Hospital als auch Enno Heine. Denn auch im Evangelischen Krankenhaus würden die 18 und 19-Jährigen den größten Anteil ausmachen.

Jüngste waren 14 Jahre alt

Die jüngsten Schwangeren, die De Wilde und Matzdorf bisher betreut haben, waren 14 Jahre alt. „Bei uns hat eine 14-Jährige entbunden, deren Mutter sie ebenfalls mit 14 Jahren bekam. Und auch sie hat im Pius entbunden“, sagt De Wilde. „Solche Geschichten bleiben natürlich im Kopf.“

Für Matzdorf gab es im Februar dieses Jahres eine sehr bewegende Situation: „Da habe ich eine junge Freundin meiner eigenen Tochter während der Schwangerschaft begleiten dürfen. Das war natürlich ein sehr großer Vertrauensbeweis. Es war toll, wie sich die Freundin, ihr Partner und meine Tochter der Geburt gestellt haben“, sagt sie.

Natürlich werden die jungen Frauen nicht nur vor und während der Geburt von einer Hebamme betreut, sondern auch im Nachhinein. Zuerst im Wochenbett, aber auch danach macht eine Hebamme in der Regel Hausbesuche bei der jungen Mutter. Außerdem kann eine Familienhebamme noch länger im Einsatz bleiben. Eine Familienhebamme ist eine vom Gesundheitsamt eingesetzte Hebamme, die die junge Familie bis zu einem Jahr und in Einzelfällen auch darüber hinaus betreuen kann. Birgit Rath ist so eine Familienhebamme. Sie arbeitet allerdings für das Gesundheitsamt in Westerstede und für das in Brake.

Hilfe über Projekt

In Oldenburg sind die Familienhebammen teilweise über das Projekt „Guter Start ins Leben“ (GSTL) mit den Familien und jungen Müttern verbunden. Die Mitarbeiterinnen von GSTL arbeiten natürlich nicht nur mit jungen Müttern, sondern bieten allen Familien Hausbesuche an, erklärt Dr. Walter Götte, Fachdienstleiter für Kinder- und Jugendgesundheit bei der Stadt Oldenburg. Aber besonders für junge Frauen kann die Betreuung wichtig sein, je nachdem wie viel Halt und Unterstützung sie aus ihrer Familie oder von ihrem Freund erfahren. „Teilweise ist die Betreuung und Hilfe durch die Familie und den Freund sehr liebevoll. Aber es gibt auch Frauen, die in Mutter-Kind-Häusern untergebraucht werden“, erzählt er.

Götte gibt an, dass die Stadt Oldenburg 2015 insgesamt fünf minderjährige Schwangere und junge Mütter betreute. 2016 waren es sieben. 2015 gebaren in Oldenburg insgesamt 35 Frauen im Alter unter 20 Jahren. Für 2016 konnte die Stadt Oldenburg keine Zahlen vorlegen. In Deutschland waren es laut Angaben des Statistschen Bundesamtes 2015 insgesamt 3041 junge Frauen unter 18 Jahren.

Jugendamt mit im Boot

In einigen Fällen müsse auch das Jugendamt eingeschaltet werden, erklärt Matzdorf. 2016 habe sie eine junge Frau betreut, die kaum ein soziales Umfeld und auch keine Familienanbindung hatte, da wurde das Jugendamt mit ins Boot geholt. Generell sei dies aber nicht nötig, oft übernehme die große Schwester oder Mutter die Vormundschaft für das Kind, bis die Mutter volljährig sein.

Doch nicht immer sei es gut, wenn die Großmutter des Neugeborenen zu viele Aufgaben übernimmt, meint Rath. „Die Jugendlichen müssen selber die Verantwortung übernehmen. Die Großmutter kann sich nicht auf eine Stufe mit der Mutter stellen – sonst ist die Situation auch für das Kind sehr schwierig“, erklärt Rath. Schließlich könne es dann nicht erkennen, wer seine Bezugsperson sei.

Aufklärung

Die Jugendlichen finde sie generell eigentlich gut aufgeklärt, sagt Rath. Schließlich gebe es auch verschiedene Formen der Prävention. Profamilia organisiere zum Beispiel Babypuppen für Schulklassen, die simulieren wie es ist, sich jeden Tag um ein Kind zu kümmern. Und damit werde natürlich auch deutlich, was alles dazu gehöre und wie anstrengend es zwischendurch sei.

Da stimmt auch Schauland ihr zu, aber ein Problem gebe es: „Viele Jugendliche sind nicht ausreichend über die Gefahren von Alkohol in der Schwangerschaft informiert“, meint Rath. Schließlich könne Alkoholkonsum im schlimmsten Fall zu Behinderungen beim Kind führen – wie dem Fetalen Alkoholsyndrom. Je nach Entwicklungsfortschritt des Fötus können dabei körperliche Fehlbildungen oder sogar Schädigungen des zentralen Nervensystems auftreten. Der Umgang damit ist dann natürlich eine zusätzliche Belastung im für die jungen Mütter ohnehin oft harten Alltag.

Doch generell gelte laut Rath: „Die jungen Frauen sind keine schlechteren Mütter, nur weil sie jung sind.“ Schließlich ziehen auch sie ihre Kinder liebevoll auf – auch wenn sie dafür vielleicht mehr Unterstützung benötigen als Mütter in schon fortgeschrittenem Alter.

Lina Brunnée Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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