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Werkstattfilm setzt Oldenburger Fahrradhändler filmisches Denkmal Von den Vorzügen der Langsamkeit

Geerd Hilmers vor zwei Jahren in seiner Fahrradwerkstatt an der  Lambertistraße

Geerd Hilmers vor zwei Jahren in seiner Fahrradwerkstatt an der Lambertistraße

Oldenburger Medienarchiv/Werkstattfilm

Oldenburg - Geerd Hilmers ruht in sich selbst, Stress und Hektik kennt er nicht, er lässt sich durch die Zeit treiben, langsam und bedächtig. Der Mann (Jahrgang 1934) ist so alt wie der von seinem Vater gegründete Betrieb an der Lambertistraße, aus dem einst Fahrräder und Zubehör in die gesamte Region ausgeliefert wurden. Der Verein Werkstattfilm hat ihm mit dem Portrait „Opa Geerd – Als noch jeder Fahrrad fuhr“ ein Denkmal gesetzt. Gezeigt wird der Streifen als Weltpremiere an diesem Sonntag ab 15 und 17 Uhr im Kinoladen an der Wallstraße 24.

Alte Zeiten

Die Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet die Rückkehr in eine Zeit, als die Rahmen der Räder sehr massiv und schwer und die Montage der Zweiräder noch echte Handarbeit waren. Hilmers lässt sich viel Zeit, sei es bei der Beratung seiner Kunden oder auf der Suche nach einem passenden Ersatzteil in seinen schier unerschöpflichen Kisten, die in den Regalen stehen. Diese „Sprache der Langsamkeit und Stille“ hat Farschid Ali Zahedi von Werkstattfilm mit drei Kameras festgehalten, eine davon war an der Decke über dem Arbeitsplatz in der Werkstatt montiert.

Tiefe Einblicke

Die Einblicke in die Arbeits- und Gefühlswelt des sympathischen alten Mannes, der Geschäft und Werkstatt mittlerweile komplett geschlossen hat, sind faszinierend. Gefühlt mehrere Minuten bleibt in einer Sequenz die Kamera auf die Werkstatt gerichtet, die Hilmers für einen Kunden auf der am Ende vergeblichen Suche nach einem passenden Ersatzteil verlassen hat. Gezeigt wird auch, wie er in der Mittagspause ein kleines Nickerchen in seinem Lieblingssessel hält. Berührende Aufnahmen, die als sechste Folge in der Reihe „Gesichter und Geschichten aus dem alten Handwerk“ zu sehen sind.

300 Geschäftskunden

 

300 Geschäftskunden, die bei Hilmers Räder und Ersatzteile kauften, standen einst in seiner großen Kartei, am Ende waren es null, erzählt er. Geht ein Fahrrad kaputt, wird heute eben ein neues gekauft, merkt er mit kritischem Blick auf die in der Gesellschaft immer weiter um sich greifende Wegwerfmentalität an. Porträtiert hatte Zahedi auch schon Friseurmeister Wilfried Claus oder Hans Driebold in seinem Anfang 2013 geschlossenen Lederwaren-/Handelsgeschäft an der Kurwickstraße 33.

Keine Angst vorm Tod

Dem Tod tritt er gelassen gegenüber. „Jetzt warten wir hier, dass der Löffel abgegeben wird, ich fürchte mich nicht“, sagt er. Eine Kartenleserin hatte ihm einst prophezeit, 92 Jahre alt zu werden. Bis dahin ist noch ein wenig Zeit. Entstanden ist der Film vor zwei Jahren, der Gesundheitszustand von Hilmers hat sich seitdem leider nicht verbessert.

Zahedi will das gelungene Porträt auf Filmfestivals präsentieren und dann im Herbst in Oldenburg verkaufen.

Thomas Husmann
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