Oldenburg - Aus Erfahrung lernt man. Und die Erfahrungen, die der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) Oldenburg im vergangenen Jahr durch den ersten Lockdown gemacht hat, sollen sich nicht wiederholen. 63 Tage insgesamt mussten die Wertstoffannahmestellen Neuenwege und Langenweg wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Nachdem wieder geöffnet werden durfte, kam es zu langen Wartezeiten für vielen Bürger, die ihren Müll entsorgen wollten. Gegen solche Staus soll künftig eine Ampel der besonderen Art helfen.
Das ist der Plan
Den Plan erläuterte Volker Schneider-Kühn, Leiter des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebes, am Mittwochabend in der Sitzung des Betriebsausschusses Abfallwirtschaft. Für die Nutzer der kostenlosen Abfall-App OL wird es schon bald einen Echtzeitticker geben, der über die Wartezeiten an den Wertstoffannahmestellen informiert. Dargestellt als Ampel ist dort dann zu erkennen, wie viel Zeit man mitbringen muss, wenn man seinen Müll dort loswerden will. Leuchtet das grüne Licht, dann bedeutet das laut Schneider-Kühn eine Wartezeit bis etwa zehn Minuten, Gelb heißt zehn bis 30 Minuten und Rot länger als 30 Minuten.
Die Information über den Betrieb an den Wertstoffannahmestellen werde nicht automatisch per Induktionsschleife signalisiert, sondern von den Mitarbeitern vor Ort. „Der Kollege oder die Kollegin gibt die Daten ein“, sagt Volker Schneider-Kühn. Sie hätten ja nicht nur den jeweils aktuellen Überblick über den Zufahrtstrom, sondern auch über den Abfahrtstrom. Vermutlich in der dritten oder vierten Märzwoche soll die Ampel auf der Abfall-App OL „scharfgeschaltet“ werden, so Schneider-Kühn. „Damit soll die Situation wie im vergangenen Jahr vermieden werden“, betonte er.
Drei Wochen geschlossen (das entspricht 18 Öffnungstagen) war die Wertstoffanahmestelle Neuenwege während des ersten Lockdowns 2020. Der Tagesspitzenwert lag bei 701 Kunden (Montag, 27. April) kurz nach Wiederaufnahme des Regelbetriebes, Minimum waren 160 Kunden (Mittwoch, 16. Dezember). Der Tagesmittelwert lag bei 407 Kunden (Mittelwert im Gesamtjahr 2019: 360).
Acht Wochen zu (= 45 entfallene Öffnungstagen) war die Wertstoffanlage Langenweg. Der Tagesspitzenwert lag bei 479 Kunden (Montag, 9. November), der Minimumwert bei 51 Kunden (Donnerstag, 17. Dezember), der Tagesmittelwert bei 227 Kunden (Gesamtjahr 2019: 188).
Alternative möglich?
„Aber nicht jeder hat ein Handy“, gab Rita Schilling, Ratsfrau der Grünen, zu bedenken und bat darum, darüber nachzudenken, ob die Angabe der Wartezeit nicht auch anders funktionieren könne. Die Antwort des AWB-Chefs war eindeutig: „Wir werden keine Alternativlösung anbieten können.“ Technologisch sei das möglich, „wenn wir wir viel Geld in die Hand nehmen“. Mit dem Ampelsystem für die seit 2019 existierende Abfall-App produziere man aber keine Zusatzkosten. „Es ist eine Erweiterung und eine Reaktion auf die Erfahrungen, die wir gemacht haben.“
Rund 10.000 App-User habe man mittlerweile, sagte Volker Schneider Kühn. „Wir gehen davon aus, die Zahl mit dem neuen Angebot auf 15.000 User zu steigern.“
Das kann die App
Hauptaufgabe der Abfall-App OL ist in erster Linie die „Müllwecker-Funktion“: Sie erinnert daran, wann welche Abfallbehälter zur Leerung bereitgestellt werden müssen. Mit Push-Nachrichten wird über kurzfristige Änderungen oder Einschränkungen informiert – beispielsweise, wenn sich bei den Abfuhrterminen etwas verschiebt. Weiter Optionen sind ein Standortfinder, der die Anwender zu den Entsorgungsanlagen und Wertstoffannahmestellen des AWB, zu den Glascontainerstandorten sowie zu den Verteilstellen für Gelbe Säcke navigiert. Auch Infos zu Entsorgungspreisen und Öffnungszeiten der AWB-Standorte sowie das Abfall- ABC sind enthalten.
