Oldenburg - Ein Zimmer – mehr als 1000 Bewerber. Steffen Eggers ist einer von ihnen. Bei dem WG-Casting in Oldenburg ahnt er bereits, dass seine Chancen wieder schlecht stehen. Seit zwei Monaten sucht der 19-jährige Erstsemester-Student nach einem Zimmer, aber er hatte keine Vorstellung, wie schwer es sein würde. „Ich habe auf 50 oder 60 Inserate in Internetportalen geantwortet und war schon bei acht Wohnungsbesichtigungen“, sagt er. Bisher hat er aber nur Absagen erhalten. Der ganz normale Wohnungssuche-Wahnsinn zu Semesterbeginn, könnte man meinen. Allerdings zeigt der MLP Studentenwohnreport 2022, dass die Situation in Oldenburg nicht „normal“ ist. Der Markt für WG-Zimmer hat sich erheblich verschlechtert und Steffen ist mit seiner Frustration nicht alleine.
Weniger WG-Zimmer
Der WG-Zimmer Markt in Oldenburg hat sich im letzten Jahr verschärft, das zeigen die Ergebnisse des MLP Studentenwohnreports 2022, der Mitte September veröffentlicht wurde. Die Daten der Studie wurden im Wintersemester 2021/2022 erhoben. Sie zeigen, dass in Oldenburg in diesem Zeitraum rund 20 Prozent weniger WG-Zimmer angeboten wurden als im Jahr zuvor. Der AStA der Uni Oldenburg bestätigt, dass sich dieser Trend im Jahr 2022 bis heute fortgesetzt hat.
Der MLP Studentenwohnreport wird seit 2019 jährlich gemeinsam vom Finanzdienstleister MLP und dem Institut der deutschen Wirtschaft herausgeben.
Die Studie vergleicht und analysiert die Zimmerangebote in 38 deutschen Hochschulstädten.
Oldenburg ist in der Studie 2022 das erste Mal dabei.
In fast allen untersuchten Städten werden laut der Studie im Jahr 2022 weniger WG-Zimmer angeboten, als noch ein Jahr zuvor. „Das sind die Folgen der Corona Pandemie und der steigenden Energiepreise“, sagt Tarek Probst vom AStA-Vorstand der Universität in Oldenburg. „Viele Oldenburger Studenten sind während der Online-Semester und angesichts der steigenden Preise wieder zu ihren Eltern gezogen. WGs haben sich aufgelöst.“
18 Euro/Quadratmeter
Die Macher des Studentenreports bestätigen Probsts Eindruck. Vermieter hätten während der Pandemie freiwerdende WGs lieber an Familien oder Paare weitervermietet. „Um günstige, kleine Wohnungen nahe der Innenstadt konkurrieren nicht mehr nur Studenten, sondern zunehmend auch Familien und junge Paare. Sie suchen nach kleineren Wohnungen, auch um Energie zu sparen“, sagt Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfeldes Finanzen- und Immobilienmärkte am Institut der Deutschen Wirtschaft bei der Präsentation der Studienergebnisse. In drei Vierteln der untersuchten Städte ist das WG-Zimmer Angebot gesunken, Oldenburg liegt im Vergleich aber im Mittelfeld. Der Extremfall ist Tübingen: Hier kommt auf 100 Studenten nicht mal mehr ein WG-Zimmer-Angebot.
Auch Merle Kreibaum (23) war im August und September in Oldenburg auf der Suche nach einem WG-Zimmer. Nach einem Auslandssemester will sie für ihren Master zurück an die Uni und muss feststellen, dass ihre Preisvorstellung von 350 Euro inzwischen unrealistisch ist. „Ich habe mein Limit während der Suche immer weiter nach oben korrigiert.“ Auch Steffen Eggers musste seine Preisvorstellungen überwerfen: „Eigentlich wollte ich nicht mehr als 400 Euro zahlen, aber 500 Euro sind realistischer.“ Die Preise für WG-Zimmer sind laut MLP Report in Oldenburg im Wintersemester 21/22 Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent gestiegen. Der Quadratmeterpreis für WG-Zimmer lagen zum Untersuchungszeitpunkt durchschnittlich bei etwa 18 Euro kalt. Kreibaums und Eggers Erfahrungen auf der Zimmersuche zeigen, dass sich auch dieser Trend 2022 fortgesetzt hat. „Außerdem haben alle WGs, bei denen ich Besichtigungen hatte, gesagt, dass sie nicht einschätzen können, wie sehr die Warmmiete sich in den nächsten Monaten nach oben verändert“, sagt Kreibaum.Laut Wohnreport haben Vermieter von WGs schon damit begonnen, steigende Energiepreise auf die studentischen Mieter umzulegen. Bundesweit zahlen Studenten 2022 für WG-Zimmer im Durchschnitt 9,4 Prozent mehr als 2021. Oldenburg bewegt sich, was die Preissteigerungen betrifft, im Mittelfeld. Das ist für Studenten in Oldenburg kein Trost, sagt Tarek Probst vom Oldenburger AStA: „Wer keine bezahlbare Wohnung findet und nicht pendeln kann, muss womöglich mit einem Urlaubssemester in sein Studium starten.“
