Oldenburg - Die Zahl der Beratungen bei Wildwasser ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. 562 Menschen haben sich 2022 an die Fachberatungsstelle für Opfer sexualisierter Gewalt an Mädchen und Frauen gewandt, im Jahr davor waren es 498. Hilfe suchen bei den Mitarbeitern nicht nur Betroffene, sondern auch deren Verwandte oder andere Bezugspersonen. Direkt von sexualisierter Gewalt betroffen waren im vergangenen Jahr 344 Personen. Auch diese Zahl ist gestiegen.
Immer mehr Fälle
Darauf hat das Wildwasser-Team reagiert und personell aufgestockt: Zwei Mitarbeiterinnen mehr kümmern sich dort nun um die Beratung, insgesamt sind es sieben Frauen, die in Krisensituationen helfen und langfristige Begleitung anbieten. Das geschieht immer häufiger auch über das Online-Angebot der Fachstelle. „Sie kann gut als Überbrückung bis zu einem persönlichen Termin genutzt werden“, erklärt Frauke Janßen. Auch während der Corona-Pandemie waren die Online-Beratungen eine Hilfe. „In dieser Zeit ist die Zahl der Beratungen nicht gesunken. Vielen Menschen fehlte die feste Tagesstruktur oder sie waren viel allein zu Hause. Da kommen manchmal auch verdrängte Erlebnisse wieder hoch“, so Janßen.
Probleme mit Grenzen
In der Zeit nach der Pandemie haben vor allem die Jugendlichen neue Probleme. „Wir beobachten depressive Tendenzen, Probleme mit dem Selbstwert und Schwierigkeiten, Grenzen im Umgang mit anderen zu akzeptieren“, berichtet Beraterin Birte Furhop-Martenstein.
Die meisten Frauen und Mädchen, die die Beratung bei Wildwasser in Anspruch nehmen, sind bis 30 Jahre alt. Aber auch von sexueller Gewalt Betroffene im Alter über 60 Jahre haben sich schon an die Fachstelle gewandt und Hilfe in Anspruch genommen.
Mobile Beratung in Schulen
Der Weg von jungen Mädchen und Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, zu Wildwasser ist im vergangenen Jahr noch einfacher geworden. Seit mehreren Monaten bietet das Wildwasser-Team eine mobile Beratung an. Die Mitarbeiterinnen können dafür zum Beispiel von einer Lehrkraft kontaktiert werden und kommen in die Schule, um direkt mit dem betroffenen Mädchen zu sprechen. Auch Schulungen werden angeboten, um Jugendleiter, Pädagogen oder Trainer für Anzeichen von Missbrauch zu sensibilisieren und zu erklären, wie man Hilfe leisten und bekommen kann. Die Schulen und Vereine sollen als fest eingerichtete „Sichere Orte“ für die Beratungen dienen. 35 Institutionen haben sich für das neue Wildwasser-Angebot bereits angemeldet.
Kontakt zur Fachberatungsstelle ist möglich unter Tel. 0441/16656 oder online unter
