„Erpel in höchster Not gerettet“ (NWZ vom 8. Januar); über die Hilfe für ein notleidendes Tier und zur Winterfütterung in Gärten

Es ist ein Thema, in das ich mich als Biologe und Ökologe kurz einschalten möchte. Die von vielen Vogelkundlern und Naturschutzverbänden empfohlene Fütterung unserer Wildvögel ist unbestritten vorteilhaft. Nicht nur an sehr kalten, schneereichen Tagen fehlt es ihnen oft an Nahrung. In der Stadt, mittlerweile aber auch in ländlichen Gebieten kommen andere Erschwernisse hinzu, die den Rückgang vieler Vogelarten in den letzten Jahrzehnten begründen.

Die Tierliebe kann aber bei zu gut gemeinter Fütterung auch das Gegenteil bewirken. Einige Beispiele: Vor ein reiches Angebot gestellt werden heimische Wintervögel wie z.B. Kohl- und Blaumeise, Amsel und Kleiber wählerisch und werfen weniger beliebte Körner auf den Boden. Dies kommt weniger beliebten Mäusen und Ratten zugute und lässt auch sie besser über die Runden kommen. Auch Eichhörnchen bedienen sich gern dieser Futterquelle. Eigentlich nichts Verwerfliches, aber bei diesen possierlichen Tierchen stehen im Frühjahr und Sommer auch Vogeleier und Jungvögel auf dem Speiseplan. Und selbst die von uns über den Winter gebrachten Wintervögel können, in zu großer Zahl, den im Frühjahr heimkommenden Sommervögeln das Leben schwer machen. So finden andere Höhlenbrüter wie Trauerschnäpper und Star bei ihrer Ankunft die ohnehin selten gewordenen Bruthöhlen von den wohlgenährten Meisen besetzt vor.

In einer mit relativ viel Grün gesegneten Stadt wie Oldenburg kommen unsere heimischen Singvögel gewiss ein ganzes Weilchen gut durch. Die Fütterung unterstützt sie dabei, sollte aber nicht übertrieben werden. (...)

Dr. Karsten Mohr Oldenburg