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Fachberatungsstelle Wildwasser gegen sexualisierte Gewalt „Wir setzen uns für die ein, die unterlegen sind“

Lena Normann, Birte Fuhrhop-Martenstein und Frauke Janßen (von links) von der Fachberatungsstelle Wildwasser.

Lena Normann, Birte Fuhrhop-Martenstein und Frauke Janßen (von links) von der Fachberatungsstelle Wildwasser.

Friederike Liebscher

Oldenburg - Die Fachberatungsstelle Wildwasser in Oldenburg hilft seit 35 Jahren Frauen und Mädchen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind. „Wir waren immer eine feministische Einrichtung. Jetzt wollen wir uns auch offiziell für die Menschen öffnen, die eigentlich schon längst bei uns sind“, sagt Frauke Janßen, die bei Wildwasser für die Finanzen und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Auch inter, trans und nicht-binäre Personen seien in der Einrichtung willkommen. „Wir haben unseren Namen nun abgeändert und bezeichnen uns als Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Damit öffnen wir uns offiziell“, erklärt sie.

Diese Personengruppe sei besonders verletzlich und einem hohen Risiko für das Erleben von sexualisierten Gewalterfahrungen ausgesetzt. Oft sei das Thema mit Scham und Schuld besetzt und mit einem Schweigegebot belegt. Birte Fuhrhop-Martenstein, traumazentrierte Fachberaterin bei Wildwasser erklärt, dass trans, inter und nicht-binäre Personen auch in der Istanbul-Konvention (ein internationales Übereinkommen zu Gewalt gegen Frauen) genannt werden. „Wir sehen die gesellschaftlichen Machtstrukturen, da sind wir parteiisch. Wir setzen uns für diejenigen ein, die unterlegen sind“, sagt sie. Schon jetzt seien Betroffene in der Beratung, wenn auch mit einem bis zwei Prozent zu einem geringen Anteil.

Zahlen insgesamt steigen an

Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr 650 Menschen an Wildwasser gewandt, im Vergleich zum Vorjahr (562 Beratungen). Auch die Komplexität und Intensität der Gespräche wird größer, berichten die Beraterinnen Lena Normann und Birte Fuhrhop-Martenstein. „Die Klientinnen sind mehr belastet“, ist ihr Eindruck. Das liege zum Teil auch an der unruhigen Weltlage momentan. „Ein Gefühl von Sicherheit ist dann schwerer herzustellen“, sagt Fuhrhop-Martenstein. Fast 100 Ratsuchende mehr im Jahr seien eine deutliche Zunahme. „Es melden sich viele Fachkräfte und Eltern, nicht nur Betroffene“, sagt Lena Normann. „Wir haben in im vergangenen Jahr 71 Fortbildungen zur Prävention und Intervention gegeben. Das spiegelt sich nun sicher wider.“

Ein Kind pro Klasse

Ein aufmerksames Umfeld sei sehr wichtig. „Kinder können sich nicht selbst schützen. Sie brauchen Erwachsene“, betont sie. Laut Statistik gibt es in jeder Klasse und in jeder Kindergartengruppe ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt. Wenn die Wildwasser-Beraterinnen diese Tatsache bei den Fachkräfte-Schulungen ansprechen, sehen sie oft in entsetzte Gesichter. „Wir erklären, wie man sich gegenüber Betroffenen verhalten kann. Wichtig ist, dass man keine Angst hat und alles sagbar wird.“

Die Fachberatungsstelle Wildwasser ist erreichbar unter 0441/16656.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg
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