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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Handwerk: 100 Jahre über Stuck und Stein

19.08.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-30T08:33:43Z 280 158

Handwerk:
100 Jahre über Stuck und Stein

OLDENBURG Es ist so eine Sache mit den Papieren aus vergangenen Zeiten; Daten und Fakten lassen sich ablesen, Beweggründe für Entscheidungen verraten sie nicht. Deswegen ist die Familie Wille nicht sicher, warum ihr Vorfahr Johann Heinrich Wille sich im April 1911 mit einem Steinmetz- und Stukkateur-Betrieb in Osternburg selbstständig machte – trotz aller in einem alten Schrank gefundener Dokumente. „Er hat vorher für den renommierten Hofmodelleur Bosche gearbeitet“, weiß Erika Wille, „aber irgendetwas muss wohl nicht so doll gewesen sein, es gingen viele Gesellen weg.“

Schätze aus aller Welt

Im Nachhinein muss man die Entscheidung des Gründers wohl als eine glückliche bezeichnen. Noch 100 Jahre, nachdem sich der gebürtige Achternholter selbstständig machte, ist der Name Wille über Oldenburg hinaus ein Begriff, wenn es um Stuck und Stein geht. Henning Wille (35) führt den Betrieb in mittlerweile vierter Generation, und der Betrieb an der Cloppenburger Straße direkt an der Autobahnbrücke beherbergt heute nicht nur moderne Maschinen, sondern Stein-Schätze aus allen Ländern der Welt. Blanke Platten aus dem südlichen Afrika, Preziosen aus den Alpen, Carrara-Marmor, Stücke aus den Bergen von Schweden und vielen deutschen Gebirgsstöcken – sie alle liegen in Regalen, stehen in Ständern, um zu Fensterbänken, Waschtischen, Bodenbelägen, Küchenarbeitsplatten oder Treppenstufen verarbeitet zu werden. Aus Blöcken gesägt werden die Platten übrigens zum Großteil – in Italien. „Dorthin werden sie aus vielen Ländern verschifft, um dann wieder verteilt zu werden“, berichtet der heutige Geschäftsführer Henning Wille (36), der das Unternehmen 2006 übernahm und in eine GmbH & Co. KG umwandelte.

Grabsteine werden natürlich auch gefertigt – obwohl die Willes es gar nicht mögen, wenn ihr Handwerk allein darauf reduziert wird: „Wir machen so viel mehr“, sagt Erika Wille, die mit ihrem Mann Heiner das Geschäft in dritter Generation leitete und bis heute (nicht nur) das Büro „schmeißt“. Ein Ansatz zu zeigen, was man alles kann, war die vorige Blumenschau in der Weser-Ems-Halle: „Wir waren mit 13 Kollegen da, um unsere Vielfalt zu zeigen“, sagt Erika Wille. „Wir wollen das ausbauen.“

Wie vielfältig das Handwerk ist, zeigt auch die Geschichte; der Gründer war besonders in Sachen Innen- und Außenstuck tätig. Sein Sohn Georg, zunächst Kaufmann in der Warpsspinnerei, musste seinen Bruder Martin als künftigen Chef ablösen, weil der im ersten Weltkrieg fiel. Georg machte ab 1919 eine Lehre als Stukkateur und widmete sich danach mit Leidenschaft dem sogenannten „scharrierten Steinputz“.

Spuren an vielen Fassaden

„Damit hat er Oldenburg überzogen“, berichtet seine Schwiegertochter Erika Wille. An Fenster- und Türfassungen sowie an ganzen Fassaden habe er Spuren im Oldenburger Stadtbild hinterlassen. Im Bauboom der Nachkriegszeit, als die Stadt durch den Flüchtlingszustrom um ein Drittel wuchs, wuchs auch das Unternehmen – Treppenstufen und Fensterbänke waren höchst gefragt.

Expansion in den 80ern

Heiner Wille, der das Unternehmen 1966 mit 26 Jahren nach dem Tod seines Vaters übernahm, führte die Expansion fort. Nach wie vor wurde viel gebaut, was am Ende auch viel Bauten auf dem Unternehmensgelände an der Cloppenburger Straße nach sich zog. Hallen entstanden dort, ein neues Wohnhaus, Nebengrundstücke wurden gekauft – alles in Sichtweite des Ursprungshauses auf der anderen Seite der Kreuzung. „Wir sind Osternburger“, sagt Erika Wille – und Sohn Henning nickt.

Im hinteren Bereich des großen Betriebsgeländes steht die Halle mit den Maschinen, wo Kanten geglättet, Zuschnitte erledigt und Reliefs gefräst werden. Gleich daneben liegen in Regalen eines kleineren Raumes Reliefformen für Sonderfertigungen wie Firmenlogos – oder eben für Stuck. In den 70ern wurde viel davon abgeschlagen, um klare Linien in den Wohnungen zu haben, heute bestellen neue Besitzer den Stukkateur, um das alte Bild wieder herzustellen. Auch Steinfußböden und Fassaden werden aufgearbeitet. Apropos Wiederherstellung: Die Willes sind immer wieder gefragt, wenn alte Gebäude eine pflegende oder reparierende Hand brauchen. Als Restauratoren waren sie etwa tätig am Gut Hundsmühlen, am Staatstheater, an vielen Gründerzeithäusern und an Baudenkmälern wie dem Haus Gartenstraße 8 in Oldenburg.

Tag der offenen Tür

2009 und 2010 stellten die Willes den gesamten Außenbereich neu auf. Wer sich das Unternehmen mit heure sieben Mitarbeitern einmal ansehen möchte, sollte sich den nächsten Sonntag vormerken: Von 10 bis 17 Uhr laden die Willes aus Anlass des Jubiläums zum Tag der offenen Tür.