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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

So viele Einsätze hat die Oldenburger Feuerwehr

22.08.2015

Oldenburg In Handschellen ans Bett gefesselt? Nägel durch den Fuß geschossen? Ungewöhnliche Gegenstände an und in ungewöhnlichen Orten des menschlichen Körpers? Klar, passiert alles und immer wieder mal. Gesondert statistisch erfasst sind diese Einsätze zwar nicht, aber durchaus tief in den Erinnerungen gespeichert. Nicht viel anders steht es da um die übrigen Einsätze, die Kräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr Tag für Tag in Oldenburg zu bewältigen haben. Und davon gab es im vergangenen Jahr knapp 2000.

1863, um genau zu sein: Das sind Groß- (6) und Kleinbrände (165), Notlagen von Mensch (187) und Tier (241), Wasser- und Sturmschäden (89), aber auch Verkehrsunfälle und -gefahren (247). Unter anderem. Eine Zahl der Jahresstatistik springt da gesondert ins Auge: die 346. So viele Fehleinsätze hatte es schließlich gegeben, davon mindestens vier vorsätzlich herbeigeführte. Das nervt, ohne Frage. Nicht, weil die Einsatzkräfte so grundlos in Alarmbereitschaft versetzt werden und unverrichteter Dinge wieder einpacken müssen, sondern weil andere Hilfeleistungen in dieser Zeit nicht möglich wären. Ein anderer Grund ist, dass viele Feuerwehrleute in der Freiwilligen organisiert sind – und jeder Alarm die Ehrenamtlichen aus ihrem normalen Arbeitsalltag reißt.

Ihr weg zur freiwilligen Feuerwehr – Kontakt und Hilfe

Sechs Freiwillige Wehren gibt es in Oldenburg: Ofenerdiek, Ohmstede, Haarentor, Osternburg, Eversten, Stadtmitte – und die Abteilung Wasserrettung.

Voraussetzungen für eine Aufnahme sind ein Mindestalter von 16 Jahren, ein Wohnsitz in Oldenburg, Motivation, Fitness.

Geboten wird die Ausbildung zur Feuerwehrfrau oder zum Feuerwehrmann, umfangreiche Spezialisierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten und die Mitwirkung in einem Team mit dem Ziel, gemeinschaftlich anderen zu helfen.

Die Ausbildung beginnt mit dem Lehrgang „Truppmann 1“ – die Grundausbildung. In weiteren Lehrgängen werden die Teilnehmer mit der Funktechnik und Atemschutzgeräten vertraut gemacht. Auch der LKW-Führerschein kann bei Bedarf in der feuerwehreigenen Fahrschule kostenlos erworben werden. Für die Wasserrettung gibt es weitere Auflagen und Möglichkeiten. 14-tägig finden zudem Dienstabende statt.

Kontaktaufnahme über die Stadt, Tel. 235-4444, oder via E-Mail an feuerwehr@stadt-oldenburg.de

„Dieser Missbrauch hat allerdings deutlich nachgelassen“, sagt Einsatzplaner André Heitkamp. Sicherlich auch, weil die Leitstelle nun alle Anrufnummern identifizieren kann, auch die auf den Handys unterdrückten. Und weil die Profis schon beim Notrufeingang die ernstzunehmenden von den Spaßanrufen filtern. Für letztere wird es mit „Gebühren“ von mindestens 500 Euro, eher aber vierstelligen Strafen, richtig teuer. Und der zumeist zusätzliche Polizeieinsatz kostet auch noch extra.

Der Großteil der Fehleinsätze beruht indes auf elektronischen Mängeln von Brandmeldeanlagen oder versehentlichen Alarmen. Ein Glück, ist man da geneigt zu sagen. Schließlich ist „unser Ziel, Sicherheit zu produzieren und nicht Brände löschen zu müssen“, sagt Jens Spekker, stellvertretender Leiter der Berufsfeuerwehr. Und da spricht er wohl für alle 355 Kollegen bei der Berufs- (146) und der Freiwilligen Feuerwehr (210) in dieser Stadt.

Die sind in der Hauptsache Kerle, gerade einmal 21 Frauen sind ehrenamtlich aktiv. „Wir haben viel zu wenig Frauen bei uns, auch zu wenige Mitglieder mit Migrationshintergrund“, so Spekker, „da gibt es eindeutig Nachholbedarf.“ Das dürfte allerdings für die Gesamtzahl der Freiwilligen gelten. Denn die haben nun mal ein Privatleben oder Arbeitgeber, die nicht immer von der plötzlichen Bereitschaft ihrer Mitarbeiter begeistert sind. Die machen’s aber erstens für den guten Zweck und die Allgemeinheit, und zweitens sind derartige „Soft Skills“ wie Führungsqualitäten, Organisationsfähigkeit und Erste Hilfe ja auch im Job nicht unbedingt die schlechtesten Eigenschaften. Ergo gibt es ab und an Rücksprachen zwischen Feuerwehr und Unternehmen, dann ist die Situation schnell geklärt. An der grundsätzlich dünnen Personaldecke ändert dies aber nichts. Und trotzdem leisten die Mannen Großes. Immer und immer wieder.

„Rund 20 000 Dienststunden“ hätten allein die Ortswehren im Jahr 2014 abgeleistet, betont Spekker, „unentgeltlich“. Und dabei handelt es sich eben nicht nur um tatsächlich effektvolle Blaulicht-Einsätze, sondern auch um viele kleine zusätzliche Aufgaben, die in Oldenburg für mehr Sicherheit sorgen. Da wären beispielsweise Sicherheitswachen (588 Einsätze, je zwei Kräfte) wie hinter den Bühnen des Staatstheaters bei jeder Vorstellung. Da wären Schulungen (92) und Brandschutzunterweisungen fürs Klinikum und andere, auch Abnahmen von Generalproben (43), Brandschauen (77) oder brandschutztechnische Beratungen (522). Alles Aufgaben, von denen die Bevölkerung nichts ahnt, die aber allesamt der Sicherheit einer ganzen Stadt dienen.

Größter Einsatz der Feuerwehr im Jahr 2014 war sicher das schwere Unwetter im Juli, in ähnlicher Kategorie dürfte knapp ein Jahr später der Dachstuhlbrand in der Donnerschwee-Kaserne firmieren. In beiden Fällen kämpften über 100 Kräfte gemeinsam gegen Fluten und Flammen.

Die Außenwirkung ist da sicher eine andere als beim Abtransport von Kadavern (beispielhaft sei hier das große Fischsterben, überfahrene Vögel und anderes Getier genannt) oder der Aufnahme von Enten mit gebrochenen Flügeln. Diese Zahlen werden weder statistisch noch philosophisch ausgewertet. Aber sie werden allesamt betreut. Und um nichts anderes geht es ihnen hier: Hilfe in der Not.

Das gilt auch für den Rettungsdienst – also Feuerwehr, Johanniter, Malteser und Deutsches Rotes Kreuz. 18 035 Notfall-Einsätze wurden gefahren, 14 251 Krankentransporte überdies. Unglaubliche Zahlen, in denen die Notarztfahrten der Feuerwehr (4964) gar nicht eingerechnet sind.

Inklusive sind da dann allerdings auch die große Menge an Fehleinsätzen: 1868 im Rettungsdienst insgesamt. „Viele Menschen rufen heute wesentlich früher den Notruf, auch weil die meisten ein Handy haben“, weiß Heitkamp, „oft klärt sich dann rasch, dass es vielleicht doch gar nicht so schlimm war.“ Aber: Lieber einmal zu früh als dann doch zu spät. 356 Feuerwehrleute helfen gern.


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Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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