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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Abschied Von Immobilie: Abrissbirne über dem Oldenburger Finanzamt

27.11.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-11-27T07:31:31Z 280 158

Abschied Von Immobilie:
Abrissbirne über dem Oldenburger Finanzamt

Oldenburg Das Oldenburger Finanzamt ist mehr denn je auf der Suche nach geeigneten Büros für 300 Mitarbeiter – möglichst unter einem Dach und innerhalb des Autobahnrings. Das Gebäude an der 91er Straße wird abgerissen.

„Jede Sanierung wäre unabweisbar mit einem hohen und nicht einschätzbaren Risiko verbunden“, hieß es am Donnerstag auf NWZ-Anfrage dazu aus dem Finanzministerium in Hannover. „Vor dem Hintergrund dieser unkalkulierbaren Risiken wird von einer Sanierung des Gebäudes abgesehen“, schreibt Ministeriumssprecher Kai Bernhardt.

Bereits zuvor hatte die Oldenburger Finanzamtssprecherin Antje Kindich durchblicken lassen, dass die Sanierung des im November 1975 bezogenen Gebäudes die unwahrscheinlichste Lösung sei.

Immerhin waren in das vor 40 Jahren erbaute Gebäude am Pferdemarkt damals 11,5 Millionen D-Mark an öffentlichem Geld geflossen. Ursprünglich hatten dort alle Finanzbehörden unterkommen sollen. Es war allerdings schon von Anfang an zu klein, denn die Datenverarbeitungsanlage brauchte offenbar mehr Platz. Daher zog etwa die Oberfinanzdirektion an den Festungsgraben.

Das Finanzamt war damals gedacht als eines der prägenden Gebäude für ein Behördenzentrum rund um den Pferdemarkt. Übrigens hatte es dafür schon 1962 erste Überlegungen gegeben, und 1965 war ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben worden, an dem sich 100 Bewerber beteiligten.

Die eindeutige Entscheidung fiel für das Büro Von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg. Mit dem Bau, der mehr als 4000 Quadratmeter großen Bürofläche wurde im November 1973 begonnen.

Beim Richtfest am 18. September 1974 sagte der damalige niedersächsische Verkehrsminister Erich Küpker (FDP), das Gebäude biete gute Voraussetzungen, für eine gute Leistung der dort arbeitenden

kommentar

Betonkolosse ohne Lobby

Die Betonkolosse der 60er und 70er Jahre sind Ausdruck ihrer Zeit und gelten heute nicht gerade als Schönheiten, aber sie sind geprägt von den Klassikern der Moderne.

Heute haben sie so gut wie keine Lobby unter Architekturliebhabern und werden in vielen Städten reihenweise plattgemacht. Möglicherweise gehen irgendwann unsere Nachfahren auch einmal so mit den verschnörkelten Zuckerbäckerbauten in den Neubaugebieten der jüngsten Zeit um.

Auch in Oldenburg wird das Finanzamt vermutlich der Abrissbirne preisgegeben.

Nicht schade drum, werden viele sagen. Doch es ist immerhin von einem der berühmtesten Architekturbüros Deutschlands entworfen worden: Von Gerkan, Marg und Partner. Meinhard von Gerkan ist jener Hamburger Architekt, der etwa auch den neuen Berliner Hauptbahnhof und ganze Städte in China entworfen hat.

Darf man es wirklich als nachhaltig und verantwortungsvoll bezeichnen, wenn ein mit öffentlichen Millionen gebautes Gebäude, das gerade einmal 40 Jahre alt ist, als abbruchreif klassifiziert wird? Das Rathaus steht immerhin schon seit 1870 in der Mitte der Stadt.

Steuerbeamten.

Die heute dort Beschäftigten werden das anders sehen, denn in den vergangenen Monaten waren die Fassade des Beton-Baus und auch unzugänglichere Bauteile untersucht und geprüft worden. Das Ergebnis: Das Gebäude befindet sich in einem schlechteren Zustand als gedacht (NWZ berichtete).

Ministeriumssprecher Kai Bernhardt spricht von Ausführungsmängeln. Dazu zählt etwa die „mangelhaft verlegte Stahlbewehrung“. Er nennt aber auch Witterungseinflüsse.

Das Fazit: „Aufgrund der neu vorliegenden Erkenntnisse zum Gebäudezustand wäre eine Sanierung nach derzeitigem Kenntnisstand nur noch bei optimalem Sanierungsverlauf noch knapp kostengünstiger als ein Neubau.

Ob an derselben Stelle neu gebaut wird oder an anderer, steht noch nicht fest. Allerdings ist man auch mit der Stadt bereits im Gespräch.