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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Airport-Absturz kommt überraschend

14.06.2014

Oldenburg Noch heute überkommt Britta Kramer Wehmut, wenn sie in Wechloy im Dänischen Bettenlager durch die Eingangstür geht. Denn dort, wo jetzt Bettwäsche und Matratzen verkauft werden, befand sich vor rund 30 Jahren Oldenburgs erste Großraumdiskothek, die „Airport Dancing-Hall“. „Würde ich heute in eine Disco gehen wollen, meine erste Wahl wäre das Airport, wenn es diese Disco noch gäbe“, schwärmt die Ammerländerin. „Ich habe danach viele andere Discos gesehen, nirgendwo hat es mir je wieder so gut gefallen.“

Britta Kramer war 1985 und 1986 Stammgast im „Airport“. „Ich war 16 und erstmals alt genug, um offiziell in eine Disco zu gehen“, erinnert sie sich. Die Großraumdisco bei Famila hatte alles, was ihr Mädchenherz sich damals wünschte. Im Mittelpunkt des 2200 Quadratmeter großen Komplexes, der in vier Bereiche unterteilt war, stand die riesige Tanzfläche. Es gab eine Kneipenstraße mit englischem Pub und Bayernstube, einen Schnellimbiss, einen Raddampfer mit Sitzgelegenheiten und eine große Bühne. Zur technischen Ausstattung gehörten Laser, Nebelkanonen, Lichtspiele und Videoschirme für optische Effekte.

Strickpullis verpönt

„Es war nicht so dunkel wie in anderen Discos“, blickt Kramer zurück. Sie hat noch die typischen 80er-Jahre-Karottenhosen und üppige Dauerwellen vor Augen. Strickpullis und Camel-Boots trug hier niemand.

Spätestens um 22 Uhr war der Laden in der Anfangszeit voll. Gestartet wurde immer in derselben Reihenfolge mit dem Intro von Jeff Waynes „The War of the Worlds“, um dann in ein Instrumentalstück von Jean-Michael Jarre überzugehen. „Jeder wusste dann, jetzt geht es los“, sagt DJ Gary Henar. Der gebürtige Surinamese legte damals zusammen mit DJ Robert im „Airport“ auf.

„Airport war musikmäßig und in vielen anderen Dingen das Gegenstück zur anderen Großdisco in Oldenburg, dem ,Renaissance’. In welchen der beiden Läden man ging, war fast schon eine Glaubensfrage“, berichtet Britta Kramer. Dabei hatten beide Diskotheken durchaus etwas gemeinsam: Als „Opening“, so Gary Henar, gab es die Lasershow, die von Ralf Spitra, der neben Rainer Urbschat Lightjockey im „Renaissance“ gewesen war, programmiert wurde. „Wir haben uns alle unheimlich ins Zeug gelegt“, erinnert sich Henar.

2000 Menschen füllten den Laden. „Die Gäste kamen aus dem Umland, sogar aus Hamburg, Bremen und Hannover“, erzählt Gary. „Es war immer eine gute Mischung aus Jung und Alt.“ Britta Kramer ergänzt: „Die wenigsten Leute tranken viel, die meisten kamen wirklich zum Tanzen und Kennenlernen hierher.“

Songs von U2 oder den Dire Straits, heute gerne mit den 80er Jahren in einem Atemzug erwähnt – hörte man im „Airport“ nicht. Stattdessen spielten Gary und Robert Lieder wie „I just can’t get enough“ von Depeche Mode, Hits von Wham, Duran Duran, Cool & the Gang, Chaka Khan, Diana Ross und den Weather Girls sowie Italo-Disco-Hits. Und zu später Stunde schnappte sich Robert sogar selber das Gesangsmikro. Zweimal am Abend habe sein DJ-Partner „Heroes“ von David Bowie gesungen, berichtet Gary Henar. „Er machte das wunderbar und wurde damit zum Star aller Mädchen“, schwärmt Britta Kramer.

Die Innenstadt-Gastronomen verfolgten das Treiben in Wechloy mit größtem Argwohn. Vor der Eröffnung im April 1985 protestierten sie gegen Baugenehmigung und Konzessionsvergabe, indem sie einen Freitagabend lang den Betrieb einstellten.

Finanzielle Bruchlandung

Drei Jahre später war es „Airport“-Eigentümer Heinz-Peter Immega, der das Handtuch werfen musste, weil er sich mit der Drei-Millionen-Mark-Investition übernommen hatte. Immega, der in Diepholz eine weitere „Airport“-Discothek betrieb, hatte aus Sicht von Gary Henar die Oldenburger Schwester-Disco „vernachlässigt“. 1987 verkaufte Immega die Wechloyer Disco für eine „sechsstellige Summe“ an die Oldenburger Heinrich Kröger und Hans-Hermann Müller. Die Disco wurde im „laufenden Betrieb umstrukturiert“ – ohne Erfolg. „Die DJs waren anders. Die Lichteffekte fielen spärlicher aus, die Musik ließ nach. Irgendwann war die Stimmung weg, es kamen weniger Leute“, bilanziert Britta Kramer. Im Juni 1988 kam das endgültige Aus fürs „Airport“. Kröger musste nach dem Ausstieg von Müller erkennen, „dass sich so ein riesiger Laden nicht lohnt“.

DJ Gary hingegen blieb im Geschäft und prägt seit Jahrzehnten Partynächte in der Stadt. Fünfmal im Jahr legt der heute 57-Jährige bei der Ü33-Party im Kulturzentrum Ofenerdiek auf, demnächst am 28. Juni. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: „Wenn ich mal Rentner bin, verlebe ich meinen Lebensabend in einem Oldenburger Seniorenheim“, kündigt er an, „und dann gibt es sonntags Tanztee mit Gary!“

Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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