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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Alternatives Wohnprojekt auf Umwegen zum Ziel

23.07.2014

Oldenburg Architekt Ulf Brannies kommt als Energieberater für die Stadt viel herum. Immer wieder fällt ihm dabei auf, wie viele ältere Menschen allein in Einfamilienhäusern wohnen, deren Unterhalt und Betrieb ihnen langsam über den Kopf wächst.

Wenn es etwa darum geht, das Dach oder Fenster zu ersetzen, geht ihnen wegen der energetischen Auflagen auch finanziell schon mal die Puste aus. Dennoch, so Brannies, halten viele Menschen trotz der Probleme an ihrer Immobilie fest – wohl auch aus Angst vor Alten- oder Pflegeheim und obwohl viele dabei in ihren vier Wänden vereinsamen.

„Dabei gibt es doch Alternativen“, sagt Brannies – und meint damit Wohnprojekte für mehrere Generationen wie das Projekt „Kaspershof“, das kürzlich Richtfest feierte. Dort, wo bis vor ein paar Jahren ein Bauernhof stand, haben 15 Oldenburger zusammen ein Haus gebaut, in dem jeder seine Eigentumswohnung hat – und dennoch eine Gemeinschaft entstehen soll. Architekt des Projektes ist Ulf Brannies, der wegen der vielen Bauherren und Planänderungen daran aber kaum etwas verdient: „Mir geht es darum, dass hier ein Modell für eine Baugemeinschaft entsteht, das Interessierte sehen und begreifen können.“ Jeder Bewohner habe seine Wünsche einbringen können, sei Eigentümer – und das Haus ist als Niedrigenergiehaus konzipiert, was es im Gegensatz zu vielen Siedlungshäusern am Stadtrand auch zukunftssicher macht.

Wer mit einem solchen Projekt liebäugelt, muss langen Atem mitbringen, weiß Helga Wilhelmer, die zu den Initiatoren des Kaspershofs zählt. Das Grundstück wurde im Januar 2012 gekauft, der Plan stand auch schon fest: Das Problem war, so Wilhelmer, weitere Interessenten zu finden.

Das Grundstück war finanziert, der Bau aber noch nicht. 2,5 Millionen Euro standen im Raum. Dann stiegen einige Interessenten aus, es blieben drei Parteien – eine Denkpause war fällig.

Am Ende klappte es aber doch: „Mit der erforderlichen unerschütterlichen Zuversicht und einer guten Portion norddeutscher Sturheit haben wir’s geschafft“, berichtet Wilhelmer. Mit neuen Mitstreitern wurde eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet, im Herbst 2013 kam die Baugenehmigung für den Bau von zwölf Eigentumswohnungen mit Keller, Fahrstuhl und Gemeinschaftseinrichtungen. „Ende 2013 waren wir komplett, im März 2014 konnte der Bau beginnen“, bilanziert Helga Wilhelmer.

Für Brannies steht fest, dass der Kaspershof kein Solitär bleiben darf. Angesichts des demografischen Wandels und der Wohnraumknappheit sollte auch die Stadt solche Vorhaben fördern – „etwa durch verbilligte städtische Grundstücke für solche Projekte.“