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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Anwohner kämpfen gegen Neubebauung im Viertel

29.09.2016

Dietrichsfeld Die Emotionen kochen hoch an der Kattowitzer Straße. 60 Anlieger sind gekommen, um beim Ortstermin Politik und Verwaltung ihren Unmut kundzutun über die ihrer Meinung nach maßlose Bebauung des Grundstücks Nummer 14. Ein zweigeschossiger Neubau plus Staffelgeschoss ist dort entstanden, wo einst ein Einfamilienhaus einer Familie Heimat und Zuhause bot. Das Grundstück hinter diesem Haus an der Görlitzer Straße war unbebaut.

kommentar

Armutszeugnis

ausgestellt

Auf der einen Seite gibt es Tausende Oldenburger, die auf der Suche nach einer Wohnung sind, auf der anderen Seite stehen die Bewohner historisch gewachsener Viertel, die um den Fortbestand ihrer Nachbarschaft fürchten. Dazwischen befinden sich Rat und Verwaltung, die die Interessen abwägen und vermitteln müssen.

Die meisten politischen Vertreter des Stadtrates, allen voran die Mitglieder des Bauausschusses, haben sich beim Ortstermin an der Kattowitzer Straße ein Armutszeugnis ausgestellt. Nur die Grünen und der Vertreter der WFO waren bereit, Rede und Antwort zu stehen und offenzulegen, was für eine verdichtete Bebauung spricht und was dagegen. Auch wenn die Anwohner zurzeit kein Recht haben, den Bau von Mehrfamilienhäusern zu verhindern, sollte man mit ihnen zumindest in einen persönlichen Kontakt treten und Argumente austauschen. Und das nicht nur vor Wahlen.

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Mittendrin in der Menschenmenge steht Christopher Festersen vom Stadtplanungsamt und erklärt, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist, der Neubau sogar ein Geschoss höher hätte ausfallen können. Er hat den rechtsgültigen Bebauungsplan mit Einverständnis des Autobesitzers auf der Motorhaube ausgebreitet und erläutert den Anwohnern die Vorschriften. Der Plan stammt aus dem Jahr 1972 und lässt sogar mehr zu. Der Bauherr an der Kattowitzer Straße 14 hat noch nicht einmal die Möglichkeiten ausgeschöpft. Bei entsprechendem Abstand zur Grundstücksgrenze hätten drei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss gebaut werden können, sagt der Fachmann.

Mittendrin steht auch (Noch-)Grünen-Ratsherr Bernhard Dietz und rechtfertigt den politischen Willen seiner Partei, durch verdichtete Bebauung entlang der Ausfallstraßen und im Umfeld der Stadtteilzentren möglichst kostengünstigen Wohnraum zu schaffen. Gleichwohl räumt er ein, dass im vorliegenden Fall etwas mehr Augenmaß angebracht gewesen wäre. Von der Politik ist auch WFO-Ratsherr Franz Norrenbrock erschienen. Der sagt zwar wenig, ist aber jedenfalls da – der Rest der gewählten Volksvertreter glänzt durch Abwesenheit.

Sonnenlicht genommen

Mittendrin steht auch Helga Renken. Die rüstige Seniorin wohnt neben dem Grundstück, auf dem der Neubau hochgezogen wurde. Der nimmt ihr nun das Licht. Die Sonne erreicht den Garten kaum noch. Der Rasen ist vermoost, der Phlox ist von Mehltau befallen und verkümmert. Die Heizungs- und Stromkosten steigen, das Licht brennt auch mittags, klagt die 82-Jährige. 1976 hat sie gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann das Haus gebaut. Ihr Sohn war da schon fast erwachsen. Seitdem lebt sie dort und pflegt ihren kleinen Garten.

Der rechtsgültige Bebauungsplan lässt diese mehrgeschossige Bebauung zu, erklärt Festersen den Umstehenden immer wieder. Die Verwaltung muss dieser Bebauung zustimmen, für die im Antragsverfahren eine Mitteilung des Bauherren reicht. „Dann ändern Sie doch den Bebauungsplan“, halten die Anlieger ihm entgegen. „Das kann nur die Politik, also der Rat“, entgegnet Festersen. Das wiederum bringt andere Anlieger auf die Palme, deren Antrag auf den Bau eines Carports neben ihrem Haus vom Bauamt abgelehnt wurde. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?, fragen sie.

Die Situation ist vertrackt. Die Anwohner fürchten um den Fortbestand ihrer gut funktionierenden Nachbarschaft. Es wird gemeinsam gefeiert, über den Gartenzaun geklönt, man achtet aufeinander. Die Bewohner in dem anonymen Neubau werden sich kaum integrieren, befürchten sie.

Die Kattowitzer Straße ist im Schatten der Mehrfamilienhäuser entlang der Alexanderstraße durch Einfamilienhäuser geprägt. In den Vorgärten stehen Protestschilder. „Stoppt das Plattmachen von Einfamilienhäusern“, „Neubauten müssen zur Nachbarschaft passen“, „Wohnqualität = Lebensqualität Warum zerstört die Stadt Oldenburg unser schönes Viertel?“ ist darauf zu lesen.

Denn es geht weiter mit den Neubauten: An der Kattowitzer Straße 14 ist ein weiteres Einfamilienhaus verkauft worden, auf dem ein Mehrfamilienhaus gebaut werden soll, befürchten die Nachbarn. Viel Geld soll gezahlt worden sein, wissen die Anlieger. Junge Familien können sich das nicht leisten, schimpfen die Umstehenden. Kein Wunder, dass viele aufs Land ziehen.

Der Bebauungsplan muss geändert werden, fordern die Nachbarn deshalb und kündigen einen erneuten Besuch des Bauausschusses an – dann werden wohl auch die Vertreter der übrigen Parteien anwesend sein.

Vorbild für ihren Kampf ist der Bebauungsplan für die Straße Alte Raad. Vor zehn Jahren ist der auf Druck der Anwohner geändert worden mit dem Ziel, die gewachsenen Strukturen zu erhalten und zu stärken.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104
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