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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Tempo 30 auf der Hundsmühler Straße im Selbstversuch

15.06.2017

Oldenburg Jajaja, ein alter Mann ist kein D-Zug. Vor allem nicht im Ford Fiesta. Doch der Selbstversuch auf der Hundsmühler Straße im Oldenburger Stadtteil Eversten muss einfach gemacht werden. Denn wer beurteilen will, wie sich der geplante Tempo-30-Modellversuch, für den sich die Stadt beim Land um Förderung bewirbt, auf der B401 auswirkt, sollte sich in den Stadtverkehr begeben – und das am besten morgens, mittags und abends.

Kommentar von Oliver Schulz

Ein kurzer weiter Weg

Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung – aber nicht, wenn man an einer Straße wie der Hundsmühler in Eversten wohnt. Wie an der Perlenschnur reihen sich früh wie spät Autos, Lkw und Busse aneinander, und mit ihnen kommen Lärm, Gestank und andere Gefahren des Alltagsverkehrs.

Der Hinweis auf die bestmögliche Alternative der Fortbewegung in der Stadt – das Fahrrad – hilft den meisten Pendlern und Transportern kaum weiter. Viele finden gute Gründe, manche auch nur gute Ausreden.

Es ist lebenswichtig, sich intensiv Gedanken über nachhaltige Mobilität zu machen. Ob dafür aber die Hundsmühler Straße geeignet ist, bezweifle ich stark.

Den Autor erreichen Sie unter

Der Schwerlastverkehr, der im rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen Hauptstraße im Norden und Sodenstich im Süden an Werktagen die Straße platt fährt, hat´s immer eilig. Der Brummifahrer schaut erst auf, wenn eine der fünf Ampeln auf Rot springt. Mit meinem Test hat er nichts zu schaffen. Ein Tempo reduzierter Testpilot auf seiner Arbeitsstrecke hat ihm gerade noch gefehlt – aber ihn fragt ja niemand.

Befragt werden aber die Anwohner. Sandra Schliep zum Beispiel. Die sympathische Bäckerei-Fachverkäuferin erlebt und erleidet auch als Anwohnerin jeden Tag die Rennstrecke an der Hundsmühler Straße. „Tempo 30 finde ich klasse, am besten auf der ganzen Länge. Ich wohne schon lange hier und bin fest der Meinung, dass etwas gegen den Verkehrslärm und für die Sicherheit getan werden muss, auch wegen der vielen Kinder.“

Natürlich ist die Belastung nicht zu jeder Tageszeit gleich: Deshalb absolviere ich den Abschnitt um 7.50 Uhr, um 12.45 Uhr und um 18.20 Uhr jeweils einmal in Richtung Sodenstich und wieder zurück bis zur Hauptstraße unter der Autobahnausfahrt Eversten – einmal im erlaubten Tempo 50, einmal mit 30 Sachen. Repräsentativ können die Werte nicht sein, aber sie geben ein realistisches Gefühl.

Die Teststrecke von NWZ-Redakteur Oliver Schulz

Im morgendlichen Berufsverkehr drängen die Autofahrer in die Stadt, zudem drängen sich Lieferfahrzeuge und Schulbusse mit in die Kolonne. Und die fünf Ampeln tun immer wieder, was sie sollen: Bevorteilt wird dadurch niemand, dafür fließt es viel zu zäh. Um kurz vor Acht benötige ich stadtauswärts knapp zweieinhalb Minuten für den halben Kilometer. In die Gegenrichtung dauert es mit dem Strom über 30 Sekunden länger.

Zur selben Zeit bestückt Anwohnerin Lena Jerosch an der Hundsmühler Straße den Spargel- und Obststand und wartet auf Kundschaft. „Mein Dienst endet um 18 Uhr. Den ganzen Tag über erlebe ich hier den Verkehrslärm und die Abgase. Das macht mir schon zu schaffen, deshalb bin ich für Tempo 30.“ Dass der Mittagsverkehr im Modellabschnitt in ein, zwei Minuten durchkommt, ist ihr kein Trost. „Wenn‘s frei ist, fahren viele auch schneller.“

Am Ende meines Verkehrsversuchs geht es mir ein wenig wie Frau Jerosch: Der Tag war lang und anstrengend. Aber schlauer bin ich nicht.

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