• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Als der Techno nach Oldenburg kam

31.05.2014

Oldenburg Ende der 80er Jahre, es ist Wochenende, kurz nach Mitternacht vorm „Byblos“ an der Wallstraße: Die Diskothek ist brechend voll, vorm Eingang bildet sich eine lange Schlange. Wer rein darf, entscheidet der Türsteher. „Einen coolen Laden erkennst Du daran, wie viele Leute anstehen“, sagt Simone Hellmann, erst Stammgast, dann Thekenkraft im „Byblos“. Keine Chance für Schlabberpullis, ausgefranste Jeans und abgewetzte Turnschuhe. Wer hier mitfeiern wollte, legte Wert auf perfektes Styling. „Das Byblos war ein Schickimicki-Laden“, erinnert sich die 46-jährige Blondine, die heute in Köln lebt.

Champagner statt Bier

Die Musik, die im „Byblos“ aufgelegt wurde, war immer tanzbar. Es gab Soul, Funk, House und Acid. „Immer das Neueste vom Neuen“, erzählt Simone Hellmann, die damals Wendland hieß. Als sie noch aufs Alte Gymnasium ging, war das „Sunup’s“ in der Baumgartenstraße ihre Stammdisco gewesen, später in der Nacht wechselte sie dann meistens ins „Byblos“, weil der Laden länger geöffnet hatte. „Das Byblos war in den 80er und 90er Jahren das Pendant zum Sunup’s“, blickt „Up’s“-Chef Peter Porikis zurück. Jeden Abend seien viele Gäste hin- und hergetingelt.

Simone Hellmann blieb irgendwann ganz im „Byblos“. 1988 begann sie ein Medizin-Studium in Hannover, die Wochenendnächte verbrachte sie auch weiterhin in der Nobeldisco in der Wallstraße. Dort lernte sie ihren Freund kennen, der für den Inhaber als Geschäftsführer den Laden schmiss. „Wenn ich sowieso immer da bin, kann ich auch gleich jobben“, überlegte sich die damals 20-Jährige. Ihr Freund platzierte sie an der hinteren der drei Theken. Sie musste die Gäste zusammen mit einer Kollegin an einem 360-Grad-Tresen bedienen. „Die Leute standen da meistens in Dreier-Reihen. Das war Akkordarbeit“, blickt Simone Hellmann zurück. Ausgeschenkt wurden vor allem Sekt, Champagner und Cocktails, Bier war eher weniger gefragt. Der Mindestverzehr, so erinnert sie sich, betrug happige 15 D-Mark.

Erinnerungen an angesagte Discos

Erinnerungen an die in den 70er bis 90er Jahren in der Stadt angesagten Discos lässt diese NWZ-Serie aufleben.

Machen Sie mit: Schicken Sie uns Ihre Geschichten und Bilder aus Ihrer Lieblingsdisco per Post an die NWZ -Lokalredaktion (Stichwort Disco), Peterstraße 28-34, 26121 Oldenburg oder per E-Mail an red.oldenburg@nordwest-zeitung.de.

Während ihre Eltern ihr das Medizin-Studium finanzierten, investierte Simone Hellmann ihr Salär als Thekenkraft meistens in schicke Klamotten. Während sie hinterm Tresen stand, schoben ihre Kommilitonen Nachtschichten auf der Intensivstation, um fürs Studium zu lernen. Zwei Jahre hielt sie den Spagat zwischen Disco und Hörsaal durch, länger war beides nicht miteinander zu vereinbaren. 1991 machte sie im „Byblos“ Schluss.

Ein Jahr später, 1992, gingen im „Byblos“ ganz die Lichter aus. „Der Laden lief nicht mehr“, bedauert Renke Meyer, der seit 1989 letzter Betreiber gewesen war.

Top-DJ wandert in Haft

Die Ursache schreibt der heute 51-Jährige einem DJ-Wechsel zu. „Wir hatten damals mit dem ehemaligen DJ des Frankfurter Dorian Gray einen absoluten Top-Mann, der allerdings von der Polizei verhaftet wurde. Anschließend setzten wir auf regionale DJs – das war ein Fehler.“ Unter Renke Meyers Regie wurde das Musikprogramm um Electro-Sounds und Techno erweitert. „Wir haben die erste Techno-Party Oldenburgs veranstaltet“, erinnert sich Meyer. „Der Gründer der Loveparade, Dr. Motte, hat Anfang der 90er bei uns aufgelegt.“ Die Bässe während der Techno-Nächte waren so durchdringend, dass „bei Werner Kropp im ,Le Journal’ die Bilder von der Wand fielen“, schmunzelt Meyer.

Nach dem „Byblos“-Ende verdingte er sich im Außendienst für eine Wein- und Sektkellerei. Später organisierte er nebenbei Electrodance-Partys. Heute ist er in Oldenburg mit einer Firma für Gebäude- und Sanierungstechnik selbstständig.

Schöne Menschen

Simone Hellmann macht derweil schöne Augen – nicht wie früher hinter der Theke, sondern im OP beim Augenlid-Lifting. Nach dem Studium in Hannover und in der Schweiz spezialisierte sie sich in Hannover als Fachärztin für Chirurgie, um dann 2002 in Köln eine Ausbildung als Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie zu beginnen. Seit 2010 betreibt sie sehr erfolgreich ihre eigene Praxis in Köln. „Mit schönen Menschen beschäftige ich mich also immer noch“, lacht die heute 46-Jährige. Ihr Alter – wen wundert’s – sieht man ihr nicht an.


Mehr Infos unter   www.nwzonline.de/discos-oldenburg 
Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

Weitere Nachrichten:

Byblos | Hellmann | Gymnasium | Polizei Oldenburg

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.