• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Blaues Auge ist kein Aufnahmekriterium

26.03.2015

Oldenburg Dieses Angebot ist in Deutschland einmalig: Männer, die in Beziehungskrisen stecken oder häusliche Gewalt erlebt haben, finden in Oldenburg eine Zuflucht. Der vor 15 Jahren von Sozialpädagogen gegründete Verein Männer-Wohn-Hilfe betreibt eigenen Angaben zufolge das bundesweit einzige Männerhaus. Entsprechend groß ist das Interesse an diesem Angebot – nicht nur seitens der Bewerber. Aus dem gesamten Bundesgebiet erreichen den Verein Anfragen von Institutionen, die in ihren Kommunen ähnliche Projekte planen.

In Oldenburg findet das ehrenamtlich organisierte Männerhaus dagegen bei Politik und Verwaltung wenig Anklang. Der Antrag des Vereins auf eine finanzielle Förderung wurde auch in diesem Jahr wieder abgelehnt. „Mittelfristig benötigen wir aber professionelle Strukturen, um das Angebot aufrecht erhalten zu können“, schildert Vorsitzender Walter Dinninghoff das drängende Problem.

Das Männerhaus ist eher eine Wohngemeinschaft. Die teilmöblierte Drei-Zimmer-Wohnung in einem GSG-Mehrfamilienhaus an der Liegnitzer Straße in Dietrichsfeld bietet Platz für zwei Männer oder einen Vater mit bis zu zwei Kindern. „Bis auf die Renovierungsphasen ist die Wohnung immer belegt. Teilweise müssen wir Wartelisten führen“, berichtet Dinninghoff. Das seit April 2002 bestehende Angebot nutzten bisher 77 Männer im Alter zwischen 25 und 68 Jahren.

Zu den typischen Bewohnern der Zuflucht zählt Vorstandsmitglied Wolfgang Rosenthal vor allem zwei Gruppen: Zunächst den etwa 40-jährigen, erwerbstätigen Familienvater, meist mit Hochschulabschluss. Als zweite Gruppe nannte er Männer mit eher geringem Einkommen.

Keine Gewalttäter

Etwa zehn Prozent der bisher aufgenommenen Männer waren Opfer von häuslicher Gewalt. „Ein blaues Auge muss man nicht als Eintrittskarte vorweisen“, erklärt Rosenthal. Einen Unterschlupf für bis zu drei Monate finden Männer, die sich in einer Beziehungskrise oder Trennungsphase befinden oder vom Partner vor die Tür gesetzt wurden. Durch die Wohnung bekommen die Männer Zeit, Ruhe zu finden, Abstand zu gewinnen und sich selbst zu besinnen. In Frage als Bewerber kommen nur Männer, die nicht gewalttätig sind und aus Oldenburg und Umgebung kommen. Vor der Aufnahme führen zwei Vereinsmitglieder ein Kennenlerngespräch.

Erweiterung gewünscht

Aktuell gibt es in mehreren Städten Überlegungen, solche Einrichtungen zu gründen. Noch vor wenigen Tagen stellte Wolfgang Rosenthal das Oldenburger Konzept in Stuttgart vor. In Oldenburg würde die Männer-Wohn-Hilfe das bestehende Angebot gerne ausbauen. „Der Bedarf ist vorhanden. Umsetzen lässt sich eine Erweiterung aber nur mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter“, erklärt Dinninghoff.

Politik und Verwaltung wollten in diesem Jahr aber weder das Männerhaus noch die Beratungsstelle „Männersache“ des Vereins unterstützen. Im Haus Marschweg 66 bietet die Männer-Wohn-Hilfe seit zwei Jahren Männern in Krisensituationen ein eigenes Beratungsangebot. In den ersten beiden Jahren unterstützten der Paritätische (mit insgesamt 25 000 Euro) und die Stadt (5000 Euro) die „Männersache“. Dass es das Angebot auch 2015 noch gibt, ist einem Zuschuss der GSG zu verdanken. Die Sprechzeiten mussten aber eingeschränkt werden. Rosenthal: „Wie es im nächsten Jahr weitergeht, wissen wir nicht.“

Weitere Infos unter Tel. 0162/8783013 (Männerhaus), Tel. 0176/56700-201/-202 (Beratungsstelle) oder unter


  www.maennerwohnhilfe.de 
Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2106
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.