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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Bremszonen und sprechende Tütensuppe

04.07.2014

Oldenburg Einkaufen ist eine Wissenschaft für sich – Annika Mohr hat das wörtlich genommen: Die Oldenburgerin hat sich im Studiengang Wirtschaft an der Jade-Hochschule unter der Regie von Prof. Dr. Stephan Kull in ihrer Bachelorarbeit mit Psycho-Tricks der Supermärkte, Konsumgewohnheiten von Kunden, Erlebnismarketing im Einzelhandel und der virtuellen Erweiterung realer Einkaufswelten befasst. „Seitdem sehen meine Eltern das Einkaufen mit anderen Augen“, lacht die 26-Jährige.

Rechtsdrall im Laden

Denn im Supermarkt bleibt so gut wie nichts dem Zufall überlassen. Die Verführung zum Kaufen beginnt bereits, sobald die Kunden den Markt betreten. Typischerweise liegt am Eingang die Obst- und Gemüseabteilung – „im Fachjargon auch Bremszone genannt“, weiß die Bachelor-Absolventin. Hier werden die schwungvoll Eintretenden entschleunigt. Diese Aufgabe erfüllen auch Stände mit Aktionswaren. Kunden sollen durch die Inszenierung von Überraschungseffekten zu „Impulskäufen“ animiert werden, so Mohr.

Nach der „Bremszone“ geht es weiter auf die so genannte „Rennbahn“. Was täglich gebraucht wird – Milch, Aufschnitt oder Brot etwa – steht am anderen Ende des Marktes. So muss der Kunde an allen Waren vorbei und findet bestimmt Artikel, die nicht auf dem Einkaufszettel standen – nur 35 Prozent aller Käufe seien fest geplant. Reine Zielkaufprodukte und Schnäppchenecken befänden sich in der „toten Zone“ abseits der Kundenführung. Geleitet werde der Kundenstrom, hat Mohr beobachtet, gegen den Uhrzeigersinn: „Die Menschen bevorzugen den Lauf linksherum, durch den Rechtsdrall richtet sich Aufmerksamkeit nach außen.“ Mit anderen Worten: Rechtshänder können so besser zugreifen. Dieses Phänomen könne der Einzelhandel als „Verkaufsaktivierung“ nutzen, erläutert Annika Mohr. Durch die Ladengestaltung könne der Einzelhändler vermeiden, dass Preise allein zum ausschlaggebenden Absatzinstrument werden.

Geruch hebt Stimmung

Auch ein Lichtkonzept beeinflusse die Wahrnehmung. Während bläuliches Licht eher Angebote signalisiere, hebe akzentuiertes Licht durch die Schaffung so genannter Lichtinseln die Wertigkeit der Produkte hervor. Kunden würden durch die Verwendung von Geruchsstoffen in der Einkaufsstätte sensibilisiert: „Die Stimmung steigt mit frischem und vitalisierendem Geruch.“

Selbst die Fußbodengestaltung spiele eine Rolle: „Eine Art Kopfsteinpflaster im Bereich der Fleischtheke vermittelt Marktatmosphäre und Frische“, erklärt Annika Mohr – und so eine Frischemarkt-Atmosphäre lässt sich im Internet ebenso wenig inszenieren wie eine Verkostung. Daher sieht sie in „positiven Einkaufserlebnissen mit allen Sinnen ein gutes Potenzial für den stationären Einzelhandel, um sich gegenüber dem Internet-Handel zu behaupten.“

Waren begreifbar machen

Mohr blickt in ihrer Arbeit auch in die Zukunft: Eine Marktchance gegenüber dem Online-Shopping könne sich der Handel auch durch das wortwörtliche Begreifbarmachen der Waren sichern. Durch „Augmented Reality“, eine durch digitale Daten angereichte Wirklichkeit, werden Objekte und Menschen dreidimensional erlebbar. Ein Beispiel: Auf dem Smartphone tanzen die Zutaten einer Suppe nach und nach in die Tüte und „erzählen“ Rezepte. „Das ist ein Bereich, der vorangetrieben werden muss“, meint Mohr. Ebenso wie Self-Service-Systeme, bei denen die Käufer selber ihre Ware einscannen und an einem Automaten bezahlen.

Die Zukunft im Einzelhandel würde Annika Mohr gerne selber mitgestalten. Sie hofft, nach ihrer mit der Note 1,3 bewerteten Bachelorarbeit im Management-Bereich Fuß zu fassen.

Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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