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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Junge Frau mit Mut zur Brücke

15.11.2017

Oldenburg 90 Jahre ist die Cäcilienbrücke in diesem Jahr alt, hat in den zurückliegenden Jahrzehnten viel erlebt, und doch gibt es auf ihre alten Tage noch eine Premiere. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte sitzt (fest angestellt) eine Frau im kleinen Häuschen auf der Brücke und bedient von dort aus im Schichtwechsel mit zwei weiteren Kollegen die Hebetechnik. Genau genommen ist Angela Boomgaarden seit vier Jahren dort im Einsatz.

An der Cäcilienbrücke hängt das Herz vieler Oldenburger, das spürt die 29-Jährige häufig. Immer wieder kommen Passanten zu ihr die Treppe hinauf ins Büro, um über die Brücke zu plauschen oder sich die Technik erklären zu lassen. Die ist recht simpel, weiß die gelernte Wasserbauerin.

In Emden ist sie zur Schule gegangen und hat dort ihr Handwerk beim Wasser- und Schifffahrtsamt Emden erlernt. Arbeit fand sie nach der Ausbildung zunächst bei der Hunte-Wasseracht in Oldenburg, wenige Monate später wechselte sie zum Wasser- und Schifffahrtsamt Oldenburg, wo die Brückenwärter-Stelle ausgeschrieben war.

Baudenkmal: die Cäcilienbrücke. BILD: Vanessa Plate

so geht’s mit der Cäcilienbrücke weiter

Die Planungen für den Ersatz der Brücke schreiten weiter voran. Der Entwurf für die Bereitstellung der Haushaltsmittel wurde bereits durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) genehmigt.

Derzeit erarbeiten mehrere Ingenieurbüros die detaillierte technische Planung für den Neubau der Brücke. Es ist vorgesehen, dass das WSA Bremen in 2018 den Planfeststellungsantrag (vergleichbar mit einem Antrag auf Baugenehmigung) stellen wird. Bis zum Ersatz der Brücke wird das WSA Bremen das Ziel verfolgen, die Brücke sicher zu betreiben.

Und seitdem sitzt sie von 5 bis 13 Uhr im Frühdienst oder von 13 bis 21 Uhr im Spätdienst auf der Brücke, sonntags von 8 bis 12 Uhr – wenn sie Dienst hat. Durchschnittlich 20 Mal pro Tag setzt sich die Hubbrücke in Bewegung, um Schiffe Richtung Stau beziehungsweise Schleuse durchzulassen. „Der Verkehr auf der Straße ist dabei eine echte Herausforderung, den muss man im Auge behalten“, erzählt Boomgaarden. „Rot ist für viele nicht gleich Rot“, berichtet sie weiter. Und wenn die Tore geschlossen und die Schiffe unter der gehobenen Brücke hindurchgefahren sind, stauen sich besonders morgens kurz vor Schulbeginn bis zu 300 Radfahrer, die sich dann, wenn sich die Tore öffnen, mit einem Mal in Bewegung setzen. Bewegende Momente – und das nicht nur im übertragenen Sinn. Auch wenn die schweren VWG-Busse über die Brücke fahren, vibriert das gesamte Bauwerk. Besonders stark gerät die Brücke in Schwingung, wenn dienstagabends in schöner Regelmäßigkeit eine Läufergruppe das Bauwerk passiert. „Da muss man quasi die Teetasse festhalten, damit sie nicht vom Tisch rutscht“, erzählt sie schmunzelnd.

Mit den Arbeitszeiten ist Angela Boomgaarden sehr zufrieden. Da bleibt vor Arbeitsbeginn beziehungsweise nach Feierabend viel Zeit für ihre Hunde. Der eine ist ein Boxer-/Australian-Shepherd-Mischling, der andere ein Laika-Mischling. Letzteren hat sie aus einer Tötungsstation in Russland gerettet. Beim Hundesportverein Oldenburg/Wildenloh betreibt sie aktiv Hundesport, ist Trainerin und nimmt Begleithundeprüfungen ab. Neben den Vierbeinern ist Heavy-Metal-Musik eine weitere Leidenschaft. Zu Konzerten fährt sie der harten Klänge wegen häufiger nach Hamburg oder Berlin. Bewegung verschafft sie sich zudem auf dem Fahrrad, mit dem sie von ihrem Wohnort Friedrichsfehn im benachbarten Ammerland zur Arbeit fährt.

Jeder Vorgang auf der Brücke muss von einem Schaltpult aus einzeln gesteuert werden. Das erfordert eine hohe Aufmerksamkeit. Dass die Brücke bald abgerissen werden muss, weiß sie. Um ihren Job macht sie sich allerdings keine Sorgen, weil auch der Neubau durch einen Menschen vor Ort betrieben werden soll. Die Verkehrslage ist einfach zu unübersichtlich, um die Brücke mittels Kameraüberwachung von Bremen aus zu steuern.