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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Computerprofi geht Oldenburg ins Netz

07.10.2015

Oldenburg Hätte, wäre, könnte: Da ist diese kleine Farm mit einem Gatter für Pferde, Platz für Kühe – und große Träume. Mittendrin ein leeres Haus. Hier wollte er bleiben, Bäume pflanzen, Kinder großziehen. In einem anderen Leben wäre Zama Syed ein indischer Bauer geworden. Kein deutscher Computerfachmann.

Schuld an allem ist die Liebe. Irgendwie. In Oldenburg nämlich hat sich der Inder auf den ersten Blick verguckt. Über ein Jahrzehnt ist das her. Damals war der passionierte Cricketspieler zu einem Freundschaftsmatch in der Stadt, die so anders war als Halle an der Saale, wo er als Informatiker arbeitete. „All das Grün, die vielen kleinen Häuschen mit Wald drumherum.“ Zama Syed lächelt verzückt, erzählt vom Osten Deutschlands, wo ihm mit Anfang 20 eine Karriere in Aussicht stand, von der Metropole Bangalore als Ort seiner Kindheit und Jugend. „Das Silicon Valley Asiens.“ Voller Wolkenkratzer und IT-Büros, total hässlich, kaum Luft zum Atmen“, sagt er.

Als kleiner Junge habe er Farmer werden wollen und ist dann doch an die Uni gegangen, um Informatik zu studieren. Landluft wollte er anschließend im australischen Outback schnuppern. Erstmal aber europäische Kultur atmen, fand sein weltoffener Vater. Als guter Sohn und noch besserer Informatiker landete Zama Syed 2001 somit bei einer Computerfirma in Sachsen-Anhalt. Gefunkt hat es hier erstmal nicht. Erst als eine junge Deutsche den Weg des Inders kreuzte, entschied er sich, diesen fortan mit ihr in der neuen Heimat namens Oldenburg zu gehen. Vorerst. „Wir wollten zusammen auswandern. Zurück nach Indien.

Das war auch ihr Traum“, sagt Zama Syed. Nachdem die drei Kinder geboren waren, hat der junge Papa ein Grundstück nahe Bangalore im südlichen Landesteil gekauft. Hier wollte der Informatiker alt werden. Als Bauer. Weil Viehhaltung tierisch viel kostet, musste er noch ein bisschen Geld mit Computern verdienen. Welch ein Glück, dass im hübschen Oldenburg ein Korrespondentenposten für die indische Tochterfirma eines IT-Büros vakant war. Dem ländlichen Nestbau stand also nichts mehr im Weg.

„Beruflich war alles perfekt – privat nicht.“ Zama Syed lächelt traurig. Als seine Ehe am Ende war und die Mutter seiner Kinder zurück nach Deutschland ging, konnte er nicht in Indien bleiben. Seine Kinder will der 35-Jährige aufwachsen sehen. Wieder hat Zama Syed seine Koffer gepackt. „Am Boden zerschmettert“, sagt er. Sein gebrochenes Herz flickt er nun seit fünf Jahren bei seiner Liebe auf den ersten Blick – in Oldenburg – zusammen, wo es Moscheen gibt, in denen er Glaubensbrüder trifft, der Islamische Kulturverein ihn zum 2. Vorsitzenden gewählt hat und die Leute im Wald freundlich „Moin“ sagen.

„Hier bleibe ich jetzt“, hat er beschlossen. Trotz Heimweh: „Fast jeden Tag.“ Vor allem nach den Eltern, die er jährlich mit deutscher Schokolade, einmal auch mit Schwarzwälder Kirschtorte im Gepäck besucht. Bei der Rückreise ist sein Koffer gefüllt mit Gewürzen. „Selbstgemacht. Von Mama. Sowas gibt’s hier nicht.“ Geschmack hat der Inder dennoch am bundesrepublikanischen Dasein gefunden: „Ich träume und fühle mich deutsch – auch wenn ich in Bangalore bin.“

Ein Teil von Zama Syed lebt noch immer dort: Die kleine Farm mit einem Gatter für Pferde und Platz für Kühe hat er behalten. Samt leerem Haus und stillen Wünschen: Hätte, wäre, könnte. In einem anderen Leben. Vielleicht.

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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