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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Der endgültige Abschied von der AEG in Oldenburg

08.07.2016

Oldenburg Für Alfred von Daak ist der lange Abschied von der Oldenburger Kleinmotorenfabrikation noch immer präsent. Die vielen Eignerwechsel. Die vielen Ideen für neue Produkte aus der Belegschaft, die Geschäftsführer und Konzernlenker vom Tisch wischten. Die Kündigungswellen und das Aus für den einst bedeutendsten Industriebetrieb der Stadt. „Ich bin seit achteinhalb Jahren raus“, sagt der langjährige Betriebsratsvorsitzende des Kleinmotorenwerks in Kreyenbrück. „Aber es ist alles da – und extrem schmerzhaft.“

„Alles zerfällt“

Heute fährt er nur noch selten durch die Straße Alter Postweg, an der die Hallen stehen, die einst mehrere tausend Beschäftigte beherbergten. Das Bild sei zu traurig. „Alles zerfällt, keiner kümmert sich. Metalldiebe haben sich bedient“, sagt von Daak.

Bald werden auch die Hallen Geschichte sein. „Wir haben die Abrissarbeiten ausgeschrieben“, sagte Stadtsprecher Reinhard Schenke auf Anfrage der NWZ . Im vorderen Teil des Geländes will die GSG einen Neubau mit 20 Appartements, einer Tagespflegestation, eine Wohngemeinschaft für Demenzpatienten mit zwölf Plätzen und knapp 30 Wohnungen bauen – und auch mehrere soziale Einrichtungen sollen dort Platz finden (NWZ berichtete).

Auf dem ungleich größeren Areal entlang des Alten Postweges plant die Stadt, die das Grundstück aus der Insolvenzmasse des letzten Werkeigners, der italienischen „Sole“-Gruppe gekauft hat, einen Standort für Unternehmen aus der Medizintechnik und Forschungseinrichtungen. Alles im Zusammenhang mit den Kliniken und der European Medical School. „Wenn da etwas Vernünftiges entsteht, würde es mich freuen“, sagt von Daak.

Technisch weit vorn waren sie im Kleinmotorenwerk schon immer. Von Daak ist sicher: „Wenn die Konzerne gewollt hätten, wäre die Produktion noch im Gang.“ Rund 60 Millionen Waschmaschinenmotoren wurden hier gebaut. Zunächst ab 1947 als Teil des AEG-Konzerns, dann ab 1990 bei Electrolux. Der Konzern stößt 2002 das Werk an die Sole-Gruppe (heute ACC) ab. Gleichzeitig kauft ACC Werke in Pordenone (Italien) und Bercel (Ungarn), die mit Oldenburg Europas führenden Lieferanten von Motoren für Hausgeräte bilden.

Werk ist Geschichte

2009 wird die Produktion verlagert, die Waschmaschinenmotoren-Fertigung in Oldenburg eingestellt. Die Maschinen werden demontiert, gehen nach Ungarn und China. Drei Jahre lang fertigen die letzten 50 Mitarbeiter noch Ölbrennermotoren, dann geht auch die Konzernmutter in Insolvenz.

Seitdem ist das einst größte Industriewerk Oldenburgs Geschichte. Von Daak kämpfte immer in erster Reihe für den Erhalt; auch mit neuen Ideen für Fertigungsprozesse, leisere Motoren. Selbst die Idee, Fahrräder mit Elektromotoren zu versehen, „hatten wir damals schon entwickelt“. Das alles wollte der Konzern nicht; stattdessen wurde die Strategie verfolgt, die Fertigung in Billiglohnländer zu verlegen. Das ging nicht auf; ACC Germany war 2013 Geschichte.

Und die ehemaligen Mitarbeiter? Von Daak seufzt: „Viele haben heute Minijobs oder sind in Rente.“ Fachkräfte wie Elektriker und Schlosser hätten im Handwerk Arbeit gefunden, „aber da wird natürlich nicht so viel verdient wie in der Industrie“.

Von Daak hört oft, dass Oldenburg sich als Dienstleistungsstandort blendend entwickle, sieht aber das Fehlen der Industrie als Schwachpunkt: „Wenn keine Produkte gefertigt werden – wo wird dann das Geld für die Dienstleistungen verdient?“

„Viele Probleme“

Auch der ehemalige Leiter der AEG-Elektromotorenwerke, Horst Lütge, ist vom endgültigen „Aus“ nicht unberührt. Der Bloherfelder war von 1967 bis 1990 im AEG-Werk zuständig für Vertrieb und Leitung. Auch Lütge hat eine Meinung zum Niedergang des Werkes: „Die Herstellung von kompletten Geräten in einer Hand – besonders im Hausgerätebereich – hat den Zulieferern von Komponenten wie dem Motorenwerk Oldenburg nach und nach Probleme bereitet.“

Im Nachhinein erscheine es unsinnig, „dass der Hersteller des kompletten Geräts und der Zulieferer des entsprechenden Motors aus demselben Konzern um Preise und Zulieferung mit Wettbewerbern feilschen.“ Eine rechtzeitige entsprechende Integration der bestehenden Werke wäre „schon zu meine Zeit eine Konzern-Angelegenheit gewesen. Aber später ist man natürlich immer schlauer“.

Die AEG Oldenburg sei zu seiner Zeit der weltweit größte Hersteller von Ölbrenner-Motoren gewesen – der zweite Schwerpunkt des Werkes.

Lütge dazu: „Der technische Trend ist in den letzten Jahren in eine völlig andere Richtung – zum Gas hin – gegangen. Was man als Kompensation für diesen großen Bereich hätte sonst produzieren können, das ist eine Frage an die Geschäftsleitungen nach meiner Zeit.“

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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