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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Durch die Nacht mit Oldenburgs Räumdienst

09.01.2017

Oldenburg Keine 48 Stunden nach dem plötzlichen „Wintereinbruch“ in Oldenburg deutet bis auf ein paar parat stehende Besen an Hofeinfahrten hier wie dort nichts mehr auf Schnee und Eisregen hin. Das, was da am Freitagmorgen noch als „dunkelrote Warnung“ für ein schneeweißes Oldenburg angekündigt worden war, blieb am Samstagmorgen letztlich nur ein Streifschuss. Eiseskälte, Glätte, Niederschlag en masse? Das zog großteils gen Süden ab.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) hatte aufgrund der Vorwarnung vom Wetterdienst aus Berlin und wegen des eigenen Bauchgefühls angesichts von vielversprechenden Radarbildern dennoch hochgerüstet: Dienstbeginn für die orangefarbene Flotte um 5 Uhr, alle Mitarbeiter Besen bei Fuß! Und dann warteten sie auf das, was da so einfach nicht kommen mochte.

In Osternburg hatte Torsten von Varel (Abteilungsleiter AWB) am Samstagmorgen um kurz vor vier Uhr nichts als asphaltgraue Straßen gesehen. Und auch Einsatzleiter Stefan Dierkes, im nördlicheren Ofenerdiek, konnte nach erster grober „Sichtkontrolle“ ebenfalls nur Flaute vermelden. Was also tun? Alle Kollegen aus ihrem verdienten Wochenende für Nichts und wieder Nichts heranbestellen?

Ja! Denn auch wenn das „Schneezentrum“ laut Radar zwischenzeitlich abgedriftet war, rückte zumindest ein bisschen Winter weiter heran. „Spätestens um 6 Uhr kommt da was“, so von Varel.

Um 4.12 Uhr will er schließlich das erste Schneeflöckchen gesehen haben, wird er um 4.30 Uhr – dann schon auf dem AWB-Gelände an der Wehdestraße – beschwören. Dort also, wo nach und nach auch die Kollegen des Winterdienstes eintreffen. „Selbst wenn viele Oldenburger sagen werden: Mensch, sind die dämlich – die ganze Meute zum Streuen und Räumen rausschicken?“, meint er, „aber wir werden zur Sicherheit eine Vorsorgestreuung vornehmen.“ Und siehe da: Um 4.38 Uhr schickt dann auch der Deutsche Wetterdienst eine Amtliche Warnung raus – Neuschnee und Eisregen aus Nordwest. Alles richtig gemacht also.

Am Lappan geht’s los

Um kurz vor fünf stehen alle Herren in orangefarbener Vollmontur auf der Matte. Morgenmuffel? Unausgeschlafenes Gejammer? Von wegen! Die Stimmung ist bestens, man beliebt zu scherzen: „In Westerstede ist schon Winter“, ruft einer. „Sandkrug hat kein Wetter, da is’ immer Regen“, sagt ein anderer und zieht rasch noch einen heißen Kaffee aus dem Automaten. Weil sich ein weiterer Kollege krank gemeldet hat, wird umso kurzfristiger umdisponiert, Strecken werden getauscht und Fahrpläne verteilt. Dann geht’s raus auf die Straßen, 60 Mann werden im Verlauf des Morgens und Vormittags unterwegs sein.

René Kraml ist einer von jenen, die um 5 Uhr mächtig Wirbel machen. In seinem kleinen Streuwagen – tatsächlich einer von drei „City Sprayern“, die vorne bürsten und hinten ein Sole-Gemisch auf den Belag sprühen – fährt er die Innenstadtrunde. Radwege, Fußgängerzone, Ampelübergänge. Zweieinhalb Stunden hat er dafür eingeplant, 1000 Liter Sole überdies.

Los geht die Tour am Lappan – einem der neuralgischsten Punkte auf seiner langen Fahrt. „Ganz gefährlich“, sagt er, „weil der Wind so stark darüber zieht“. Da wird’s beizeiten schon mal richtig glatt. In der Innenstadt selbst ist’s wegen der engen Bebauung etwas wärmer und geschützter. Der Schnee fällt dort aber trotzdem. Immer mehr, immer langsamer. „Klar, schaut man am Abend vorher ständig auf seine Wetterapp“, sagt er. Aber „nur, weil man hofft, dass da doch nichts kommt“. Überhaupt sei der 37-Jährige ja eher ein Sommertyp. Aber es nutzt ja nix.

Viele junge Leute kommen ihm mehr oder minder aufrecht aus Clubs und Kneipen entgegen. Manche zu zweit, einige ganz allein. Nur im T-Shirt oder dick eingepackt. Taxifahrer, auch Securityleute mischen sich darunter. Sie alle dürften sich gleich ins heimische Bett begeben. Dorthin, wo der Rest der Stadt noch schlummern mag. Kraml mag diese Zeit dazwischen. Hier könne er in Ruhe seinen Job machen – und die Stadt ein kleines bisschen sicherer.

Haarenstraße, Burgstraße, Julius-Mosen-Platz. Unter anderem. Das Programm ist voll und zeitlich recht eng. Notgedrungen. „Manche Bürger erwarten, dass alle Straßen überall um 5.20 Uhr geräumt sind, damit sie fahren können – aber das ist für uns ja gar nicht zu schaffen“, sagt er, als er an einer Ampel auf die freie Weiterfahrt wartet. Mit 8 bis 10 km/h geht es durch die City. Das ist etwas mehr als Schritttempo, dennoch hält ihn manch angetrunkener Frühzeitgenosse für einen Raser. So unterschiedlich können im Dunkeln die Empfindungen sein. Als der Schneefall um halb sieben pausiert, mag Kraml noch nicht aufs Winterende vertrauen. Und selbst wenn kein Flöckchen mehr zu sehen wäre, bliebe da immer noch die Gefahr der Eisesglätte. Also wird weiter gestreut und gesprüht. Für den guten Zweck, für mehr Sicherheit, für Oldenburg.

Um kurz nach halb acht ist auch Kramls Einsatz – manche Kollegen in den acht Großstreuern haben ihre Fahrzeuge da bereits zurück gebracht, bleiben aber bis 20 Uhr in Bereitschaft – vorerst beendet. Der Sole-Tank ist leer, die Straßen allesamt nach Plan abgefahren. Zurück an der Wehdestraße und mit Blick auf die prognostizierten milderen Gradzahlen der nächsten Tage scheint da aber doch ein klitzekleines bisschen Frust in seiner Stimme hörbar: „Da macht und tut man alles, damit die Straßen sicher sind – und dann taut der Schnee wegen steigender Temperaturen plötzlich wieder von ganz alleine weg“, sagt er. Recht hat er ja, irgendwie. Dieses Winterwetter ist nun so gar nicht kooperativ.

Auch nicht am Samstagnachmittag, als Eisregen und AWB-Mitarbeiter wiederkommen. Doch auch diese Runde geht an die Männer in Orange, was ganz Oldenburg erfreuen sollte. Denn der nächste Winter kommt bestimmt.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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