• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

dm-Chef Werner referiert in Oldenburg: „Grundeinkommen nimmt die Angst“

22.04.2012
NWZonline.de NWZonline 2015-07-24T14:37:15Z 280 158

Ethik:
dm-Chef Werner referiert in Oldenburg: „Grundeinkommen nimmt die Angst“

OLDENBURG Freitagabend, 18.15 Uhr, Seminarraum 5 des PFL: Götz Werner, Chef der Drogeriekette „dm“ und Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens, kommt gleich zur Sache: „Dass wir beide hier jetzt sitzen, ist eine Frage des Zutrauens“, sagt er dem Reporter. Niemand habe uns gezwungen. Druck sei nicht nötig gewesen.

Damit sind wir mitten im Thema. Werner sieht das Grundeinkommen als Werkzeug, das dem Menschen Räume öffnet, und ihm etwas zutraut: Aus der Freiheit, nichts tun zu müssen, die Folgerung abzuleiten, viel tun zu dürfen. Ganz ohne Angst und Druck. Voraussetzung, so sagt der 68-Jährige, sei eine Wende im Denken: Lohn sorge nicht dafür, dass man miteinander quitt sei, Lohn ermögliche Freiraum. Das gelte auch für Unternehmen – auch seines. „Der Mensch darf nie Mittel sein, er muss Zweck sein. Alles, was wir tun, ist menschenorientiert“, sagt Werner. Wer so denkt, der gebe Lohn – oder ein Grundeinkommen – als Vertrauensvorschuss. Das habe mit der Frage zu tun, welches Menschenbild man habe: „Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“, zitiert er Freiherr vom Stein.

Ein Filialunternehmen wie seines könne nur erfolgreich sein, wenn es in jeder Zelle selbsttragend arbeite – und das funktioniere nur, wenn man Rahmenbedingungen für Kreativität schaffe und den Menschen nicht in ein Arbeits- und ein Kulturwesen teile: „Arbeit muss auch Sinn stiften“. Werner wird immer wieder mit Kritik konfrontiert: Das Grundeinkommen sei unbezahlbar. Doch die Entwicklung auf den Finanzmärkten und die Reaktion der Politik, die Rettungsschirme mit unvorstellbaren Summen schafft, „beweist, dass Geld nicht der Engpass ist“. Vielmehr müsse man fragen, ob genügend Güter und Dienstleistungen da sind, und das sei in unserem Land ja ganz offensichtlich kein Problem.

Der gebürtige Heidelberger greift für seine Argumentation weit zurück zum „freien Mann auf freier Scholle“, der sich selbst versorgte. „Davon sind wir weit entfernt, aber das Grundeinkommen ermöglicht freien Menschen die Versorgung mit Gütern.“ Wer argumentiere, dass dann niemand mehr arbeite, verkenne die Natur des Menschen. „Jeder sucht sinnstiftende Tätigkeit.“

Dass die Piraten die Idee übernommen haben, nimmt er philosophisch gelassen: „Ich verfolge keine politischen Ziele“, sagt er und zitiert Victor Hugo: „Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Dabei stützt er sich auf „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, wobei er letzteren Begriff mit „Geschwisterlichkeit“ in die Jetztzeit holt. „Das bedeutet, erläutert er, „dass ich jedem Menschen zubillige, dass er menschenwürdig leben kann.“ So könne der Mensch sinnlos gewordene Arbeit angstfrei aufgeben. Auch Chefs, die heute nur über Druck regieren, würden am Ende von ihrem negativen Menschenbild befreit, wenn sie auf der Basis von Zutrauen überzeugen lernten. „Das ist ein ethisches Ziel: Ohne Angst leben.“ Werner sprach im Rahmen der Zukunftstage. Das Programm

 @   http://www.oldenburger-zukunftstage.de

NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/tv