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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Landwirtschaft: Ein Gemüsehof mitten in der Stadt

14.08.2015

Oldenburg „Und hier“ – Andreas Osterloh zeigt auf einen grauen Acker, auf dem gelbliches Kraut Muster bildet – „hier haben wir am Sonntag acht Tonnen Kartoffeln geerntet.“ Im Norden rauschen Autos auf der Weißenmoor-straße, im Westen hört man Leben vom Scheideweg, und wo im Osten der Acker endet, beginnt das Landschaftsschutzgebiet Weißenmoor.

Wir sind mitten in der Stadt – und dennoch befinden wir uns auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. „Seit 1935 bewirtschaftet unsere Familie den Hof“, sagt Osterloh. Und die ist immer noch kräftig dabei: Zehn Männer und Frauen aus der Verwandtschaft klaubten am Sonntag die Kartoffeln auf. Per Hand. Zuvor aber war der Schlepper mit dem Roder im Einsatz. „Ein kleiner. Große Maschinen“, sagt Osterloh, „lohnen sich auf unseren Flächen nicht.“

So läuft vieles noch auf dem Hof, der mit vier Hektar (und eineinhalb in Großenmeer) für einen landwirtschaftlichen Betrieb den gängigen Regeln zufolge viel zu klein ist. Aber die Osterlohs können davon leben. Wie das? „Direktvermarktung“, sagt der 44-Jährige – „in unserem Hofladen und auf dem Wochenmarkt. Da sind die Margen höher, als wenn wir den Großhandel bedienen.“ Ein Kopf Salat bringe im Eigenverkauf 1,20 bis 1,50 Euro und nicht 20 Cent wie im Großhandel, rechnet der Landwirt vor.

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Im Hofladen bedient gerade Osterlohs Schwester Karin Thielebeule die Kunden und seine Frau Daniela schiebt mit Sohn Liam (14) eine Schubkarre voller frisch geernteter Dahlien in die Halle, wo schon Sonnenblumen und Astern strahlen. Zeitgleich kommt Andreas Osterloh mit Salatköpfen an – „kraus müssen sie sein“, sagt er. Den früher gängigen Kopfsalat mit glatten Blättern – den kauften nur noch wenige Ältere. Der Bauer muss mit der Zeit gehen.

Und Bewährtes beibehalten. „Mit Blumen und Gemüse hat der Hof seit Jahrzehnten überlebt“, sagt Osterloh stolz. Und mit Zukauf von Ware: Ganz allein mit Salat, Kartoffeln und Kräutern sowie Gurken und Tomaten aus den Gewächshäusern und Eiern von eigenen Hühnern lockt man keine Kunden; Pfirsiche, Äpfel, Bananen, um nur ein paar Beispiele zu nennen, liegen frisch in den Regalen. Zwiebeln, Zucchini, Zuckermais, dicke und grüne Bohnen hingegen locken wieder mit dem Schild „Eigene Ernte“, ebenso wie Kohlrabi und Radieschen, und wenn die Saison beginnt, Grünkohl. Alles in der Halle.

Oder im Verkaufswagen, der auf dem Pferdemarkt zum Einsatz kommt. Ein Riesending und „nicht billig“, wie Osterloh einräumt. Aber: Der neue Wagen kann auf dem Hof bestückt und dann mit dem großen Schlepper verkaufsbereit auf den Markt gezogen werden. „Das spart am Morgen eine Stunde“, berichtet der Hof-Chef. Aufstehen ist dann um 4.30 Uhr, nicht mehr um 3,30 Uhr. Seit den 60er- Jahren ist die Familie auf dem Pferdemarkt, vorher auf dem Schlossplatz. 80 Jahre Marktgeschichte. Mit Zukunft? „Ja“, sagt Daniela Osterloh. „Es wachsen jüngere Kunden nach – und viele genießen es, beim Einkauf ein paar Worte zu schnacken. Darauf verzichten kommt für viele nicht in Frage.“

Gegründet wurde der Hof von Andreas Osterlohs Großeltern, die 1935 eigentlich auswandern wollten und dafür den eigenen Hof in Altmoorhausen bei Hude zu Geld machten – um dann die Ländereien mit dem fruchtbaren Lehmboden in Ofenerdiek zu kaufen. „Warum? Ich weiß es nicht“, sagt Osterloh. Aber seitdem lebt die Familie vom Land und seinen Früchten – und tut das gern.

Gedüngt wird gern mit Kuhmist – „früher hatten wir auch Ponys“ – und Hasen aus dem Weißenmoor werden ganz profan mit Maschendrahtzaun von den Feldern ferngehalten. Als würden die Uhren etwas langsamer gehen. „Wir arbeiten von frühmorgens bis spät abends“, korrigiert Osterloh ein zu rosiges Bild. „Aber: Im Winter ist es ruhiger.“ Und offenbar ist das Leben auf dem Hof ein gutes: Sohn Liam möchte, zumindest Stand heute, den Hof später einmal von seinen Eltern übernehmen. So wie der gelernte Gärtner Andreas Osterloh es 2003 tat – und die sichere Anstellung bei der Stadt aufgab. „Ich“, sagt er, „habe das keinen Tag bereut.“

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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