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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Ein Idyll im Auftrag des Jobcenters

24.06.2016

Oldenburg Über den gepflasterten Vorplatz rollt ein frisch zusammengeschweißtes Hochrad. In der Holzwerkstatt wird an Stühlen und Tischen gezimmert. Ganz rechts fliegen die Funken; ein Teil für den neuen Metallspringbrunnen wird zurecht geflext. Hinter dem Haus grünt und blüht es: riesige Gemüsebeete, Gewächshäuser, Blumenrabatten, Bienenkörbe, ein Hühnerhaus. Mittendrin eine Gartenbank aus einer aufgeschnittenen Badewanne. Der Rohdenhof – ein Idyll mitten im Gewerbegebiet Tweelbäke. Ein Idyll?

Am Anfang nur Müll

Yasar Balkanci-von Häfen weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt: „Als wir“, erinnert sich der Rohdenhof-Projektleiter, „hier vor einem Jahr anfingen, stand das Unkraut mannshoch, die Räume waren total vermüllt.“ „Wir“ – das sind 53 Erwerbslose in wechselnder Teamzusammensetzung und die Teamleiter und Anleiter des Oldenburger Unternehmens „bbf Sustain“, die hier im Auftrag des Jobcenters Hartz-IV-Empfänger für eine Arbeitsaufnahme im ersten Arbeitsmarkt vorbereiten.

Torben Böhle, der „bbf Sustain“ mit Ulrich Folger als geschäftsführender Gesellschafter leitet: „Von Anfang an hatten wir einen Grundsatz: Die Frage ,Was machen wir?’ wird stets im Team beantwortet“. Gleich zu Beginn habe sich herausgestellt, „dass alle Teilnehmer extrem leidensfähig sind.“ Mit harter körperlicher Arbeit, vielen Ideen und den Tipps der top ausgebildeten Anleiter sei aus dem Rohdenhof das geworden, „was Sie jetzt sehen.“

Ein Beispiel ist die Fahrradwerkstatt. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt kauft das Projekt die nicht abgeholten Fundräder auf. „Wir kaufen sie im Paket“, erläutert Kurt Lehmann, „und dann schauen wir, was wir noch daraus machen können.“ Die reparierten Zweiräder gehen dann an Flüchtlinge oder Projektmitarbeiter. Inzwischen sind auch Lastenräder gebaut worden. „Verkaufen“, sagt Lehmann. „dürfen wir sie aber nicht.“

Gemüse und Obst

Auf den zuvor überwucherten Freiflächen des Hofes, der vier Jahre leer stand und zuvor eine Jugendwerkstatt beherbergte, sind akkurate Beete entstanden, Gemüse wächst dort, Kartoffeln und Obst, vor Rehen und Kaninchen durch Zäune geschützt.

,,Wir würden uns freuen, wenn wir aus dem selbst Angebauten gesunde Mittagessen kochen könnten, dann hätten wir eine Art Kreislaufwirtschaft“, sagt Ulrich Folger. Rund einen Hektar groß ist das Grundstück. Gerade haben Hühner den auf einem alten Fahrgestell komplett selbst gebauten Hühnerstall bezogen, Eier gäbe es also auch bald dazu. Und Honig auch. Einige Mitarbeiter haben sich dem Imkern angenähert. „Das bedeutet natürlich auch“, berichtete Projektleiter Balkanci-von Häfen, „dass hier sieben Tage die Woche gearbeitet wird.“

Carmen Giss, seit 1. April Chefin des Oldenburger Jobcenters, zeigte sich beeindruckt von dem Projekt. „Ich habe schon viel gesehen, aber so etwas noch nicht“, sagte sie. Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Irene Abeln-Schöning sah sie sich am Donnerstag alles genau an.

Große Motivation

„Was hier passiert“, sagte sie, „ist für uns von eklatanter Wichtigkeit.“ Die Arbeit auf dem Rohdenhof verleihe Erfolgserlebnisse: „Etwas, was unsere Kunden zum Teil ewig nicht erlebt haben.“ Das sei eine große Motivation. Das Projekt „Rohdenhof“ sei zunächst auf zwei Jahre angelegt, dann werde über eine mögliche Fortsetzung entschieden.

Neben allem Fortschritt ist bei dem Rundgang eines zu spüren: Hier auf dem Rohdenhof ist ein Team zusammengewachsen, es wird gescherzt, gemeinsam gegessen und hart angepackt.

„Ich darf noch ein halbes Jahr weitermachen“, berichtet ein Mitarbeiter der Jobcenter-Chefin stolz. Er trägt ein Rohdenhof-T-Shirt. Der Aufdruck: „Wir für uns“.

Das erklärt hier alles.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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