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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Eine Brücke mit langer Geschichte

13.02.2013

Oldenburg Für viele Oldenburger verkörpert die Cäcilienbrücke ein Stück Lebensqualität: Ist sie gehoben, bleibt die Zeit scheinbar stehe, gibt es Gelegenheit mit dem wartenden Nachbarn auf dem Fahrrad nebenan zu plauschen oder (neuzeitlich) auf dem Smartphone nach neuen Nachrichten zu forschen.

Die schlechte Nachricht: Die Brücke muss wohl abgerissen werden. Die gute: Der Neubau soll nach historischem Vorbild erfolgen. Eine grundlegende Sanierung kommt für das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremen offenbar nicht in Frage. Zu weit sind die Schäden fortgeschritten, haben drei vom WSA beauftragte Ingenieurbüros festgestellt.

„Der Bau ist abgängig“, fällte Bauingenieur Hans-Günther Schippke im Verkehrsausschuss am Montagabend ein vernichtendes Urteil über den Zustand der Cäcilienbrücke. Immer wieder sei es in den vergangenen Jahren zu betriebsbedingten Störungen gekommen, weil die Brücke beim Hebevorgang hängenblieb oder nicht mehr heruntergefahren werden konnte. Sie hatte sich verkeilt zwischen den vier Türmen, die sich in den vergangenen 30 Jahren drei Zentimeter aufeinander zubewegt hatten.

Mit fatalen Folgen für den Mechanismus, in dem Zahnräder aufeinander abgestimmt ineinander greifen müssen. Zuletzt war im Sommer des Jahres 2009 eine größere Reparatur fällig, weil eines der großen Zahnräder auf einer ausgeschlagenen Welle lief und bereits tiefe Spuren in der Antriebsstange hinterlassen hatte (die NWZ  berichtete). Nur durch das beherzte Eingreifen des Brückwärters wurde damals verhindert, dass sich die Brücke irreparabel zwischen den Türmen verkantete. „Die vier Zahnräder müssen gleich arbeiten, die Türme in identischer Position sein“, beschrieb Schippke die Voraussetzungen für einen im wahrsten Wortsinn reibungslosen Betrieb. In den zurückliegenden Jahren seien Ziegelsteine des Bauwerks abgeschliffen worden, damit die Brücke noch zwischen den Türmen hindurchpasste. Die Möglichkeiten seien nun erschöpft, ein Materialabtrag ohne Eingriffe in tragende Teile nicht mehr möglich. Das WSA sieht dringenden Handlungsbedarf, um den Betrieb und die Funktion des Bauwerks aufrechtzuerhalten. Größtes Problem bei einer Sanierung: Die verrotteten Stahlgerüste in den Türmen können nicht saniert werden, weil man nach Auskunft der Baufachleute nicht an sie herankommt ohne das Mauerwerk abzutragen. In jedem der vier Türme befindet sich ein 60 Tonnen schweres Gegengewicht, mit deren Hilfe die Brücke hochgezogen wird. „Jeder Turm steht auf rund 70 sieben bis zehn Meter langen Holzstämmen, deren Zustand sich nur erahnen lässt“, hatte Rüdiger Oltmanns, Sachbereichsleiter Bau und Unterhaltung zuvor im Ausschuss erklärt.

Die Urteile der Ingenieurbüros sind vernichtend.  Mauerwerkstürme (Ingenieurberatung Bröggelhoff: „Eine Instandsetzung ist technisch nicht möglich, da die Ursachen für die Schäden nicht beseitigt werden können. Nur ein vollständiger Rückbau der Türme mit anschließendem Wiederaufbau in Stahlbetonweise kommt in Betracht.“

 Gründung ( Ingenieurgesellschaft IMS): „Eine Instandsetzung wird als nicht zielführend erachtet, da gegenüber eines Ersatzneubaus ein hohes Ausführungs- und Kostenrisiko besteht. Deshalb die Empfehlung für einen Ersatzneubau.“

 Antriebstechnik (Dr. Schippke und Partner): „Eine Instandsetzung ist aufgrund der heutigen Anforderungen an einen sicheren Betrieb nicht ausreichend und erfordert gleichzeitig eine Instandsetzung der Gründung und Türme.“

Einziger Trost: Ingenieurbüros und das WSA favorisieren einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau – die Zeit zum Klönen vor der hochgefahrenen Brücke bleibt den Oldenburgern.


Bilder:   www.nwzonline.de 
NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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