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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Jäger erlegen in Oldenburg 3119 Tiere

31.12.2015

Oldenburg Halali und juja juja! Damit können Sie nichts anfangen? Kein Problem. Zumindest 300 Oldenburger wissen, was dies bedeutet: Sie bilden die Jägerschaft der Stadt und kümmern sich um die hiesigen Wildbestände.

Das beinhaltet Pflege und Hege in sämtlichen Variationen – und damit auch den ein oder anderen Abschuss eines Tieres. Derer 3119 waren es im vergangenen Jagdjahr. Dieses weicht vom Kalenderjahr ab und umfasst den Zeitraum vom 1. April bis zum 31. März des Folgejahres, hier also bis zum Frühjahr 2015.

Für den langjährigen Kreisjägermeister Ferdinand Wehage sind diese Zahlen ein Beleg der sorgfältigen Hege. Sie zeigten, dass nicht nur ein artenreicher Wildbestand geschaffen werde. Diese Abschüsse verhinderten auch einen weiteren Rückgang des Bestandes von Kiebitz, Uferschnepfe, Brachvogel und anderen in den Bornhorster Huntewiesen. „Das von der Jägerschaft in Abstimmung mit dem Umweltministerium in Hannover seit zwei Jahren betriebene Prädatorenprojekt zeigt erste Erfolge“, sagt er. Prädatoren – das sind Räuber, die sich von anderen Tieren ernähren.

Gegen die Nesträuber

Es mag grundsätzlich nicht verkehrt sein, wenn die Natur sich selbst überlassen bleibt. Wenn aber so genannte Neozoen – also Einwanderer, die nicht aus diesen Breitengeraden stammen und bewusst ausgesetzt oder aus Tierfarmen und Terrarien geflüchtet sind – die Artenvielfalt bedrohen statt sie zu bereichern, dann greifen die Jägersleut’ durch. Waschbär und Marderhunde sind Nesträuber. Und dann sind da noch Nutrias, die die Deiche unterwandern und daher scharf bejagt werden müssen. Insbesondere im Stadtnorden.

Weitere Zahlen und Fakten zu den Jägern in Oldenburg

13 Jagdbezirke gibt es in Oldenburg – mit bejagbaren Flächen von 200 bis 600 Hektar. Hinzu kommen zwei Eigenjagdbezirke, in denen der Grundeigentümer selbst einen Jagdschein besitzt. In beiden letzteren wurden insgesamt sechs Füchse, elf Ringeltauben, drei Stockenten und 41 Rabenkrähen geschossen.

550 Jagdscheine werden pro Jahr in Oldenburg gelöst – obwohl die hiesige Jägerschaft selbst deutlich kleiner ist. Viele Jagdscheininhaber wohnen zwar in Oldenburg, jagen aber außerhalb der Stadt und sind entsprechend ihrer Reviere Mitglied dortiger Jägerschaften.

2 Dachse wurden im zurückliegenden Jagdjahr geschossen. Diese Raubsäuger haben sich deutschlandweit stark vermehrt – spielen aber in der Stadt kaum eine Rolle.

Federwild gehört nun bis auf Enten und Fasanen vielleicht nicht unbedingt zu jenen Arten, die in der Gesellschaft als besonders stark gejagte Tiere gelten. Doch gerade sie sind es, die die Gesamtzahl geschossenen Wilds enorm in die Höhe treiben. Und das hat Gründe. 185 Stockenten (Vorjahr: 209), 136 Fasanen (141), 107 Elstern (148), 34 Silbermöwen (46), 32 Graugänse (33), 12 Waldschnepfen (26) und 2 Mäusebussarde (0) zählt die Statistik in den 13 Revieren.

Besonders ins Auge fallen die 866 geschossenen Ringeltauben (Vorjahr: 1011) und 1142 Rabenkrähen (798). Letztere seien „große Nesträuber, die eine Gefährdung unserer Wiesenbrutvögel darstellen“, so Wehage.

„Außerdem haben wir den vielfachen Wünschen aus der Bevölkerung Rechnung getragen, die Rabenkrähe verstärkt infolge der morgendlichen Lärmbelästigung zu bejagen.“ Die schöneren Stimmen von Singvögeln würden indes immer mehr verschwinden – „insbesondere von älteren Mitbürgern sind wir daher gebeten worden, die Rabenkrähen und Elstern verstärkt zu bejagen, weil diese in ihren Gärten die Singvogelnester ausräubern“, sagt er.

Die hohe Zahl der geschossenen Wildtauben indes sei dem Umstand geschuldet, „dass diese im Stadtsüden erhebliche Schäden in den Getreidefeldern und in den Gemüseanbaugebieten anrichten“, auch suchten diese gehäuft Reitställe auf, „um sich an dem Futter der Pferde gütlich zu tun“, so der Kreisjägermeister, „dabei kommt es dann zu einer Verkotung des Futters“.

Trotz der Schwankungen und mancher Ausreißer nach oben wie nach unten bleiben die Abschusszahlen kontinuierlich. Das gilt nicht nur fürs Feder-, sondern auch fürs Haarwild. 243 Feldhasen (Vorjahr 231), 109 Wildkaninchen (129), 66 Füchse (49), 44 Steinmader (43), 7 Baummarder (11), 10 Iltisse (8) und 22 Hermeline (10) waren’s im vergangenen Jagdjahr.

Weit unter dem abgestimmten Drei-Jahres-Soll liegen die Jäger indes beim Rehwild. 378 Oldenburger Tiere (Böcke und weibliches Rehwild gesamt) sollen es bis zum Jagdjahr 2016/17 sein, 100 wurden bislang geschossen – etwas mehr als ein Viertel. Noch weiter darunter liegen sie bei den Jungtieren.

Eine Forsthaus-Falkenau-Idylle gibt es nicht. Das Jäger-Dasein sei echte Arbeit, vor allem dann, wenn die Artenvielfalt gefährdet ist. Das hat mit dem jovialen „Lustig ist die Jägerei!“ im Liedgut vom „Jäger aus Kurpfalz“ nicht mehr viel zu tun. Schließlich müssen sie verendete Wildtiere von der Straße „kratzen“, sich „Jäger sind Mörder“-Vorwürfen erwehren und haben ab und an auch mal mit Jagdvandalismus zu kämpfen.

Verbundenheit

Dies alles hält sich jedoch in Grenzen – das Verhältnis zur Bevölkerung ist ein gutes, wie Wehage betont. „Was auch daran liegt, dass unsere Jäger das Gespräch mit den Bürgern suchen und nicht stur auf ihren Rechten beharren.“ Mit der Polizei arbeite man eng zusammen, wildernde Katzen würden schon seit Jahren nicht mehr erlegt, „auch wenn diese sich weit ab von der nächsten Behausung aufhalten“.

Und nicht zuletzt sei die jährlich in der Ohmsteder Kirche stattfindende Hubertusmesse „ein Zeichen der Verbundenheit“ von Bürgern und Jägern. Und das ist dann ja doch ein „Juja, juja!“ wert.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

Weitere Nachrichten:

Jägerschaft | Polizei Oldenburg

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