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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Feuer beendet Tanzspaß in der Disco „Renaissance“

02.08.2016

Oldenburg Es war ein düsterer Mittwoch: Dicker, schwarz-gelber Qualm zog am 6. August 1991 durch die vordere Alexanderstraße und die engen Gassen an der Nelkenstraße. Eine Rauchwolke stand über dem Quartier, war in ganz Oldenburg zu sehen. Sie kündete von dem größten Feuer, das die Stadt seit vielen Jahren heimgesucht hatte: Der hintere Teil der Diskothek „Renaissance“ stand in Flammen. Hunderte Schaulustige waren dabei, als der ehemalige Tanzsaal zerstört wurde und ein Schaden von etwa einer halben Million D-Mark entstand.

25 Jahre ist das Unglück nun her, das durch Arbeiten mit offenem Feuer im Dachbereich ausgelöst worden war. Knapp vier Stunden lang kämpften die Besatzungen von neun Löschzügen gegen das Ausbreiten des Brandes, waren die Straßen der Umgebung gesperrt. Die Aufregung, die herrschte, als gegen 15.30 Uhr der Dachstuhl des Gebäudes einstürzte, ist längst vergessen. Inzwischen steht auf der Fläche ein Hotel – doch die Geschichte des Grundstücks Alexanderstraße 1-5 lebt weiter.

Das „Renaissance“ war nämlich nur die letzte Seite in der über 200-jährigen Historie des Ortes. Bebaut worden war die Fläche bereits vor 1794, als der Weg davor noch „Bauerschaft vor dem Heiligengeisthore Nr. 34“ hieß. Gastronomie zog erst später hier ein, in den mittleren 1820er Jahren.

Bei der einfachen Gaststätte sollte es aber nicht bleiben. Schon 1883 richtete hier Adolf Hinrich Doodt das schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannte „Doodts Etablissement“ ein. Seine Idee: keine schummrige Kneipe mehr, dafür ein großzügiges Veranstaltungshaus, sogar mit Kaffeegarten. Die Nachfolger verfeinerten dieses Konzept: Der seit Anfang des 20. Jahrhunderts als „Janßens Edentheater“ firmierende Gastro-Betrieb warb für sich als „größtes Vergnügungs-Etablissement am Platze“ mit ständigem Kabarett. Und der mysteriös dekorierte Grottensaal sorgte bis etwa 1930 bei den Gästen für wohlige Schauer.

Nicht nur deshalb: Die Gastronomie an der vorderen Alexanderstraße entwickelte sich zum Wirtschaftsfaktor. 1922 hatte Pächter August Oetken das Haus in „Astoria – Oldenburger Ball- und Konzerthaus“ umgetauft und damit in fünf Worten die Ausrichtung der nächsten Jahrzehnte vorgegeben. Der Betrieb entwickelte sich zum größten Veranstaltungszentrum der Stadt – bis dieser Titel 1954 an die neue Weser-Ems-Halle ging. Was die Aktivitäten im „Astoria“, das auch „Metropol-Theater“ genannt wurde, nicht schmälerte: Operettenabende und Boxkämpfe, Parteikongresse und Tanzvergnügen, alles ging in diesem Haus.

Nach dem 2. Weltkrieg drehte das „Astoria“ weiter auf. Luzie und Walter Gallo pachteten ab 1958 die Gebäudezeile und bauten kräftig um. Aus dem großen Saal wurde das „Zillertal“ (erstmals mit Catchturnieren), der kleine Saal zur „Maxim-Bar“ (mit dem ersten Striptease in Oldenburg), und mit dem „Gambrinus“ kam noch ein Restaurant-Teil hinzu sowie mit dem „Rauchfang“ ein Nachtlokal.

Und die „Astoria“-Betriebe hatten das Glück, Kulturgeschichte mitzuschreiben. Die beginnende Musikszene mit Rock’n’Roll und Beat fand hier ihren Treffpunkt. Der „Jugend-Tanzclub“ und die ersten Auftritte von lokalen Beatbands wie Stingrays oder Midnights lockten die Teenager an.

1977 zogen sich die Gallos aufs Altenteil zurück, sie hinterließen einen überregional bekannten Vergnügungsort für Menschen jeden Alters. Das änderte sich nun gründlich: Nach monatelangem Stillstand fand die Bavaria-Brauerei als Inhaber des Hauses in Wilfried Hohnholt und Rüdiger Mammen zwei junge Leute, die ein Konzept für junge Leute verfolgten: Eine Großdiskothek sollte es sein mit mehreren Gastroteilen unter einem Dach, mit Livemusik und einer ausgefallenen Lasershow. Am 19. September 1979 brach im „Renaissance“ erstmals das Discofieber aus.

Es begann ein ebenso lautstarkes wie erfolgreiches Unternehmen. Gefühlt die gesamte Oldenburger Jugend der 1980er Jahre – in diesem Fall Leute zwischen 18 und 50 – wurde mindestens einmal durch den Eingang ums Eck geschleust, mit Verzehrkarte versehen und dann in den großen Saal, auf die hohe Galerie oder in den Biersalon entlassen. 1980 sah man dort sogar etliche der damaligen Zweitliga-Fußballer des VfB nach Auswärtsspielen sich nächstens noch erfrischen.

Auch andere Prominenz kam gern: Rockstars wie Eric Burdon, John Mayall, Anne Clark, Klaus Doldinger oder Dr. Feelgood gaben Konzerte, bekannte Discjockeys legten die neueste „progressive“ Musik auf – es war angesagt, die „Rinne“ zu besuchen (und später auf einen Schlummertrunk nach nebenan in den „Rauchfang“ zu wechseln).

Ab Ende 1983 hatte das „Renaissance“ dann neue Besitzer, die die Diskothek auch neuen Besuchergruppen schmackhaft machen wollten. Das gelang indes nur anfangs, gegen Ende der 80er Jahre hatte das „Konzept Disco“ in der bisherigen Form überlebt. Immer größer, immer neuer, immer lauter lautete das Motto. Das „Renaissance“, das zuletzt noch als „Central Park“ verlorenen Boden gutzumachen versuchte, hatte da keine Chance.

Den Rest besorgte das Feuer am Nachmittag des 6. August 1991.

Klaus Fricke
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