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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Jetzt kommt Al-Hays Kartoffeldöner in die Wurst

23.04.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-04-24T13:25:02Z 280 158

Koop Mit Stadtfleischerei Bartsch:
Jetzt kommt Al-Hays Kartoffeldöner in die Wurst

Oldenburg Es war ein Tag im März, als Kartoffeldöner-Erfinder Hani Al-Hay auf Oldenburgs Straßen unterwegs war. Niedergeschlagen. Trotz großen Medieninteresses war er mit der Vermarktung seiner Ideen nicht vorangekommen. Auch für seine Kartoffeldöner-Bratwurst fand sich kein Interessent. Da fiel ihm am Hochheider Weg die Stadtfleischerei Bartsch ins Auge. „Ich bin bestimmt zehn Mal vor dem Laden hin- und hergefahren und hab mich nicht reingetraut. Noch eine Niederlage – das hätte ich nicht verkraftet.“ Am Ende rang er sich doch durch.

Und stand vor Martin Bartsch. Der gestandene Unternehmer, Chef von 110 Mitarbeitern, hörte sich Al-Hays Multi-Kulti-Geschichte über die kulinarische Verbrüderung von Kartoffel und Döner an. Und schauderte bei der Beschreibung der Versuche, die gewürzte Masse aus beidem mit einer Silikonspritze in eine Wursthülle zu bringen. Am Ende hatte er nur eine Frage: „Wo hast du deine Fleischmasse?“

Die hatte der als Kind aus dem Libanon nach Oldenburg geflohene Imbisswirt natürlich nicht dabei. Doch es dauerte nicht lange, da hatten die beiden die erste Wurst fertig – und nach vielen Verfeinerungen in der Küche von Bartsch ist sie nun marktreif

„Seit dieser Woche bieten wir sie Kunden an“, berichtet Bartsch. In der Fleischerei seien 80 Prozent der Rückmeldungen positiv, Edeka habe die Wurst gelistet, in einigen Supermärkten in der Stadt ist sie schon im Kühlregal. „Aber die Wurst aus Kartoffeln, Dönerfleisch, türkischer Wurst, Spinat und orientalischen Gewürzen ist immer noch ein Experiment“, sagt Bartsch, der schon viele Produkte hat kommen und schnell wieder gehen sehen. Ausschlaggebend war für ihn eine Verkostung im Unternehmen: „Alle Mitarbeiter haben gesagt, sie würden sie kaufen.“ Die Produktion begann. Die nächsten drei Monate, weiß Bartsch, entscheiden über Erfolg oder Misserfolg.

Doch auch für ihn ist wichtig, was Hani Al-Hay am Herzen liegt: „Dass das Produkt eine Geschichte erzählt: Multi-Kulti geht durch den Magen – und: Ohne Vorurteile können alle voneinander profitieren.“ Durch die Wurst sei ihm wieder bewusst geworden, dass seine 110 Mitarbeiter aus zwölf Nationen stammen. „Und das sind ganz tolle Leute.“ Möglich, dass diese Erfahrung seine anfängliche Reserviertheit auflöste, als er Al-Hay gegenüberstand und sein Blick auf dessen Markenzeichen fiel – den Haizahn an einer dicken Kette. Doch am Ende habe der Dönermann ihm gezeigt, „wie sehr wir alle davon profitieren, dass wir nicht nur Kartoffeln essen.“

„Das ist das, was ich sagen will“, fällt Hani Al-Hay ins Gespräch ein. Dort der arrivierte deutsche Unternehmer, hier der Imbisswirt mit arabischen Wurzeln: „Und wir machen das zusammen!“ Seit er voriges Jahr das Plakat „Kartoffel statt Döner“ in einem TV-Bericht über die Pegida-Demonstrationen sah und daraus „Miteinander statt Gegeneinander – Kartoffeln und Döner“ komponierte, treibt ihn das Thema um. Bartsch war der erste, sagt er, der nicht abwinkte, als er erzählte, dass er nur einen kleinen Imbiss habe, sagt Al–Hay. Dennoch: „Es ist immer noch eine Achterbahnfahrt der Gefühle.“ Und das Wichtigste: „Ich bin so glücklich in Oldenburg zu leben. Und stolz, das alle von uns lernen können, wie das geht: zusammen leben. Wie Kartoffel und Döner.“