• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Stadtgeschichte: Für Taler gibt’s heute viele Euros

02.07.2011

OLDENBURG Wer heutzutage den Euro umdreht, kann sich im Länderraten üben: Deutschland, Irland, Spanien – von überallher im Euro-Geltungsbereich kann die Münze kommen. Doch es gab auch einmal eine Zeit, in der man Oldenburg und nicht ferne Länder in Händen hielt, wenn man Münzen zählte: Am 29. Juni 1761, also vor exakt 250 Jahren, erhielt die Stadt letztmals die Erlaubnis, eine eigene Münze herzustellen.

Es war die Zeit der Dänenherrschaft über das Oldenburger Land, die wichtigen Entscheidungen kamen aus Kopenhagen. „Das Land war überschwemmt von unterwertigen Fremdmünzen, vor allem von preußischen Münzen aus dem Siebenjährigen Krieg seit 1757“, weiß Ernst Klie, Vorsitzender des Vereins Oldenburger Münzfreunde. „Dieser Zustand drückte besonders den kleinen Mann, denn größere Summen wurden ohnehin in wertbeständigen Goldmünzen gezahlt, in der Regel in französischen Louis d’or.“

Kupfer statt Silber

Um das Problem qualitativ minderwertiger Zahlungsmittel wussten auch damalige Experten, zum Beispiel die oldenburgischen Administratoren der Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst. „Die Münzsorten werden von Jahr zu Jahr schlechter, man bekommt Münzen mit Kupfer anstatt von Silber“, monierten Rochus Friedrich Graf von Lynar als Statthalter der dänischen Krone sowie Kammerdirektor Friedrich Wilhelm von Hendorff als Leiter der Finanzbehörde. „Der einfache Mann wurde übervorteilt, die Kaufleute bezahlen mit schlechten Münzen, das Sparen mit schlechten Münzen lohnt sich nicht.“

Das war um 1759, doch im fernen Kopenhagen waren die Beamten von König Friedrich V. von Dänemark wenig erbaut von den Oldenburger Forderungen. Erst als sich die Untertanen an der Hunte bereiterklärten, für die Kosten des Münzprojekts selbst aufzukommen, wurde im Juli 1960 – zunächst vorläufig – der Errichtung der neuen Münze in Oldenburg zugestimmt.

Von da ab ging alles sehr schnell: Das gräfliche Ballhaus (das es heute nicht mehr gibt; auf seinen Fundamenten wurde 1817 ein Regierungsgebäude errichtet, das jetzt Teile des Verwaltungsgerichts beherbergt) am Rande der Schlossfreiheit wurde Sitz der Oldenburger Münze. „Und nach nicht einmal einem Jahr waren Schmelzöfen aufgestellt, Silber aufgekauft, Münzstempel gefertigt und Münzen geprägt worden – und das alles in Handarbeit. Eine beachtliche Leistung“, zollt Ernst Klie den damaligen Münzbeamten großes Lob.

Gerichtliche Proklamation

Am 29. Juni 1761 jedenfalls meldeten die „Oldenburgischen wöchentlichen Anzeigen“ in ihren gerichtlichen Proklamationen und Publikationen, dass „nunmehro die hiesige so weit avanciret ist, daß von grob Courant als 1/6tel und 1/12tel (Thaler), imgleichen an allerhand klein Courant, ein ziemlicher Vorrath vorhanden“ ist.

Fortan zahlte Oldenburg mit eigener Münze (zurück). König Friedrich V. prangte auf der einen Seite, der jeweilige Wert auf der anderen. Unterschieden wurde nach Talern, großer Courant und kleiner Courant, Groschen, Grote und Pfennige.

Beliebt bei Sammlern

Die Freude über das eigene Geld währte in Oldenburg (wo es nach Recherchen von Ernst Klie seit 1690 keine eigenen Münzprägungen mehr gegeben hatte) nur kurz. Bereits am 30. August 1765 wurde der bis heute letzte Münzbetrieb der Stadtgeschlossen, andere, auswärtige Prägewerke übernahmen die Aufgabe.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Und dennoch haben diese vier Jahre Oldenburger Münze auch 250 Jahre später noch große Resonanz. „Oldenburg wird überall gesammelt, die Münzen sind bekannt – und hochpreisig“, merkt Klie an. Viel hängt da am Erhaltungsgrad des einzelnen Talers, doch wenn der gut ist, sind vierstellige Summen drin.

Die alte Oldenburger Währung ist offenbar durchaus hart geblieben.

Klaus Fricke
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.