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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Deutsche Bahn kalkuliert mit falschen Zahlen

21.01.2017

Oldenburg Die Gleishalle über den Bahnsteigen des Oldenburger Hauptbahnhofs kann mit relativ geringen Mitteln saniert werden. Die Korrosionsschäden sind gering, die von der Bahn beauftragten Sicherungsmaßnahmen sind dilettantisch ausgeführt worden. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Stadt beauftragtes Gutachten, das am Donnerstagabend im Bauausschuss vorgestellt wurde.

„Alle Teile sind in einem sehr guten Zustand“, betonte Uwe Gremmelmaier bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse. Einzig die Entwässerungsleitungen seien undicht. Selbst an der Dachkonstruktion seien keine größeren Schäden durch Korrosion gefunden worden, die großen Teile seien sogar rostfrei. Die sogenannten Notverbände, die die einzelnen Teile der Halle zusammenhalten und sichern sollen, seien erstens völlig überflüssig, zweitens dilettantisch angebracht worden und drittens nicht funktional. „Wenn sie tatsächlich unter Belastung geraten sollten, reißen die Schrauben“, prognostizierte Gremmelmaier. Die Notverbände haben die Verdrehungen an der Konstruktion erst erzeugt, ergänzte Gutachter Prof. Dr. Ing. Rainer Hempel.

NWZ-Kommentar von Thomas Husmann zum Gleishallen-Gutachten: Das ist starker Tobak, was der Bahn da vorgeworfen wird. Baudenkmäler lässt sie bewusst verfallen, in deren Unterhaltung wird kaum oder nichts investiert, Kosten werden schöngerechnet. Vertrauen kann man diesem Unternehmen wohl eher nicht. Dabei sind es die Bürger, die als zahlende Passagiere die Deutsche Bahn AG zu dem machen, was sie ist. Ein florierendes Geschäft mit Milliardengewinn, wie jüngst erst nachzulesen war.

Die Kundenzufriedenheit muss an erster Stelle stehen. Dazu gehören repräsentative Bahnhöfe.

Tatsächlich marode sind laut Gremmelmaier allerdings die Bimsbetondecken über den Bahnsteigen, die zum Teil in Auflösung begriffen seien. Die gemauerten Wände an der Seite der Gleishalle seien schlecht konstruiert.

Durch eine Gipsmarkierung sei im übrigen bewiesen worden, dass das Fundament nicht in Bewegung sei. Das lasse den Schluss zu, dass der Untergrund, anders als von der Bahn behauptet, kein Problem für die Konstruktion sei.

Die von der Deutschen Bahn vorgelegten Kosten für die Sanierung seien nicht nachvollziehbar, sagte Gremmelmaier – allerdings ohne eine eigene Berechnung vorzulegen. Ein komplette Sanierung der vorhandenen Halle kostet nach Berechnungen der Bahn rund 50 Millionen Euro, allein zehn Millionen davon für die neuen Fundamente.

Hempel führte Projekte wie die Lok-Halle in Göttingen, das Gerling-Quartier in Köln oder den Benno-Schilde-Park in Bad Hersfeld an, bei denen die Sanierung der Stahlkonstruktionen gelungen sei. Prof. Dr. Werner Lorenz rechnete vor, dass die Bahn in den vergangenen 50 Jahren jeweils 300 000 Euro für die Instandhaltung der Gleishalle hätte aufbringen müssen. Das eingesparte Geld in Höhe von 15 Millionen Euro könnte nun in die Sanierung gesteckt werden. Die Stadt warnte er davor, der Bahn bei der Berechnung der Baukosten zu glauben. Die von dem Unternehmen angeführten Neubaukosten seien nicht belegt. Auf der anderen Seite würden die Kosten für eine Sanierung der Gleishalle viel zu hoch angesetzt. Diese Erfahrung habe man auch in Chemnitz gemacht, wo ein Streit über Abriss und Neubau beziehungsweise Sanierung des stählernen Viadukts Chemnitztal entbrannt sei.

Dörte Lossin von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz warf ein, dass sich die Deutsche Bahn im Gegensatz zu Privatleuten offenbar nicht um den Erhalt denkmalgeschützter Gebäude kümmern muss. Das sei unverständlich.

Alles zum Krimi um die Gleishalle des Oldenburger Hauptbahnhofs lesen Sie in unserem Gleishallen-–Spezial.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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