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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Großherzog auf Staatsreise zum Sultan

31.03.2012

OLDENBURG Notwendige Auslandsreise, gezielte Provokation gegen den Kaiser oder einfach nur eine schöne Kreuzfahrt mit der Familie? Ein Urteil über den Besuch von Großherzog Friedrich August beim Sultan in Konstantinopel kann man sich aus heutiger Sicht wohl nicht erlauben. Fakt ist, dass der Großherzog mit seiner Familie vor 110 Jahren mit der „Lensahn II“ zu einer Seereise aufbrach, die ihn ins heutige Istanbul führen sollte.

Das Schiff hatte der leidenschaftliche Seefahrer 1901 in Auftrag gegeben. Ein Jahr zuvor war Friedrich August von Oldenburg nach dem Tod seines Vaters, Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg, Großherzog geworden. Im Winter lag die elegante Yacht im Bereich des heutigen Wendehafens. Vorgänger war ein 99 Bruttoregistertonnen großes Schiff, das seinem Nachfolger sehr ähnelte und im Bereich des Stautorkreisels festgemacht hatte.

„Hohenzollern“ ähnlich

Das neue Schiff soll der ersten „Hohenzollern“, der Yacht des Kaisers, sehr geähnelt haben, sie war nur etwas kleiner. Wilhelm II. soll sich den Überlieferungen zufolge über das kleine Plagiat furchtbar geärgert haben. In Oldenburg waren die Hohenzollern nicht sonderlich beliebt, der Nachbau kann als gezielte Provokation gewertet werden.

Friedrich August hatte selbst das Kapitänspatent „Große Fahrt“ und war auch der einzige Fürst im Deutschen Reich, der die Admiralsuniform tragen durfte. Mit der „Lensahn“ war der Großherzog häufig in der Nord- und Ostsee unterwegs, Im Jahr 1902 brach er mit seiner Familie zu einer Reise nach Konstantinopel (heute Istanbul) auf, die das seetüchtige Schiff trotz mehrerer heftiger Stürme gut überstand. Stabilisatoren, wie sie heute die modernen Schiffe haben, gab es nicht, die Passagiere müssen ziemlich gelitten haben auf dem relativ kleinen Schiff, das den Elementen recht schutzlos ausgeliefert war.

46 Personen an Bord

Bei Reisen, wie bei der nach Konstantinopel, waren mit der Herrschaft insgesamt 46 Personen an Bord: Oberhofmeisterin, Hofdamen, Kammerherrn und die weibliche Dienerschaft. Anfang April ist es 110 Jahre her, dass Friedrich August mit seiner Familie dem Sultan in Konstantinopel seine Aufwartung machte. Ehefrau Elisabeth hat die Reise in ihren Reisetagebüchern, die erst 2009 veröffentlicht wurden, detailliert beschrieben. Erstaunlich ist, mit welchen Ehren der Fürst eines doch recht kleinen Großherzogtums empfangen wurde. Die Kinder Sophie Charlotte (1879-1964) aus erster Ehe des Großherzogs mit Elisabeth Anna und Nikolaus (1897-1970) begleiteten das Ehepaar.

Die Yacht erreichte am 2. April von Troja kommend das Marmarameer und Konstantinopel, heißt es in dem Reisebericht. Gleich nach dem Anlegen kam der deutsche Botschafter an Bord und auch einige türkische Herren, um den Kontakt aufzunehmen.

Vom Sultan Abdül Hamid II. (1842-1918) wurden sie mehrfach empfangen. Bevor der Sultan sich selbst aufmachte, kamen zunächst die Sultaninen in drei geschlossenen Wagen herangefahren, „begleitet von entsetzlich aussehenden schwarzen Haremswächtern. Die Mädchen und Frauen waren alle leicht verschleiert und sahen neugierig aus den Fenstern“, heißt es in dem Tagebuch. Danach „marschierten die sämtlichen Regimenter vorbei, alle den steilen Berg hinunter,“ was etwa eineinhalb Stunden in Anspruch nahm.

Sultan problematisch

Der Sultan galt als problematischer Mensch, geht aus den Aufzeichnungen weiter hervor. „Alle diese Tausende von Menschen zittern vor der Laune dieses kleinen, alten Mannes, dem es vollständig frei steht, die Leute, die er heute noch ehrte, aus dem Lande zu weisen, die Existenz zu zerstören oder sie zu töten. Oh, diese grauenhafte Menschenfurcht, wie erniedrigt sie den Menschen!“ Eine alte Ansichtskarte hält szenisch fest, was da damals passiert sein könnte.

Die Mitglieder der Reisegesellschaft aus Oldenburg wurden indes vom Sultan behandelt wie Staatsgäste. „Wir ruhten ein wenig, dann ging‘s ans Anziehen zu dem Galadiner beim Sultan. Wir taten unsere Ordensbänder um und fanden uns unglaublich schön damit. Wir fuhren nun in geschlossenen Wagen zum Yildiz-Palast, wo es durch Ehrenkompanien ging und wir vom ganzen Hof empfangen wurden. Man führte uns die Treppe hinauf, wo oben der Sultan stand und uns begrüßte, und mir den Arm bietend, stellte er mir den Großwesir und eine Horde alter Herren vor. Dann gingen wir in den Audienzsalon.“

Von dort aus führte der Sultan seine Gäste in den Esssaal. Das Essen war allerdings recht schlecht, es sei schon seit Tagen gekocht und für die Mahlzeit wieder aufgewärmt worden. Elisabeth von Oldenburg konnte das Essen nicht genießen: „Endlich endete das Mahl, auf dem Tisch standen eine goldene Vase neben der anderen, Riesendinger im Empirestyl, und das ganze Geschirr war aus Gold, nicht ein Stück Silber oder Porzellan. Der Sultan erhob sich und wir mit. Er bot mir den Arm, und wir gingen.“

Unruhige Rückreise

Die Oldenburger müssen sich beim Sultan sehr beliebt gemacht haben. Beim Abschied hieß es, der Sultan sei noch nie so ungeniert und lustig gewesen, kein Fürst wäre von ihm bisher so behandelt worden.

Die Rückreise vom Märchenland begann am 10. April 1902 unruhig: „Eine stürmische Oceannacht, Lotta und Niki aber mußten dran glauben, wenn auch Niki nur ein Mal. Früh um sieben Uhr waren wir im Hafen von Athen.“ Von da aus ging es zurück ins heimatliche Oldenburg – in ruhigere Gewässer.

Thomas Husmann
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2104

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