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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Hafen-Bau setzt Eisenbahn aufs Gleis

22.03.2017

Nur wenige Menschen wissen, dass der frühere oldenburgische Staat eine Staatsbahn besaß – die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn G.O.E., was der Volksmund ironisch zu „Ganz ohne Eile“ uminterpretierte. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich eine Bahn, deren Betriebsstruktur jedem Vergleich mit anderen deutschen Staatsbahnen standhielt. Aber der Anschluss des Großherzogtums an das Schienennetz kam spät – Oldenburg war der letzte Staat in Deutschland, der Schienenanbindung erhielt. Woran lag dies?

Der kleine Staat Oldenburg war komplett umgeben vom Königreich Hannover. Dies hatte schon 1853/54 seine Eisenbahn unter anderem von Hannover über Rheine nach Emden gebaut. Sämtliche Bestrebungen Oldenburgs, Strecken über hannoversches Gebiet zu bauen, vereitelte Hannover. Um Streckenziele wie Leer, Emden, oder Osnabrück zu erreichen, war es notwendig, über hannoversches Gebiet Strecken zu bauen. Oldenburg drohte die Isolation, die von Hannover durchaus nicht ausgeschlossen wurde.

Einigung mit Preußen

Eine Wende trat ein, als das Königreich Preußen beabsichtigte, an der Jademündung ein „Marine-Etablissement“ einzurichten. Im Jahre 1853 wurde der Jadevertrag zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Preußen unterzeichnet. Die Keimzelle Wilhelmshavens bedeutete eine Wende.

Es dauerte aber noch geschlagene 11 Jahre, bis hannoversche Widerstände überwunden waren. Ein Vertrag wurde zwischen Oldenburg, Bremen und Preußen geschlossen. 1865 konnte endlich der Bau der Strecke Oldenburg – Bremen beginnen.

Die Gesamtstrecke war projektiert von Bremen über Oldenburg nach Heppens – eines der drei oldenburgischen Dörfer an der Jademündung, die später in Wilhelmshaven aufgingen. Technische Schwierigkeiten verzögerten die rechtzeitige Inbetriebnahme des Abschnittes Oldenburg – Heppens. Der moorige Boden und Entwässerungsprobleme machten den Bahnbauern massiv zu schaffen. Mit der Zeit wurden hier aber Lösungen gefunden. Ein entscheidender Umstand trat 1866 ein: Das Königreich Hannover wurde von Preußen kurzerhand annektiert, weil es Bündnispartner des im Kriege 1866 zwischen Preußen und Österreich unterlegenen Wiener Kaiserreiches war. Für Oldenburg bedeutete dies die entscheidende Wende. Ohne hannoversche Querschüsse konnten die Streckenplanungen nun realisiert werden.

In zwei Schritten wurde die Strecke 1867 in Betrieb genommen: Am 14. Juli fanden Probefahrten statt, am 15. Juli wurde die Strecke Oldenburg – Bremen dem öffentlichen Verkehr übergeben. Damit hatte die langersehnte Bahnanbindung des Großherzogtums endlich stattgefunden. Am 3. September 1867 wurde der eigentliche Endpunkt Heppens erreicht (Wilhelmshaven hieß das Ganze erst ab 1869, als der preußische König und nachmalige Deutsche Kaiser Wilhelm I. der Stadt ihren Namen verlieh.) Der oldenburgische Staat verfolgte von Anfang an den Staatsbahngedanken. Privat finanzierte Bahnstrecken wurden abgelehnt. Zwischenzeitlich, als Hannover sich wegen des Südbahnabschnittes der Strecke Oldenburg – Osnabrück ab Quakenbrück dauerhaft querstellte, kamen Gedanken über eine Beteiligung nichtstaatlicher Gesellschafter auf, wurden aber schnell wieder verworfen.

Im Jahre 1845 machte der Vareler Konsul Bley den Vorschlag, eine Bahnstrecke von Brake über die Stadt Oldenburg Richtung Vechta zu bauen, um weiter Anbindung an die Strecke Bremen – Münster zu erhalten. Schon 1851 wurden die Planungen geändert; zum ersten Mal plante die Stadt Oldenburg eine Bahnstrecke nach Bremen. Hinter dem Vorhaben stand eine niederländische Gesellschaft, die eine Zinsgarantie von drei Prozent/Jahr verlangte. Dies lehnte die oldenburgische Staatsregierung ab.

1852 begannen Verhandlungen zwischen Oldenburg und Preußen über einen Beitritt des Großherzogtums zum Deutschen Zollverein. Hierbei machte der oldenburgische Landtag zur Bedingung, dass Oldenburg im Zuge der Verhandlungen eine Bahnanbindung zugesichert wurde. Der Beitritt zum Zollverein erfolgte, aber der Anschluss an die Eisenbahn immer noch nicht.

1853 erfolgte der Abschluss des Jadevertrages; dies gab einen enormen Anschub für den Bau einer Bahnverbindung von Bremen über die Stadt Oldenburg Richtung Heppens. Zwar standen militärische Aspekte im Vordergrund, aber eine sachliche Betrachtung der Handelsbeziehungen zwischen den Städten Oldenburg und Bremen ließ das Projekt durchaus lohnenswert erscheinen.

Ein reger Verkehr erfolgte per Schiff auf der Hunte (damals noch nicht begradigt). Der Transport über Wasser war aber zeitaufwendig. Bremen seinerseits schätzte die liberale Politik des Großherzogtums und nutzte sie für Zweigniederlassungen Bremer Betriebe auf oldenburgischem Gebiet.

Vertrag am 8. März 1864

Am 8. März 1864 wurde der Vertrag zwischen Oldenburg und Bremen über den Bau der Strecke von Bremen Richtung Oldenburg unterzeichnet. Nun konnte der Bau beginnen. Ein schwieriger Punkt war die Weserquerung. Diese musste letztendlich auch Oldenburg bezahlen und war ein erheblicher Kostenfaktor beim Bau der Strecke.

Aber die Erfahrung machte aus den Oldenburger Bahnbauern Fachleute, die mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten und diese souverän bewältigten. Weser- und Huntequerung; mooriger Untergrund auf vielen Abschnitten stellten eine große Herausforderung dar.

Aus kleinen Anfängen und nach erheblichen Schwierigkeiten konnte das auf die Einwohnerzahl bezogen dichteste Streckennetz Deutschlands entstehen. Und wurde wirtschaftlich betrieben. Die Abkürzung „G.O.E.“ hieß dann auch „Große Oldenburgische Einnahmequelle“.

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Marine

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