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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Oldenburger Bahnhof wird zur Dauer-Baustelle

10.01.2017

Oldenburg Bahnsteige sind eine herbe Angelegenheit. Werner Kraft ist daran gewöhnt. Er steht bei 3 Grad und Nieselregen an Gleis 6 und wartet auf seinen Zug nach Varel: 15.06 Uhr, Gleis 5. Kraft wartet lieber an Gleis 6, weil das Schweizer-Käse-Dach den Regen gerade an Gleis 5 ungehindert den Zuggästen von oben ins Gesicht weht. Seit Jahr und Tag fährt der Pendler aus Varel mit der Bahn zur Arbeit nach Oldenburg. Aber so ungemütlich wie derzeit, war es hier nie.

Kraft hofft auf die Sanierung. Er sagt: „Die Konstruktion sollte so bleiben, wie sie ist. Die Frage ist aber, was die Bahn tatsächlich macht. Zurzeit hat man den Eindruck, als hielte sie die Stadt hin.“

Die massive Holzkonstruktion, die quasi über Nacht an Gleis 7 und 8 eingezogen wurde, wundert ihn, vor allem wegen der breiten Betonfüße: „Wenn man diese Klötze überall verteilt, wird es eng für die Reisenden vor den Türen.“ Kraft hofft, dass nach dem Glas jetzt nicht plötzlich auch noch der Bimsbeton aus der Dachhülle entfernt wird: „Schon jetzt ist man nur schlecht geschützt, aber dann wäre man dem Wetter völlig ausgesetzt.“

So soll es auch nicht kommen, sagte Stadtsprecher Reinhard Schenke am Montag: „Frau Nießen hat sich mit der Bahn verständigt, dass die Holzgerüst-Arbeiten zwar weitergeführt werden, aber nicht in die Konstruktion eingegriffen und auch der Bimsbeton nicht angefasst wird.“ Zunächst müssten Gespräche über die weiteren Planungen geführt werden.

Beispiel Wiesbaden

Dass ein derart massiver Einbau ohne Rücksprache mit der Stadt erfolgt sein soll, wäre „überraschend“, sagte ein Bürger, der sich das Bauwerk am Montag aus privatem Interesse ansah. Der ehemalige Mitarbeiter des hessischen Verkehrsministeriums verwies auf das Beispiel Wiesbaden. Dort habe die DB mit der Landesregierung eine hervorragende Lösung im alten Stil gefunden: „Die Gleishalle sieht jetzt noch besser aus als vorher.“ Jedes Teil, das schadhaft war, sei erneuert worden.

Aus seiner Erfahrung hätten es die Bahn-Verantwortlichen aber „auch nicht leicht – die Bahn steht unter unglaublichem Sparsamkeitszwang“.

Nach Angaben der Bahn ist die Stadt von den Holzgerüst-Einbauten, die dem Schutz vor herabfallenden Steinen, die von oben feucht geworden seien, sowie späteren Arbeiten an der Konstruktion dienen sollen, nicht überrascht worden. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „Die Stadt war sehr wohl informiert.“ Im September seien Sicherungsmaßnahmen besprochen worden. Die massive Beton-Holz-Konstruktion sei nun gewählt worden, um „keine doppelten Kosten zu verursachen“, da die Gleishalle in jedem Fall angefasst werden müsse. Sie werde an allen Gleisen eingebaut und über den Trägern noch verlattet. Wegen der Leitungen in den Bahnsteigen seien für die Verankerung die oberirdischen Betonklötze nötig geworden.

Folker von Hagen von der AG Baudenkmalpflege der Oldenburgischen Landschaft und ehemaliger Baudezernent des Landkreises Oldenburg, sagte: „In jedem Fall sieht diese Konstruktion nicht nach dem Schutz vor herabfallenden Steinchen, sondern ziemlich unverhältnismäßig aus, als wäre sie für die Ewigkeit und kein Provisorium.“

Lösung mit Stadt gesucht

Es bestehe die Sorge, „dass die Halle demontiert wird und vollendete Tatsachen geschaffen werden“. Es müsse aber „so viel wie möglich von der vorhandenen, brauchbaren Substanz erhalten werden“. Die Zusage des Bahnchef, dass Oldenburg keine 0815-Gleishalle bekomme, sei etwas ungenau und „jedenfalls kein einklagbarer Rechtsanspruch“. Umso mehr müsse darauf gedrängt werden, dass „erst geklärt wird, was da hingebaut werden soll, bevor es weitergeht“. Dafür müssten sich beide Seiten bewegen. „Man muss über das reden, was kommen soll.“

Erste Signale sind da. Bahnsprecher Meyer-Lovis: „Es ist unser Ziel, schnellstmöglich mit der Stadt eine Lösung für die Gleishalle zu finden.“ Deshalb sei ja auch der Bauantrag zurückgezogen worden.

So oder so wird das Projekt die Oldenburger lange beschäftigen. Experten gehen davon aus, dass die Gleishalle für die nächsten fünf Jahre eine Baustelle sein könnte – ob eine Sanierungs-, Neu- oder Replikbaustelle, ist unklar. Andrea Gebken, Bereichsleiterin Nord bei der zuständigen DB Station & Service in Osnabrück, hatte die groben Kosten für einen Neubau kürzlich mit 11 Millionen, für eine Sanierung mit 35 und für eine Nachbildung mit 18 Millionen Euro beziffert. Aus ihrer Sicht sei „die Halle schwer zu erhalten“, so die Bahnmitarbeiterin.

Alles zur Gleishalle des Oldenburger Hauptbahnhofs lesen Sie in unserem Spezial.

Karsten Röhr
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2110

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