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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Hauptstadt der vergessenen Rundbunker

20.02.2010

OLDENBURG Wer an Luftschutzbunker denkt, hat meist ein ganz bestimmtes Bild vor Augen. Dass das Bild einen der Oldenburger Rundschutzbunker zeigt, ist eher unwahrscheinlich. „Es ist nach wie vor sehr unbekannt, was das für Bauten sind“, so der Wilhelmshavener Experte Holger Raddatz.

Schutz vor Trümmern

Mindestens 120 dieser Bunker sind ihm zufolge in Oldenburg erhalten geblieben. Die kleinen Bauten aus Stahlbeton sind zwischen 15 und 40 Quadratmeter groß, haben maximal 90 Zentimeter dicke Wände und boten im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Trümmern und Splittern. Durch die runde Form hielten sie erheblich mehr Detonationsdruck aus, Brandbomben prallten am Kegeldach ab. Platz gab es für etwa zehn Personen. Die Rundschutzbauten als Bunker zu bezeichnen, sei allerdings streng genommen falsch, betont Holger Raddatz. „Bunker sind Bauten, die bombensicher sind. Rundschutzbauten halten einem Volltreffer nicht stand.“

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Nicht nur der Baustil, auch die Dichte der Rundschutzbauten in Oldenburg ist nahezu einzigartig. Nur in Hamburg wurden mehr gebaut. Verwunderlich ist es trotzdem nicht, dass die Relikte von den allerwenigsten Bürgern wahrgenommen werden. Die Mehrzahl liegt versteckt in Innenhöfen und Gärten und ist völlig überwachsen.

„Damit es netter aussieht“

Einer dieser Oldenburger Rundbauten steht auf dem Grundstück der Anwaltskanzlei Simon und Schubert in der Meinardusstraße 4. Eckhard Simon, Notar, Rechtsanwalt und Miteigentümer des Baus, hat den Bunker nie betreten. Die Eingangstür ist eingerostet, vor etwa 20 Jahren haben die Anwälte die Notfalltür zubetonieren lassen. Den Bau haben die Eigentümer nahezu komplett mit Efeu überwachsen lassen, „damit es ein wenig netter aussieht“, so Eckhard Simon. Entfernen ließen sie ihn aber nicht. Schließlich habe er nicht weiter gestört. Sollten jedoch irgendwann Parkplätze fehlen, müsse der Bunker unter Umständen dran glauben, ergänzt Simon.

Holger Raddatz hingegen bedauert, dass die Rundschutzbauten nicht unter Denkmalschutz stehen. Wenn es nach ihm als Historiker ginge, müsste mindestens ein Rundschutzbau jeder Bauart geschützt werden, meint er. „Dieses Geschichtsthema darf man nicht ausblenden.“

Wenig Interesse

Während des Krieges arbeiteten im Bürohaus der Meinardusstraße 4 die Mitarbeiter der Propagandaleitung des Gaus Weser-Ems, bestätigt Eckhard Simon. Gauleiter ab 1942 war Paul Wegener. Er und seine Mitarbeiter waren es vermutlich, die in dem kleinen Luftschutzbau Schutz fanden. Dass der Bau speziell für die Mitarbeiter gedacht war, bezweifelt Holger Raddatz aber. Da er mit vielen anderen Rundschutzbauten in Oldenburg baugleich sei, gehe er davon aus, dass er für die Zivilbevölkerung gedacht war. „Der Bau eines Bunkers für ein hohes Parteimitglied hätte weit mehr Material in Anspruch genommen.“

Immer wieder komme es vor, dass Holger Raddatz sein Interesse an Luftschutzbauten rechtfertigen müsse. „Es ist ein schweres Thema, und es hängt mit dem Nationalsozialismus zusammen. Da muss man sich natürlich klar von distanzieren“.

Viele wüssten auch gar nicht, was da in Nachbars Garten steht. Gerade bei den Jüngeren stoße er mit seinen Forschungen auf wenig Interesse. „Die haben keine Verbindung dazu“, so der Experte.

Absurde Ideen

Teils kämen von jungen Menschen auch absurde Vorschläge. Zum Beispiel der, in einem Bunker eine Disko einzurichten. „Die finden das ,cool’. Aber das kann man natürlich nicht machen“, so Holger Raddatz. Er selbst hat sein Interesse für Bunker im Alter von fünf Jahren entdeckt. Damals erklärte ihm sein Großvater, was es mit den Gebäuden auf sich hat. „Es ist die Andersartigkeit, die mich fasziniert. Der Unterschied zu normalen Wohnhäusern.“ Nun überlegt er, sein Wissen in einem Buch zusammenzufassen.

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