• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Schuhe und Cordhosen von Heinz Schenk für Flüchtlinge

23.10.2015

Oldenburg Schuhe aus Leder, Mäntel von Gerry Weber, Cordhosen der Extraklasse – und von all diesen edlen Stücken ein ganzes Auto voll: Horst Klemmer, Nachlassverwalter der 2014 verstorbenen Unterhaltungslegende Heinz Schenk („Der blaue Bock“), hat am Donnerstag die Kleidung seines einst engen Vertrauten von Wiesbaden nach Oldenburg an den Stubbenweg geholt. „Zumindest die Hälfte seines Besitzes“, sagt er. Das ist weder wenig, noch alter Ramsch und duftet auch nicht nach Schenks berühmtem „Ebbelwoi“.

Die Sache(n) an sich

Natürlich gibt es auch in Hessen Flüchtlinge wie Bedürftige – aber erstens ist Klemmer Oldenburger, zweitens war Schenk häufiger Gast in der Übermorgenstadt, und drittens wollte Klemmer mit der Großlieferung auch seinem Freund Dieter Holzapfel (DRK-Landespräsident Oldenburg) und damit den mittellosen Hallenbewohnern zur Seite stehen.

Um den berühmten Vorbesitzer schert sich hier allerdings niemand – weder Helfer noch Flüchtlinge. Und eben dies scheint hier auch ein ganz wichtiges Signal: In der Not ist niemand gleicher als andere, hier geht es um die Sache(n) an sich. Wie schwer die Situation in der von haupt- und ehrenamtlichen Helfern provisorisch, aber mit aller Anstrengung und auch Liebe hergerichteten Halle am Stubbenweg ist, konnte Klemmer direkt vor Ort erleben. Am Nachmittag erreichte das hier federführende DRK-Team ein Anruf aus der Erstaufnahmeeinrichtung Bramsche: „50 weitere Flüchtlinge sind auf dem Weg“.

Kurzerhand wurden gemeinsam mit anderen Flüchtlingen sieben durch Bauzäune abgetrennte Bereiche mit jeweils sieben Europaletten-Betten ausgerüstet – für ein Minimum an Menschenwürde. Die Stimmung ist trotz der für Außenstehende bedrückenden Atmosphäre bei den bereits seit einigen Tagen hier untergebrachten 85 Flüchtlingen weitestgehend gelöst.

Kurzfristige Zukunft

„Würde Assad [Syriens Staatspräsident, Anm. d. Red.] uns hier sehen – er würde uns gleich umbringen lassen“, sagt einer der jungen Männer und trägt lächelnd eine Leichtmatratze in einen der durchnummerierten Bereiche. Ein Widerspruch ist das nicht. Wer den Stubbenweg erreicht, ist glücklich, eine zumindest schon mal kurzfristige Zukunft zu haben. Dort, wo jetzt noch drei gespendete Tischtennisplatten stehen, werden bald die ersten „Holzboxen“ aufgebaut. Feste Wände, die das Folien-Gitterzaun-Drumherum zum Teil ersetzen sollen. Lebensmittel kommen aus dem evangelischen Krankenhaus, Hilfs- und Betreuungsangebote von Vereinen wie Privatpersonen. Täglich stehen Menschen vor der Halle, bieten säckeweise Kleidung oder die eigenen Hände und gute Worte an.

„Die Hilfsbereitschaft ist nach wie vor überwältigend“, sagt Dieter Holzapfel. Und auch dringend nötig, daraus macht er keinen Hehl. Allerdings: Weil so viele Menschen ihre Spenden zum Stubbenweg bringen, kommen sie hier weder mit Lagerflächen noch mit der Sortierung hinterher. Abgewiesen wird hier zwar kein Helfer oder Spender, hilfreich wäre es aber im wahrsten Sinne, würde die Kleidung bei der DRK-Kleiderkammer an der Kurlandallee 23 abgegeben werden.

Anders sieht es bei Spielen und auch Fahrradhelmen aus. Zahlreiche Flüchtlinge sind minderjährig, wie viele es noch werden und auch wann, das weiß hier niemand. Aber alles, was den vor allem jungen Menschen jegliche Ablenkung vom Erlebten ermöglicht, wird benötigt. Das hat auch Horst Klemmer gesehen. Einen von Schenks „Bembeln“ hatte er zwar nicht dabei, aber warme Kleidung war da sicher die bessere Wahl.


  www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

Weitere Nachrichten:

Gerry Weber | DRK | Krankenhaus | Kleiderkammer

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.