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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Wirtschaft

Hilfe kommt nur langsam bei Opfern an

27.04.2016

El Carmen /Pedernales /oldenburg „Ich sehe die Kinder auf dem Spielplatz, und alles sieht heile aus“, notiert Annika Janßen am 17. April in ihrem Zimmer im 2. Stock des Kinderheims in Santo Domingo. „Doch gestern bebte für 40 Sekunden die Erde! Man konnte nicht mehr laufen. Auf allen Vieren sind wir unter den Tisch gekrabbelt.“

Die 19-Jährige aus Osternburg, die seit sieben Monaten einen Freiwilligendienst in einem Waisenhaus für misshandelte und sexuell missbrauchte Kinder in Santo Domingo verrichtet, hat die Katastrophe hautnah erlebt.

Zunächst habe sie das Ausmaß gar nicht realisiert. Nach und nach kommen die Informationen. „25 Minuten nach dem Beben hat eine Kollegin vor Ort erfahren, dass sie sechs Familienangehörige in der Stadt Pedernales verloren hat“, berichtet Annika der NWZ .

Erschütternde Meldungen von Überlebenden erreichen die junge Oldenburgerin, die im vergangenen Jahr ihr Abitur an der Helene-Lange Schule abgelegt hat und nach dem Freiwilligendienst Grundschullehramt studieren will. „Ich traf eine Familie aus Pedernales, die in einer kleinen Straße wohnte, in der elf Nachbarn gestorben sind.“ Die Tante einer Kollegin habe kurz vor dem Beben ihr Haus betreten wollen und habe mit anschauen müssen, wie das Haus über ihren drei kleinen Söhnen eingestürzt sei.

„Ich kann mich unfassbar glücklich schätzen, dass ich in einem stabilen Haus aus Beton wohne und 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt“, berichtet Annika. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie schrecklich das Erdbeben direkt an der Küste gewesen sein muss.“

Ebenfalls unter dem Eindruck des Bebens steht Charlotte Woelke. Die 18-Jährige aus Hatten hielt sich zu Besuch bei Annika Janßen auf, als alles begann. Die beiden jungen Frauen verfolgen zusammen die Entwicklung.

Die Rettungs- und Aufräumarbeiten seien schwierig, berichten sie. In Auffanglagern seien zu viele Obdachlose untergebracht. Die Menschen fürchteten sich vor einstürzenden Dächern.

Anhaltende Nachbeben, die vor allem nachts die Orte erschütterten, schürten Unsicherheit. „Alle haben Angst zu schlafen.“ Auch die Nachrichtenlage sei unbefriedigend. „Man weiß nicht, was man glauben kann, zudem gibt der Staat keine genauen Informationen, angeblich um keine Panik zu entfachen.“

Kollegen und Freunde berichteten von fehlender Organisation und unhaltbaren hygienischen Zuständen, sagt Annika. Krankheiten wie Zika, Denge, Gelbfieber und Tetanus seien ausgebrochen. Verwesungsgeruch laste über den Häusern. „Viele Freiwillige verlassen die Krisenregion direkt nach ihrer Ankunft.“

Die Solidarität im Land sei jedoch riesig. „Jeder bringt, wenn er kann, mit seinem Geländewagen, den Camionetta, Spenden.“ Viele Menschen seien jedoch zu arm, um helfen zu können. Erzieherinnen, Lehrer und andere staatliche Bedienstete hätten seit drei Monaten keine Gehälter mehr erhalten, erzählt Annika.

Hilfsgüter erreichten vor allem größere Städten. Kleinere Städte, die aufgrund zerstörter Straßen nur zu Fuß erreichbar seien, blieben hingegen oft ohne Hilfe. „Es fehlt an Wasser, Essen und medizinischer Versorgung. Die Menschen leiden unter vielen Raubüberfällen und Gewalttaten.“ Menschen harrten vor den zerstörten Häusern aus, um nicht noch das letzte bisschen Eigentum zu verlieren.

Auch sie selbst versuche, mit Kolleginnen und Kollegen zu helfen. „Aber durch fehlende Organisation ist dies schwer, am meisten wird Wasser und Geld für Ärzte benötigt.“ Hilfe erreichte die Opfer auch aus Oldenburg. Seit Jahren unterhält die Katholische Kirchengemeinde St. Willehad eine Patenschaft mit Santo Domingo. Mehr als 15 Jugendliche aus Oldenburg und Umgebung haben im Waisenhaus bereits mitgearbeitet.

Konkret beschäftigt Annika der Fall von zwei Geschwisterkindern aus dem Kinderheim, die gerade wieder in ihre Familie eingegliedert werden sollten, als das Beben deren Haus komplett zerstörte.


Infos über die „Fasca“ in Santo Domingo unter   www.fasca.org.ec 
Infos über die Patenschaft unter   www.st-willehad-oldenburg.com 
Christoph Kiefer Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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